Kurt Udermann

Liebe Freunde!

Ich werde heuer wieder drei Monate in Ciudad del Este (Paraguay) in der Pfarre St. Lukas aushelfen. Wie gewohnt werde ich zuvor ein Land in Südamerika besuchen, das ich noch nicht kenne. Das wird in diesem Jahr Uruguay sein. Diesmal werde ich auch nicht allein reisen, sondern zusammen mit Angelika und Ditmar.

Wir werden am 10. März von Wien nach Madrid und von Madrid nach Montevideo fliegen, natürlich mit Iberia. Drei Wochen lang werden wir das 3,5 Millionen Einwohner zählende und 176 215 Quadratkilometer große Land besuchen.
Nach den drei Wochen mit Angelika und Ditmar in Uruguay werde ich noch einige Tage Buenos Aires besuchen und am 7. April meinen Dienst in Ciudad del Este antreten.
      
Montevideo, 11. März 2026, Hotel NH Montevideo Columbia

Wir haben uns gestern am Flughafen in Wien-Schwechat gegen 17:00 beim Iberia-Schalter zum Einchecken getroffen. Um ca. 20:00 Uhr gingen wir in die Luft und landeten in Madrid planmäßig um 22:55 Uhr. Um 23:59 Uhr startete unsere Maschine nach Montevideo. Wir mussten uns beeilen, weil wir auf verschlungenem Weg zu einem Zug mussten, der uns zum Terminal 4 S brachte und wir schließlich das angegebene Gate C 33 erreichten und den Airbus A 330-200 bestiegen.

Während die Maschine von Wien nach Madrid voll war, gab es für die lange Strecke nach Montevideo Platz genug. Das heißt, dass der Flug sehr bequem war. Bald wurde das Abendessen serviert, dann konnte man - wer wollte und konnte - schlafen. Wie viele andere Passagiere schaute ich mir zwei Filme an: „Kein Erbarmen“ mit Clint Eastwood und „Das Zimmer nebenan“ von Pedro Almodovar. Im zweiten Streifen ging es um die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben. Ein Film mit wunderschönen Aufnahmen und Tiefgang.

Nach dem Frühstück landeten wir pünktlich in Montevideo. Am relativ kleinen, aber wohlgefälligen Flughafen, war unser Gepäck schnell verfügbar. Probleme gab es nur bei der Pass-Kontrolle, weil die elektronischen Kontrollgeräte auf die neuen EU-Reisepässe von Angelika und Ditmar noch nicht eingestellt waren. Mit einem Kleinbus wurden wir zur Leihwagenfirma gebracht, wo wir unseren Mietwagen abholten und in unser ca. 22 km entfernten NH Montevideo Columbia Hotel fuhren. So bekamen wir einen ersten Eindruck von der berühmten Küstenstraße (Rambla) Montevideos. Die Sonne lachte und die Palmen winkten zur Begrüßung. Urlaubs-Gefühle stellten sich ein.

Wir deponierten im Hotel unser Gepäck und statteten der Altstadt von Montevideo einen ersten Besuch ab. Zunächst gab es einige Dinge auf einem Flohmarkt in der Fußgängerzone zu bewundern, dann machte mich die Atmosphäre in der Johannes-Kirche betroffen. Auch, wenn es auf den Straßen und Plätzen viel zu sehen gab, geht es doch ruhig und gemütlich zu.

Schließlich kamen wir zum Unabhängigkeitsplatz. Die Plaza Independencia ist der wichtigste und symbolträchtigste Platz von Montevideo. Er markiert die Grenze zwischen der historischen Altstadt (Ciudad Vieja) und dem modernen Zentrum (Centro). Der Platz wurde im Jahr 1837 von dem Architekten Carlo Zucchi entworfen, als die Stadtmauern von Montevideo abgerissen wurden, um die Stadt zu erweitern. Sein Name feiert die Unabhängigkeit Uruguays. Er wurde als monumentales Zentrum konzipiert, das die koloniale Vergangenheit mit der republikanischen Zukunft verbindet.

An der Westseite steht die Puerta de la Ciudadela, der einzige erhaltene Rest des alten Stadtmauer-Tors aus der spanischen Kolonialzeit. In der Mitte des Platzes steht das imposante Reiterdenkmal von José Gervasio Artigas, dem Nationalhelden Uruguays. Direkt unter der Statue befindet sich ein unterirdisches Mausoleum, in dem die Urne mit der Asche von Artigas aufbewahrt wird. Es wird rund um die Uhr von der Ehrengarde (Blandengues de Artigas) bewacht. 

Rund um die Plaza Independencia befinden sich einige der markantesten Gebäude des Landes: Der Palacio Salvo: Bei seiner Fertigstellung 1928 war er das höchste Gebäude Südamerikas. Er ist das architektonische Wahrzeichen der Stadt. Der Torre Ejecutiva: Der aktuelle Sitz des Präsidenten von Uruguay. Das Teatro Solís ist das älteste und bedeutendste Theater des Landes. Es liegt nur wenige Schritte entfernt an einer Ecke des Platzes. 

Heute ist der Unabhängigkeits-Platz der Ort für alle großen Staatszeremonien, Amtsübergaben der Präsidenten und der zentrale Knotenpunkt für Touristen.

Das verspätete Mittagessen nahmen wir im „Tasende“ ein. Nicht weit vom Unabhängigkeits-Platz und dem Theater Solis entfernt befindet sich diese Kneipe. Wir probierten die Spezialität des Hauses: Pizza al tacho (Pizzaboden mit viel Käse und ohne Tomatensauce). Kaffee und Kuchen nahmen wir in einem Café. Was wie eine Süßigkeit anmutet, ist hier oft mit gar nicht süßem Inhalt gefüllt. 
 
Donnerstag, 12. März 2026

Nach dem ausgiebigen Frühstück um 8:00 Uhr gingen wir erneut zur Altstadt von Montevideo. Nicht weit von unserem Hotel entfernt befindet sich die Post mit einem Museum. Diesem noch aktiven Postamt widmeten wir unseren ersten Besuch. Es wird einem bewusst, dass viele Bauten der Stadt aus der „guten, alten, glorreichen Vergangenheit“ des Landes stammen. Wir führten anschließend auf der Straße ein Gespräch mit einer in Deutschland und in Zürich gelebten und jetzt in Montevideo beheimateten Frau mit italienischen Wurzeln. Sie riet uns, zur Sicherheit eine Immobilie in Uruguay zu kaufen.

Wir wanderten in Richtung „Hafen-Markt“ mit vielen andern Touristen. Da gab es viel zu sehen, herrliche Fassaden, große Geschäfte, kleine Laden, viele Obststände, Souvenir-Geschäfte, Bücherstände und Antiquitätenhändler. Die riesige Markthalle mit den zahlreichen Restaurants ist die absolute Attraktion in diesem Stadtteil. Es wäre gar nicht so leicht gewesen dort einen Platz zu bekommen. Ausführlich besichtigten wir einen Kunsthandwerk-Laden mit vielen schönen Produkten einheimischer Künstler.

Weiter ging es zur Nationalbank, wo es eine wunderbare Ausstellung zu bewundern gab. Einerseits ging es um Gauchos und ihre Lebenswelt und andererseits wurde gezeigt, wie Motive aus deren Leben Münzen aufgeprägt wurden. Der Saal, in dem sich die Ausstellung befindet, ist imposant und zeugt ebenfalls von der großen Zeit Uruguays. Auch alte Bankschalter werden gezeigt und man wird in einer 3D-Show hineingenommen in den Alltag eines landwirtschaftlichen Betriebes.

Neben der Nationalbank befindet sich die Franziskaner-Kirche. Sie ist sehr groß, weist aber vor allem außen viele Bau-Schäden auf. Offenbar fehlt das Geld, um sie zu beheben. Das Mittagessen nahmen wir im Restaurant „Estrecho“ ein. Da es den Ort gewechselt hatte, war es gar nicht so leicht es zu finden. Das Essen war gut und das Lokal sehr ansprechend.

Beim Verlassen des Restaurants blies uns frischer Wind entgegen. Wir beschlossen ins Hotel zu gehen und einen Pullover zu holen, um unser Programm zu Ende zu führen. Wir durchquerten den Unabhängigkeits-Park und marschierten am Palacio Salvo vorbei auf der Avenida 18. Juli bis zum interessanten Gebäude der Stadt-Gemeinde (Palacio Municipal). Wir passierten auch die Freiheitsstatue, wo am danebenliegenden kleinen Park Vermissten-Anzeigen von Frauen mit der Aufforderung ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen auf einer Leine angebracht waren.

Der Palacio Municipal ist ein Ziegelbau mit 22 Stockwerken. Er wurde zwischen 1935 und 1941 nach Plänen des Architekten Mauricio Cravotto gebaut. Wegen finanzieller Engpässe wurde die ursprüngliche Höhe von 114 Metern auf 78 Meter reduziert. Der Palacio dient als Sitz der Stadtverwaltung.
 
Freitag, 13. März 2026

Für heute war der Ausflug zur Fortaleza del Cerro de Montevideo (Festung des Hügels von Montevideo) geplant. Die Festung steht auf dem 134 Meter hohen Stadthügel von Montevideo. Heute befindet sich in ihren Mauern ein Militärmuseum. Aber die Besonderheit des Ortes besteht nicht nur in dessen historischer Bedeutung, sondern auch in der Aussicht, die man auf Montevideo hat.

Wir fuhren weiter zum „Establecimiento Juanico“ eine der größten Weingüter des Landes. Deren Weine finden sich angeblich in fast jedem Restaurant und Supermarkt. Ein einladendes Gelände und ein Restaurant mit einem eindrucksvollen Weinkeller werden von Weingärten umgeben. Ursprünglich war die Bodega (Weingut und Kellerei) ein von Jesuiten gegründeter Zufluchtsort.

Wir fuhren weiter zur zweitgrößten Stadt des Landes (Canelones), um zu essen. Leider war das im Reiseführer angegebene Restaurant nicht auffindbar und die Restaurants um diese Zeit geschlossen. Ein Wirt, etwas abseits vom Zentrum, lud uns ein uns zu dieser Unzeit einen „vegetarischen Teller“ zu servieren. Seine Mutter bereitete den überbordenden Salatteller mit köstlichen Pommes. Das Lokal entspricht nicht den gängigen hygienischen und ausstatterischen Standards der Hauptstadt Montevideo. Es bot uns dennoch ein schönes Erlebnis aufgrund der Liebenswürdigkeit von Mutter und Sohn. Im Kulturzentrum besichtigten wir noch eine Ausstellung einheimischer Künstler und traten anschließend den Heimweg nach Montevideo an. 

Sonntag, 15. März 2026, Hotel NH Montevideo Columbia

Gestern (14.3.) nahmen wir am Gottesdienst der Adventisten in Montevideo teil. Wir fuhren mit dem Auto hin. Da keine genaue Zeit angegeben war, nahmen wir an, dass er um 9:30 Uhr beginnt. Einige Musiker waren anwesend, die probten. Offiziell waren am Beginn um 10:00 wenige Leute gegenwärtig. Allmählich füllte sich die Kirche und gegen Ende waren die Reihen doch ziemlich gefüllt. Wir wurden herzlich aufgenommen und noch herzlicher mit einer Kuss-Runde verabschiedet. Was die Zeit und die Pünktlichkeit betrifft, ist es eine andere Welt. Die Kirche selbst befindet sich nicht in der Altstadt, sondern in einem, neuen, modernen, großzügig angelegten Stadtteil, der sich „3 Kreuze nennt“. Das Wahrzeichen, ein großes Kreuz, markiert das Zentrum des Platzes. Gleich in der Nähe befindet sich ein „Italienisches Krankenhaus“, das seit kurzer Zeit wegen Baumängel umgesiedelt werden musste.

Anschließend besuchten wir das Fußball-Stadion, in dem die 1. Fußball-WM 1930 stattfand und Uruguay Weltmeister geworden war. Ein hoher Turm, der einem Flugzeug nachgeahmt ist, weist den Weg. Entweder muss man Eintritt bezahlen, um einen Blick auf den Rasen werfen zu dürfen. Wenn man im Restaurant etwas konsumiert, was wir getan haben, darf man gratis das Innere des Stadions betreten. 1930 fasste das Stadion 100 000 Personen. Die FIFA verlangte die Reduktion auf die Hälfte. Die uralten Sitze von damals sind aber noch vor Ort, als „Kulturdenkmäler“. Das Essen war sehr gut, der Besitzer oder Chef des Restaurants sehr freundlich und entgegenkommend, der Blick zurück zur 1. FWM steigerte die Vorfreude auf die nächste: Österreich: Argentinien!?? Ob die argentinischen Nachbarn ein klein wenig Bedenken haben?

Danach ging es gut gelaunt zum „Parque Rodo“, benannt nach dem wichtigsten uruguayischen Schriftsteller und ist einer der wichtigsten Stadtparks Montevideos. Er befindet sich direkt gegenüber dem Meer auf der Höhe der Playa Ramirez. Zum See gehören ein kleiner See und mehrere Brunnen. Beliebt ist dieser Park auch wegen seines Vergnügungsparks mit Riesenrad, Berg- und Talbahn, Geisterbahn etc. Auch das nationale Museum der Bildenden Künste befindet sich auf dem Areal des Parks.

Zu Hause im Hotel buchten wir die Hotels für die nächste Woche. Das war gar nicht so leicht, weil viele Häuser ausgebucht sind. Manche skurrile Unterkunft erheiterte uns.

Sonntag, 15. März 2026, Casa del Sol (Colonia del Sacramento)

Um 8:30 Uhr nahmen wir das letzte Frühstück im Hotel NH ein. Schweren Herzens mussten wir Abschied nehmen, vom Hotel und der Stadt. Das Hotel liegt sehr günstig und das Frühstück war sehr gut und ausreichend. In der Stadt hätte es noch sehr viel zu sehen gegeben.

Wir fuhren nochmals den Weg durch die Altstadt (Misiones) und dann am Hochhaus der Telecom-Uruguay vorbei der Ruta Eins entlang, Richtung Westen. Am Abend wollten wir in Colonia del Sacramento ankommen, um in der Casa del Sol zwei Nächte zu verbringen.

Irgendwann auf der Autobahn wurde Ditmar durch ein Schild auf einen Friedhof aufmerksam gemacht. Ich erzählte meinen Reisegefährten, dass die Friedhöfe, die ich bisher in Süd-Amerika sah, eigentlich sehr hässlich sind. Kurzentschlossen fuhr Ditmar von der Autobahn ab und nach kurzer Suche fanden wir den Friedhof: „Gardin de la madre tierra (Garten der Mutter Erde)“.

Es ist tatsächlich ein Friedhof besonderer Art. Es handelt sich weder um einen Gemeinde- noch um einen Pfarr-Friedhof, sondern um einen in privater Hand. Wer eine kirchliche Einsegnung mit Requiem möchte, der kann das in der schlichten, aber doch atmosphärisch schönen Kapelle tun. Ein riesiges Feld mit vielen unterschiedlichen Bäumen und schön angelegten Wegen mit Ruhebänken laden die Besucher zum Verweilen ein. An manchen Rasenflächen waren Steinplatten eingelassen, die die Namen der Begrabenen bekannt geben. Eine wunderbare Stille umgibt den Besucher oder die Angehörigen, die sich auf einer der Bänke niedergelassen haben und ihrer lieben Verstorbenen gedenken oder einfach über deren oder ihr eigenes Leben nachdenken.

Der nächste Stopp war wieder ungeplant. Eine Tafel lud uns ein, den Sandstrand des Rio de la Plata zu besuchen. Der Fluss ist bis zu 22 km breit. Das gegenüberliegende Ufer sahen wir nicht. Ein herrlicher Anblick bot sich uns! Als ich als Jugendlicher Karl Mays „Am Rio de la Plata“ las, hätte ich mir nie träumen lassen, jemals an seinem Ufer zu stehen. Schön ist auch der nahegelegene Eukalyptus-Wald.

Unsere nächsten Ziele waren die „Colonia nueva Helvecia“ und die „Colonia Valdense“. Das Städtchen „Neue Schweiz“ ist heute eines der beliebtesten Reiseziele in Uruguay. Als wir in die Stadt einfuhren, überraschten uns die schönen Häuser und die dazugehörigen Gärten und natürlich auch die Sauberkeit.

Als wir im Zentrum von „Nueva Helvecia“ ausstiegen erschlug uns fast die Hitze. Deshalb wunderten wir uns nicht, dass kaum Menschen sichtbar waren. Wir suchten kurz entschlossen die kühleren Temperaturen eines Restaurants auf. Gestärkt mit einem guten Essen, Bier und einem Espresso kehrten wir zum Hauptplatz zurück, der sich nun mit Verkaufszelten und selbst hergestellten Produkten gefüllt hatte. In ihrer Mitte wachte das „Denkmal der Gründer“ der Stadt bzw. Kolonie.

Alles begann hier mit 30 Belgiern aus Antwerpen. Aufgrund einer Hungersnot 1861 folgten 1862 an die 600 Schweizer, die wegen der Hungersnot ihr Land verlassen hatten. Unter ihnen waren hauptsächlich Bauern und Landarbeiter. Daher ist die Kolonie heute noch wegen seiner Käse- und Milchprodukte berühmt. Die Feste, die in der Schweiz gefeiert wurden, werden auch hier immer noch hochgehalten und ziehen Zuschauer an. Natürlich blieben uns die Kirchen, die die Einwanderer errichtet hatten, nicht verborgen.

Nicht weit entfernt, auf der anderen Seite der Ruta 1 befindet sich die „Colonia Valdense“. Gegründet wurde die Siedlung von Waldensern aus dem Piemont im Jahre 1856. Auch sie wurden von Armut und Hunger in die Fremde getrieben. Der Ort gleicht äußerlich sehr „Nueva Helvecia“. Ich kann mir vorstellen, dass man hier gut leben kann.

In der Kirche der Waldenser wurde immer noch Erntedank gefeiert. Der Pastor war nicht mehr vor Ort, weil er am späten Nachmittag noch eine andere Gemeinde zu betreuen hatte.

Gegen 18:30 kamen wir in der „Casa del Sol“ an. Die Benutzung des Pools war eine verlockende Aussicht, die ich dann auch gleich wahrnahm. Das Hotel befindet sich außerhalb der Stadt in fantastischer Umgebung.

 Montag, 16. März 2026, Casa del Sol bzw. Colonia del Sacramento

Nach dem opulenten Frühstück um 8:30 Uhr fuhren wir nach Colonia. Colonia ist die älteste Stadt in Uruguay. Colonia del Sacramento wurde im Januar 1680 von den Portugiesen gegründet. Als eigentlicher Gründer gilt der portugiesische Gouverneur von Rio de Janeiro, Manuel Lobo. Die Siedlung wurde als militärischer Außenposten direkt gegenüber der spanischen Stadt Buenos Aires errichtet, um die portugiesischen Gebietsansprüche am Nordufer des Río de la Plata zu sichern.

Manuel Lobo erreichte die Region mit fünf Schiffen und rund 400 Personen, darunter Soldaten, Handwerker und Steinmetze. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel am Río de la Plata, was sie damals zu einem idealen Ort für den Handel und Schmuggel machte. Aufgrund ihrer strategischen Bedeutung war die Stadt über ein Jahrhundert lang zwischen dem spanischen und dem portugiesischen Empire umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer.

Das historische Viertel (Barrio Histórico) wurde 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, da die Architektur eine einzigartige Fusion aus portugiesischen und spanischen Kolonialstilen darstellt.

Wir konnten unser Auto nahe der Altstadt parken, weil Ditmar ein Einpark-Experte ist. Wir marschierten los und orientierten uns an den zwei Türmen der Matriz-Kirche, die wir auch besichtigten.

Die Basílica del Santísimo Sacramento, im Volksmund oft Iglesia Matriz genannt, befindet sich im Herzen des historischen Viertels (Barrio Histórico) von Colonia del Sacramento, direkt an der Plaza de Armas. 

Sie gilt als die älteste Kirche Uruguays und ist ein zentraler Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die Geschichte des Bauwerks ist eng mit den turbulenten Konflikten zwischen Portugal und Spanien verknüpft: Parallel zur Stadtgründung errichteten die Portugiesen 1680zunächst eine bescheidene Kapelle aus Lehm und Stroh. Unter Gouverneur Sebastián de Veiga Cabral wurde die Kirche 1699 erstmals massiv aus Stein und Kalk neu gebaut. Das heutige Erscheinungsbild basiert weitgehend auf Plänen von Tomás Toribio aus den Jahren 1808 bis 1810.

Ein einschneidendes Ereignis war ein schweres Gewitter im Jahr 1823. Ein Blitz schlug in die Kirche ein und brachte das dort gelagerte Schießpulver zur Explosion, was den Bau fast vollständig zerstörte und Todesopfer forderte.

Zwischen 1836 und 1841 wurde die Basilika unter Gouverneur Lecor wiederhergestellt. Die letzte große Renovierung, die ihren heutigen schlichten, aber würdevollen Zustand festigte, fand 1976 statt. 

Die Basilika besitzt dicke Steinmauern und eine charakteristische weiße Fassade mit zwei Glockentürmen. Das Innere ist sehr schlicht und karg gehalten, was die ursprüngliche Funktion als Wehrkirche in einer umkämpften Grenzstadt widerspiegelt. 

In unmittelbarer Nähe befindet sich die Plaza de Arma. Die Plaza de Armas (offiziell Plaza de Armas Manuel Lobo) und die angrenzenden Ruinen sind das historische und archäologische Herzstück von Colonia del Sacramento. Sie markieren den Ort, an dem die Stadt 1680 gegründet wurde und über ein Jahrhundert lang das Machtzentrum der Region lag. Die markanten Steinruinen direkt auf bzw. neben dem Platz sind die Überreste des Gouverneurspalastes (Casa del Gobernador). 

Vom ehemaligen Gouverneurspalast gingen wir weiter in Richtung Plaza Mayor 25 Mayo und weiter zum Leuchtturm. Der „Platz 25. Mai“ (Plaza Mayor 25 de Mayo) ist der älteste und wichtigste Platz der Stadt, auch wenn er oft einfach nur Plaza Mayor genannt wird. Der Name „25 de Mayo“ erinnert an die Mai-Revolution von 1810 in Buenos Aires, die den Beginn des Unabhängigkeitsprozesses der Region vom spanischen Empire markierte. Der Platz wurde unmittelbar bei der Stadtgründung 1680 durch die Portugiesen angelegt. Er  war das gesellschaftliche, religiöse und militärische Zentrum der Kolonie. Hier fanden Militärparaden, religiöse Zeremonien und in Kriegszeiten sogar Hinrichtungen statt.

Der Leuchtturm (Faro de Colonia del Sacramento) ist eng mit den Ruinen verknüpft, die ihn umgeben: Der heutige Leuchtturm wurde im Jahr 1857 fertiggestellt. Er steht direkt auf den Überresten des ehemaligen Klosters San Francisco Javier, das um 1690 von den Portugiesen erbaut worden war.

Da die Navigation im Río de la Plata aufgrund zahlreicher Sandbänke und Untiefen extrem gefährlich war, wurde der Bau durch eine Schiffssteuer finanziert, um die Sicherheit im Hafen zu erhöhen.

Wir marschierten weiter zur Seufzer-Gasse und zum Stadttor (Portón de Campo). Das wuchtige Tor mit seiner hölzernen Zugbrücke war über 150 Jahre lang der einzige Zugang zur Stadt vom Landweg aus. Es wurde 1745 unter dem portugiesischen Gouverneur Vasconcellos errichtet. Colonia war damals eine Festungsinsel im feindlichen spanischen Gebiet. Das Tor war Teil der massiven Stadtmauer (Muralla), die die Siedlung vor Angriffen schützte.

Das Tor, wie es heute zu sehen ist, wurde in den 1960er und 70er Jahren originalgetreu rekonstruiert, nachdem weite Teile der Stadtmauer im 19. Jahrhundert abgerissen worden waren.

Calle de los Suspiros (Seufzergasse) ist die berühmteste Straße Uruguays. Ihr Name ist von Legenden umrankt: Es gibt drei populäre Theorien, woher der Name stammt: (1) Gefangene wurden diese Gasse hinunter zum Fluss geführt, um dort hingerichtet zu werden – ihre letzten Seufzer gaben der Straße den Namen. (2) Die Gasse war früher bekannt für ihre Bordelle und Tavernen. Die Seeleute „seufzten“ beim Anblick der Frauen oder beim Abschied nach langen Nächten. (3) Eine Legende erzählt von einer jungen Frau, die auf ihren Geliebten wartete und in einer Vollmondnacht von einem Unbekannten erdolcht wurde; ihr letzter Seufzer hallt angeblich noch heute durch die Gasse.

Die Straße ist im Originalzustand aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Die Häuser haben die typisch portugiesischen Walmdächer und dicken Steinmauern und die Entwässerungsrinne in der Mitte der Gasse – ein klassisches Merkmal portugiesischer Stadtplanung (spanische Straßen hatten die Rinnen meist an den Seiten).

Nach einem Erfrischungsgetränk im Vorgarten des Restaurants „Charco“ marschierten wir zurück zur Avenida General Flores, wo wir uns mit dem Mittagessen stärkten und über die Riesenportionen zweier Ehepaare wunderten.

Unser Besichtigungsprogramm war aber noch nicht zu Ende. Leider war das Indigenen-Museum geschlossen, sodass wir uns zur „Rambla San Gabriel“ begaben und nach Buenos Aires „hinüberschauten“. Allerdings sahen wir nur die Wassermassen des Rios de la Plata.

Colonia del Sacramento und Buenos Aires liegen Luftlinie nur etwa 50 Kilometer auseinander. An klaren Tagen oder bei Nacht kann man angeblich von der Küste in Colonia sogar die Skyline von Buenos Aires am Horizont glitzern sehen.

Letzter geplanter Ort des Besuchs war die „Bastión del Carmen“. Sie ist heute das wichtigste Kulturzentrum von Colonia del Sacramento. Ihre Geschichte ist ein faszinierendes Beispiel für den Wandel eines Ortes von einer militärischen Festung über ein Industriezentrum hin zu einem Ort der Kunst. 

Die Bastion wurde 1745 unter dem portugiesischen Gouverneur Antonio Pedro de Vasconcellos errichtet. Sie war Teil der massiven Befestigungsanlage und diente als Artillerieplattform. Die Bastion wurde direkt am Ufer des Río de la Plata erbaut, um die Stadt vor Angriffen von der Wasserseite aus zu schützen. Nachdem die militärischen Konflikte zwischen Spanien und Portugal endeten, verlor die Bastion ihre ursprüngliche Funktion. Im späten 19. Jahrhundert siedelte sich hier Industrie an. 

Der markante, hohe Schornstein, der heute noch das Stadtbild prägt, stammt aus dieser Zeit und ist ein Symbol für den industriellen Fortschritt jener Ära

Nach einer Restaurierung (1972–1997) wurde der Komplex das in das Teatro y Centro Cultural Bastión del Carmen umgewandelt. Heute beherbergt es das wichtigste Theater der Stadt (Sala Pedro Calderón de la Barca) sowie Ausstellungsräume für bildende Kunst. Das Zentrum ist bekannt für die gelungene Kombination aus alten Festungsmauern, industriellen Elementen und moderner Architektur. Der Außenbereich direkt am Fluss ist für seinen Garten mit modernen Skulpturen und den freien Blick auf den Hafen beliebt. Das Gelände ist als Nationales Historisches Denkmal geschützt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe der Stadt.

Dienstag, 17. März 2026, Mercedes, Cabana de Estilo, entorno natural único;

Pünktlich gegen 10:00 Uhr verließen wir das Hotel „Casa del Sol“. Das Frühstück war unvergleichlich gut, das Personal sehr freundlich und die Anlage wunderschön mit viel Natur. Unser Ziel heute war das Städtchen Carmelo. Aber schon davor lockten zwei vielversprechende Sehenswürdigkeiten.

Die erste war der „Parque Anchorena“ – die Sommerresidenz des Präsidenten. Von Donnerstag bis Sonntag gibt es geführte Besuche. Nicht aber am Dienstag. Wir fuhren dennoch hin, auf gut Glück. Irgendetwas von der im Reiseführer beschriebenen Atmosphäre werden wir wohl zu spüren bekommen.

Wir hatten großes Glück bzw. wir erlebten einmal mehr die großartige Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Uruguayer. Einer von den 32 Angestellten der präsidialen Anlage fuhr uns mit dem Auto durch den riesigen Park.

Der Parque Anchorena (offiziell Parque Nacional Aarón de Anchorena) ist eine bedeutende Parkanlage und die offizielle Sommer- und Erholungsresidenz des Präsidenten von Uruguay. Er verbindet historische Architektur mit einem weitläufigen Naturschutzgebiet. 

Der Park ist das Vermächtnis des argentinischen Aristokraten Aarón de Anchorena, der das Land Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb. Nach seinem Tod im Jahr 1965 vermachte Anchorena das rund 1.370 Hektar große Anwesen dem uruguayischen Staat.

Die Schenkung war an die Auflage geknüpft, dass das Herrenhaus als Erholungsort für die amtierenden Präsidenten dient und der Park für die Öffentlichkeit zu Bildungs- und Naturschutzzwecken erhalten bleibt.

Das Gebiet liegt an der Mündung des Río San Juan und war 1527 Schauplatz einer der ersten spanischen Siedlungsversuche durch Sebastian Gaboto.

Das im normannisch-tudorischen Stil errichtete Hauptgebäude dient Staatschefs für informelle Treffen und zur Erholung.

Ein weithin sichtbares Wahrzeichen ist der 75 Meter hohe Steinturm mit 320 Stufen. Er wurde als Hommage an Gaboto errichtet und bietet eine Aussicht bis zur argentinischen Küste.

Anchorena ließ Pflanzenarten aus der ganzen Welt importieren, wodurch ein einzigartiges Arboretum mit über 200 Baumarten und einer großen Population von Damhirschen entstand.

Nächstes Ziel auf dem Weg nach Carmelo war die Jesuiten-Mission Calera de las Huérfanas (deutsch etwa „Kalkbrennerei der Waisen“). Ein Ort, den ich unbedingt sehen wollte. Zunächst kamen zwei Arbeiter angefahren, um an der Dachkonstruktion der alten Jesutiten-Kirche weiterzuarbeiten. Später kam der Bollier Julio, der uns viel Zeit schenkte und uns in seiner liebenswürdigen Art viel erklärte.

Die Calera de las Huérfanas ist eine der bedeutendsten jesuitischen Ruinenstätten in Uruguay. Sie liegt etwa 16 km südlich der Stadt Carmelo, und gilt als Wiege des uruguayischen Weinbaus. 

Ursprünglich wurde der Ort von den Jesuiten 1741 unter dem Namen Estancia de Belén (oder Estancia de las Vacas) gegründet.

Mit einer Fläche von etwa 140.000 Hektar war es ein hochproduktives Zentrum für Landwirtschaft und Industrie. Die Jesuiten betrieben hier Viehzucht, Schmieden, Schreinereien und – historisch besonders bedeutsam – sie pflanzten die ersten Weinreben in Uruguay an.

Nach der Vertreibung der Jesuiten im Jahr 1767 ging das Anwesen in staatliche Hände über. Ein Teil der Erträge wurde zur Finanzierung eines Waisenhauses für Mädchen in Buenos Aires verwendet, was dem Ort seinen heutigen Namen gab.

Zwischen 1768 und 1777 verwaltete Juan de San Martín, der Vater des argentinischen Nationalhelden und Befreiers José de San Martín, das Anwesen. Es wird vermutet, dass einige von Josés Geschwistern dort geboren wurden. 

Die Hauptaktivität war die Gewinnung von Kalk (Kalkbrennerei=Calera). In den erhaltenen massiven Brennöfen wurde Kalkstein gebrannt, um Baumaterial für das wachsende Buenos Aires zu liefern.

Heute sind vor allem die Ruinen der Jesuitenkirche (Capilla de Belén) mit ihren massiven Mauern sowie Reste des Haupthauses und der Werkstätten zu sehen.

Seit 1976 ist die Anlage als Nationales Historisches Monument geschützt und Teil der internationalen Tourismusroute „Weg der Jesuiten“ (Camino de los Jesuitas).

Bei der Weiterfahrt nach Carmelo überraschte uns ein Gewitter. Bei der Einfahrt in die Stadt über die berühmte rote Drehbrücke (Puente Giratorio, eine von Menschenhand betriebene Eisenbrücke aus Deutschland, die 1912 eingeweiht wurde) stürmte es besonders heftig, sodass wir unsere Fotos vom Auto aus machen mussten. Es blieb uns also nichts anderes übrig als ins Restaurant (Che Carmelo) zu gehen, um uns zu stärken. Als wir mit dem Essen fertig waren und der Regen sich verzogen hatte, machten wir uns auf den Weg in die Altstadt.

In Carmelo gibt es zwei zentrale Plätze, die jeweils von historisch und architektonisch bedeutenden Gebäuden gesäumt werden: die Plaza Independencia (das moderne Zentrum), auf das wir von unserem Restaurant schauten und die Plaza Artigas (das historische Zentrum). 

Die Plaza Independencia ist der Hauptplatz des bürgerlichen Lebens. Dieser Platz bildet das kommerzielle und administrative Herz der Stadt. Er zeichnet sich durch eine Mischung aus klassischen Statuen und modernen Elementen aus. Die Ränder des Platzes sind von traditionellen Kaffeehäusern und Geschäften geprägt, die den Platz zum sozialen Mittelpunkt machen. 

Die Plaza Artigas (Historischer Hauptplatz) ist dem Nationalhelden José Gervasio Artigas gewidmet und markiert den historischen Ursprung von Carmelo. Das Santuario del Carmen (Kirche des Karmel) ist das markanteste Gebäude an diesem Platz. Diese Kirche gab der Stadt ihren Namen und ist eng mit ihrer Gründungsgeschichte verknüpft.

Direkt neben oder in der Nähe der Kirche befindet sich das Gemeindemuseum, das historische Archive und Objekte aus der Gründungszeit der Stadt bewahrt. Rund um die Plaza Artigas finden sich gut erhaltene Herrenhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die den kolonialen Charakter des Viertels unterstreichen. 

Schließlich brachen wir zu unserer letzten Etappe des Tages auf, nach Mercedes. Kurz vor dem Ziel blieben wir stehen, um einen prachtvollen Sonnenuntergang zu fotografieren. Überboten wurde dieser Stopp dann noch einmal auf der Brücke des Rio Negro, wo wir den mächtigen Fluss, der in den Rio de la Plata mündet, vor dem Hintergrund der untergehenden Sonne ablichteten. Herz, was willst du mehr!

Und dann kamen wir in unserem „Knusperhäuschen“ an. Es hielt, was es versprochen hatte. Wir wussten nicht, sollten wir lachen oder weinen. Immerhin hatten wir ein Dach über dem Kopf.

Mittwoch, 18. März, Mercedes, Cabana Estilo

Ich habe in unserem “Knusperhäuschen“ sehr gut geschlafen. Angelika und Ditmar in ihrem „Deluxe Zimmer mit Queensize-Bett“ haben weniger gut geschlafen. Aus der Dusche kam tatsächlich heißes Wasser. Nur ein bisschen beengt fühlte ich mich unter dem Wasserstrahl. Immerhin fühlte ich mich danach wie neugeboren. Fröschlein überraschte mich auch keines.

Das Frühstück nahmen wir in einem Bioladen mit Cafeteria namens „Viva la natural“ ein. Das Personal war extrem freundlich, das Essen hervorragend. Es entsprach dem Werbeslogan, der auf dem Fenster zu lesen war: „Comida deliciosa preparada con Amor (Köstliches Essen zubereitet mit Liebe)!“ Der Toilettenbesuch entpuppte sich als Offenbarung: So eine saubere und reine habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wir sind wahrlich nicht im Globalen Süden, sondern in einem Land mit hohen Reinheitsstandards.

Mit dem Besuch der Kathedrale begannen wir unser Besichtigungsprogramm. Die Kathedrale von Mercedes (offiziell Catedral de Nuestra Señora de las Mercedes) ist eines der bedeutendsten religiösen und architektonischen Denkmäler Uruguays.

Der neoklassizistische Bau wurde von dem Architekten Antonio Petrochi entworfen und im Jahr 1867 eingeweiht. Die markanten Türme der Kathedrale wurden erst später, um das Jahr 1900, fertiggestellt. Seit 1960 fungiert das Gebäude als Sitz der Diözese von Mercedes. Zum zweihundertjährigen Bestehen Uruguays wurde das Bauwerk umfassend renoviert. Die Kathedrale ist besonders für ihre imposante Kuppel bekannt, die bereits aus der Ferne sichtbar ist und das Stadtbild von Mercedes prägt. 

Sie beherbergt wichtige religiöse Abbildungen, darunter Statuen der Virgen de las Mercedes (Schutzpatronin der Stadt), des Heiligen Petrus Nolasco und des Heiligen Raimund Nonnatus. Im Inneren befindet sich zudem eine Kapelle, die der Jungfrau von Luján (Paraguay) gewidmet ist. Als historisches Juwel zieht sie Besucher durch ihre Architektur und die melodischen Glockenspiele an, die regelmäßig über der Stadt zu hören sind.

Der Platz direkt vor der Kathedrale heißt Plaza Independencia. Das Denkmal im Zentrum dieses Platzes ist ein Denkmal mit einer Freiheitsstatue (Estatua de la Libertad) auf einer hohen Säule. 

Das Monument zeigt eine weibliche Figur als Symbol für die Freiheit. Die ursprüngliche Statue wurde 2020 durch einen Blitzschlag schwer beschädigt und im April 2025 nach einer umfassenden Restaurierung feierlich wieder eingeweiht.

Es gilt als eines der ältesten Denkmäler des Landes, das der Freiheit gewidmet ist. Das berühmteste Reiterdenkmal Uruguays, das den Nationalhelden José Gervasio Artigas darstellt, befindet sich ebenfalls auf einer Plaza Independencia – allerdings in der Hauptstadt Montevideo, nicht in Mercedes.

Vom „Hauptplatz“ marschierten wir weiter zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, den „Casas de Matosas“. Leider stellten wir uns beim Suchen dieser Sehenswürdigkeit nicht allzu geschickt an. Aber mit der freundlichen Hilfe eines jungen Mannes, der unsere Hilflosigkeit sah, wies uns den richtigen Weg. Die Casas de Matosas sind ein einzigartiges architektonisches Erbe Uruguays, das vor allem für seine Verbindung zum katalanischen Modernismus und den Einfluss von Antoni Gaudí bekannt ist. 

Die Häuser wurden von Francisco Matosas i Amat (1886–1968) entworfen und erbaut. Er war ein katalanischer Einwanderer, der als Steinmetz ausgebildet war und sich 1917 dauerhaft in Mercedes niederließ. Der Kern der Gebäude entstand zwischen 1934 und 1936.

Zu seiner Zeit galt Matosas vielen Bewohnern lediglich als „Bäcker mit seltsamen Ideen“, da er keine formale Architekturausbildung besaß. Heute gilt sein Werk als bedeutendes kulturelles Erbe Iberoamerikas. 

Die Fassaden sind stark vom Modernisme Català geprägt. Es finden sich deutliche Parallelen zu Gaudís organischen Formen und Techniken.

Matosas nutzte Ferro-Zement, um die Textur von Naturholz täuschend echt nachzuahmen. Er interpretierte Gaudís berühmte Mosaiktechnik neu, indem er farbige Kieselsteine und Glasbruch verwendete. Die Gebäude sind reich an Symbolen aus der Alchemie, der Freimaurerei und der Religion.

In der Nähe dieser architektonischen Ausnahme-Schöpfungen sah ich vor einer Bäckerei eine Tafel, auf der „Jesuitas“ angeboten wurden. Ich ging hinein und wollte sehen, wie sie ausschauen. Sie waren leider ausverkauft. Wieder erstaunte mich die Sauberkeit des Geschäftes und die Freundlichkeit der Verkäuferin. Auf dem Gang durch die Straßen der Stadt bewunderten wir viele Straßenzüge mit den Art-Déco-Bauten.

In Mercedes bezieht sich „Art-Déco“ vor allem auf eine bedeutende Architekturströmung, die das Stadtbild neben dem Neoklassizismus und den Werken von Francisco Matosas prägt. Uruguay gilt generell als eines der Länder mit dem reichsten Art-Déco-Erbe in Südamerika. 

Während die Kathedrale neoklassizistisch ist, finden sich in den Straßenzügen von Mercedes zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser aus den 1930er und 1940er Jahren, die den Art-Déco-Stil verkörpern.

Diese Gebäude sind an ihren geometrischen Formen, abgestuften Fassaden (Ziggurat-Stil), klaren Linien und oft stilisierten floralen oder abstrakten Ornamenten zu erkennen.

In Mercedes vermischen sich diese modernen, rationalen Formen oft mit den eher organischen und fantasievollen Elementen der Casas de Matosas, was der Stadt eine besondere architektonische Vielfalt verleiht.

Nun schlugen wir den Weg zur Uferpromenade des Rio Negro ein. Die Uferpromenade von Mercedes, bekannt als Rambla de Mercedes, gilt als eine der schönsten und am besten gepflegten Flussuferstraßen in ganz Uruguay. Sie ist das soziale und touristische Herzstück der Stadt am Río Negro. 

Seit ihrer Anlage im Jahr 1912 ist sie die Hauptbühne des gesellschaftlichen Lebens. Bewohner jeden Alters treffen sich hier zum Sport, zum Spazierengehen oder um gemeinsam Mate zu trinken, während sie den Sonnenuntergang über dem Fluss beobachten. Die etwa 2 Kilometer lange Promenade ist mit zahlreichen Skulpturen und Denkmälern geschmückt, die ihr den Charakter eines Museums unter freiem Himmel verleihen.

Die Rambla ist oft Schauplatz für wichtige kulturelle Ereignisse, wie etwa Teile des berühmten Festivals Jazz a la Calle, bei dem Musiker aus aller Welt kostenlos auftreten. Entlang des Weges wächst eine große Vielfalt an einheimischen Bäumen, die Schatten spenden und die Promenade in eine grüne Oase verwandeln.

Von der Rambla aus hat man einen direkten Blick auf die Inseln im Río Negro, wie die Isla Barrientos oder die Isla del Hum, die als Naturreservate für die Vogelbeobachtung dienen. 

Die Rambla verbindet wichtige Sehenswürdigkeiten der Stadt. In ihrer Nähe befinden sich: Das historische Castillo Mauá (etwas außerhalb, aber über die Uferstraße erreichbar).

Aber bevor wir das Castillo besuchten, nahmen wir noch im Restaurant „Mona Lisa“ das späte Mittagessen ein, holten das Auto und machten eine kurze Rundfahrt um die Isla del Puerto (Hafeninsel).

Das Castillo Mauá ist eines der bedeutendsten historischen Bauwerke von Mercedes. Es verbindet die wirtschaftliche Pioniergeschichte Uruguays mit bedeutenden paläontologischen Entdeckungen. Das Anwesen wurde zwischen 1857 und 1862 von dem brasilianischen Bankier und Unternehmer Irineu Evangelista de Sousa, bekannt als der Baron von Mauá, errichtet. Ursprünglich diente das Gebäude als Haupthaus (Casco) einer riesigen Estancia (Landgut). Der Baron war eine Schlüsselfigur für die industrielle Entwicklung in der Region und finanzierte unter anderem Infrastrukturprojekte und Banken.

Das Bauwerk ist im neoklassizistischen Stil gehalten. Es zeichnet sich durch einen quadratischen Grundriss mit einem zentralen Innenhof aus, der von hohen Mauern und Aussichtstürmen geschützt wird. 

Das Castillo Mauá gehört heute der Stadtverwaltung von Soriano und beherbergt mehrere kulturelle Institutionen: Museo Paleontológico Alejandro Berro: Dieses Museum gilt als eines der wichtigsten der Region. Es zeigt eine beeindruckende Sammlung prähistorischer Fossilien, darunter Skelette von Riesengürteltieren (Glyptodonten) und das Original des berühmten Antropolito de Mercedes, einer rätselhaften anthropomorphen Steinfigur aus der Zeit vor der Kolonialisierung.

Das weitläufige Parkgelände rund um das Schloss bietet Picknickplätze, Grillstationen und Wanderwege direkt am Fluss und einen kleinen Tierpark.

Anschließend fuhren wir nochmals zur Bäckerei, um Kaffee und Kuchen bzw. „Jesuitas“ zu genießen. Wir mussten uns mit anderen Süßigkeiten begnügen, weil sie noch immer nicht zum Verkauf bereitstanden. Während wir den Kaffee genossen, planten wir die nächsten Ziele und buchten die Hotel-Quartiere. Als wir schon im Auto saßen, kam die Verkäuferin angelaufen und brachte uns sechs „Jesuitas“, die wir morgen zum Frühstück verkosten werden.

Donnerstag, 19. März 2026, Hotel Talice in Trinidad

Heute früh mussten wir von unserem „Knusperhäuschen“ Abschied nehmen. Er war nicht allzu schwer. Immerhin hatten wir ein Quartier in der bisher wohl schönsten Stadt unserer Reise. Wir hinterlegten das Geld, brachten alles in Ordnung und fuhren in die Stadt, um zu frühstücken. Wir suchten das Lokal auf, in dem wir schon gestern sehr zufrieden waren, die Cafeteria „Viva la natural“. Wir frühstückten königlich (in der Früh wie ein König…): Lachs mit Gemüse und Salat! Zum Kaffee genossen wir die sechs „Jesuitas“, die mich ein bisschen an Schaumrollen erinnerten. Danach gab es zur Krönung noch einen Fruchtsalat mit herrlichen frischen Früchten. Wir verabschiedeten uns von der Familie, die den Betrieb führt. Dieses Lokal sollte im Reiseführer beworben werden.

Bevor wir ins Auto stiegen, besuchten wir noch die nahe gelegene „Casa de la Cultura (Haus der Kultur)“. Die Casa de la Cultura ist eines der bedeutendsten architektonischen und kulturellen Wahrzeichen der Stadt. Sie dient heute als zentraler Ort für Kunst, Bildung und gesellschaftliche Begegnung. 

Das Gebäude wurde ursprünglich als Sitz der Freimaurerloge "Armonía" sowie der Sociedad Española de Socorros Mutuos errichtet. Aufgrund seiner historischen und architektonischen Bedeutung wurde das Bauwerk zum Nationalen Historischen Denkmal (Monumento Histórico Nacional) erklärt. Das Gebäude besticht durch einen eklektischen Stil mit ausgeprägten Barock-Elementen.

In den letzten Jahren wurde das Gebäude umfassend saniert, um Schäden an der Fassade, den Dächern und dem elektrischen System zu beheben und die Räumlichkeiten für moderne kulturelle Zwecke (wie ein Konservatorium und Ausstellungsräume) zu optimieren. 

Im Mai 2023 wurde das Haus offiziell zum Centro Cultural Nacional ernannt. Diese Auszeichnung stärkt die regionale Vernetzung und ermöglicht den Zugang zu nationalen Fördermitteln und Programmen.

Heute beherbergt die Casa de la Cultura: Das städtische Konservatorium, einen Theatersaal und ein Kino, Räume für Workshops, Seminare und Kunstausstellungen, eine Medien- und Nutzerberatung. Sie ist auch ein kultureller Treffpunkt: Sie trägt den Namen "José María Martino Rodas" und versteht sich als offener Raum für die Förderung lokaler Talente und den Austausch über alle Kunstformen hinweg.

Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Trinidad, machten aber zuvor einen Abstecher zu den „Grutas del Palacio (Palastgrotten)“. Die Grutas del Palacio im Departamento Flores sind eine der bedeutendsten geologischen Formationen Uruguays und das Herzstück des ersten UNESCO Global Geoparks des Landes.

Die Formation besteht aus einer widerstandsfähigen Sandsteinschicht, die von etwa 200 natürlichen Säulen getragen wird. Diese Säulen sind etwa zwei Meter hoch und verleihen der Höhle das Aussehen eines antiken Palastes oder Tempels.

Im September 2013 wurden die Grutas del Palacio als erster UNESCO Global Geopark Uruguays anerkannt. Er war damals erst der zweite Geopark in ganz Südamerika. Seit Mai 2013 ist das Gebiet zudem als "Monumento Natural" Teil des nationalen Systems geschützter Gebiete (SNAP).

Die Sedimente lagerten sich bereits in der Oberkreide (vor ca. 70 Millionen Jahren) ab. Die eigentliche Verfestigung zu ferrifiziertem Sandstein geschah im frühen Tertiär.

Erste Studien zu den Höhlen wurden 1877 durchgeführt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1909–1938) wurden sie intensiv von dem Geologen Dr. Karl Walter erforscht. Es wird vermutet, dass indigene Gruppen die Höhlen als Unterschlupf nutzten. Eine bekannte Legende besagt, dass die Höhle der Palast eines Charrúa-Häuptlings namens Zemi und seiner Frau Darien war, die dort wertvolle Schätze verborgen hielten. 

(Dr. Karl Walther (oft auch Karl Walter geschrieben) war ein bedeutender deutscher Geologe, der als Pionier der modernen Geologie in Uruguay gilt. Er leistete die entscheidende wissenschaftliche Pionierarbeit zur Erforschung der Grutas del Palacio zwischen 1909 und 1938.)

Bevor wir mit einer Führerin zu den Grotten gingen, sahen wir ein Video mit einer Einführung zu den geheimnisumwobenen Höhlen. Anhand der Tafeln, die den Weg zu den Grotten säumten, wurde uns die Entfaltung der Welt bis zur Entstehung der Höhlen erklärt. Begleitet wurde unser Marsch durch ohrenbetäubendes Vogelgezwitscher. Das Betreten der Höhlen war den Besuch wert.

Als wir in unserem Hotel nahe Trinidad ankamen, vermisste ich meinen Rucksack. Ich hatte ihn bei der Anmeldung bei den „Grutas“ abgestellt und vergessen ihn wieder zu schultern. Bei der Heimfahrt dachte ich er sei im Kofferraum wie zuvor. Die Schockphase dauerte nicht allzu lange. Bei einem zweiten Rückruf wurde er als gefunden gemeldet. Der Hotel-Manager besorgte die „Heimholung“ des Rucksacks. Gott sei Dank!

Wir setzten uns nach dem Beziehen der Zimmer auf die Terrasse, um einen Kaffee zu trinken. Eine Firma, die offenbar ein Seminar im Hotel durchführte, unterbrach für eine Pause. Ein Lieferwagen-Fahrer brachte eine Riesentorte. Zwei Mitarbeiter der Firma wurden mit großem „Hallo“ in die Pension verabschiedet. Es wurde gesungen, geklatscht und umarmt! Auch wir drei Zaungäste bekamen freundlicherweise ein Stück von der Torte ab.

Freitag, 20. März, Trinidad

Die vergangene Nacht hatte ich mir anders vorgestellt. Ich hatte zwei Evangelium-Auslegungen geplant. Die Mitarbeiter jener Firma hatten ihre Seminar-Arbeit bis heute früh lautstark fortgesetzt. Sie sangen, kreischten durchs Micro und tanzten. Um Mitternacht wurde es etwas leiser. Schön für die lebenslustigen Uruguayer. Ich fands weniger lustig. Was solls! So ist halt das Leben. Ohne Planung geht gar nichts. Oft genug aber werden die gutgemeinten Pläne durchkreuzt. Dann ist Impuls-Kontrolle angesagt, was mir gar nicht so leicht fällt.

Nach dem Frühstück mit mittelmäßigem Kaffee brachen wir auf und fuhren in das Zentrum der Stadt Trinidad, welche die Hauptstadt des Departamentos Flores ist. Die Stadt ist bekannt für ihre hohe Lebensqualität. Erstes Ziel war der „Platz der Konstitution“. Der zentrale Hauptplatz der Stadt ist gesäumt von Bäumen und historischen Gebäuden wie der Kathedrale. Hier befindet sich auch die markante Fuente (Brunnen) de Plaza Constitución.

In Uruguay gibt es zwei bedeutende Kirchen mit dem Namen „Santísima Trinidad“, die beide für die Geschichte des Landes wichtig sind. Da die Stadt Trinidad nach der „Heiligsten Dreifaltigkeit“ benannt wurde, ist die dortige Pfarrkirche das Herzstück der Stadtidentität. Die Kathedrale ist das symbolische Zentrum der Stadt Trinidad. Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit diesem Gebäude verbunden. Alles begann mit einer einfachen Kapelle aus Stroh und Lehm, die von Fray Manuel Úbeda errichtet wurde. Der Bau des aktuellen Gebäudes startete um 1869/1870 unter der Leitung der Architekten Elzeario Boix und Ignacio Terra Arocena. Erst 1941 wurde die Kirche in ihrer heutigen Form fertiggestellt.

Das Gebäude ist im romanischen Stil mit einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen erbaut. Zu den wertvollsten Stücken gehört ein Ölgemälde der „Heiligsten Dreifaltigkeit“ von José Luis Zorrilla de San Martín aus dem Jahr 1940. Ein historisches Taufbecken wurde 2017 nach fast 100 Jahren in Montevideo an die Gemeinde zurückgegeben. 

Cathedral of The Most Holy Trinity (Montevideo) Oft wird bei diesem Namen auch die anglikanische Kathedrale in der Hauptstadt Montevideo genannt, die als „Templo Inglés“ bekannt ist. 

Sie gilt als Symbol des anglikanischen Erbes in Uruguay und feierte bereits ihr 180-jähriges Bestehen. Der ursprüngliche Bau entstand im 19. Jahrhundert, um der britischen Gemeinde einen Ort für Gottesdienste zu bieten. Sie zeichnet sich durch eine im Vergleich zu den katholischen Kirchen Uruguays markante Architektur aus, die oft als neoklassizistisch oder typisch britisch beschrieben wird. 

Während die Kirche in Trinidad die Gründungsgeschichte der Stadt und des Departamentos Flores repräsentiert, steht die Kathedrale in Montevideo für die religiöse Vielfalt und den britischen Einfluss in der Kolonialzeit.

Nachdem wir im Zentrum die Gebäude, die den Hauptplatz säumen identifizierten und besichtigten, soweit dies möglich war, fuhren wir zum „Museo Histórico Departamental Dr. Fernando Gutiérrez". Es ist das wichtigste historische Museum des Departamentos Flores in Uruguay. Es dient als Gedächtnis der Region und bewahrt sowohl die Naturgeschichte als auch die kulturelle Entwicklung der Umgebung auf. 

Das Museum ist in einem architektonisch einzigartigen Gebäude untergebracht, das selbst ein historisches Zeugnis ist: Es befindet sich in der ehemaligen Eisenbahnstation von Trinidad (Antigua Estación de AFE). Das Gebäude wurde 1916 errichtet und zeichnet sich durch einen besonderen Stil aus, der in dieser Form in Uruguay einmalig ist. Aufgrund seiner Bedeutung ist das Gebäude als Monumento Histórico Nacional geschützt. 

Das Museum deckt eine breite Palette an Themen ab, wobei viele Exponate Leihgaben oder Schenkungen aus der lokalen Bevölkerung sind: Neben einer bedeutenden Sammlung von Fossilien der regionalen Megafauna, zeigt es prähistorische Fundstücke, die Einblicke in die frühen Bewohner der Region geben. Es gibt Dokumente, Biografien, Fotografien und Alltagsgegenstände, die die Geschichte der Stadtgründung und der Entwicklung des Departamentos Flores erzählen.

Nach dem Museumsbesuch fuhren wir zum Laberinto Ancestral, weil wir die Natur keineswegs vernachlässigen wollten. Angepriesen wurde ein beeindruckendes, 60.000 m² großes Labyrinth mit über 5 km Wanderwegen, das auf spiritueller und transformativer Symbolik basiert. Es stellte sich heraus, dass das Labyrinth/Irrweg ein riesiges Maisfeld war, das freilich verdorrt war und überhaupt nicht einladend wirkte. Wir öffneten die Tür zum Labyrinth, ließen uns aber auf den Irrweg nicht ein.

Wir setzten uns nach kurzer Beratung wieder ins Auto und fuhren nochmals Richtung Zentrum der Stadt, die als Wiege der Freundschaft bezeichnet wird und weiter zu unserem nächsten Ziel, dem Hotel Boutique in Paso de los Toros. 

Samstag, 21. März, Paso de los Toros

Für heute hatte die Wettervorhersage Schlechtwetter angesagt. Da uns auch eine gewisse Müdigkeit erfasst hatte entschieden wir uns einen Ruhetag zum Chillen einzulegen. Wir frühstückten ausgiebig in dem sehr originellen Hotel, das eine ehemalige Fabrik war. Die Neugestaltung wurde dem Konstruktivismus nachgeahmt. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Es ist eine Freude hier zu sein. Irgendwann gegen 11:00 Uhr ging ein heftiger Regenguss nieder.

Nach 15:00 Uhr trafen wir uns zum Mittagessen. Viele Lokale sind um diese Zeit geschlossen. Dennoch fanden wir eine interessante Cafeteria oder was es sonst ist, denn es war eine kleine Boutique angeschlossen. Die Brötchen und die Getränke waren jedenfalls ausgezeichnet.

Wir brauchten noch relativ viel Zeit, um die nächsten Hotels ausfindig zu machen und um sie zu buchen.

Sonntag, 22. März, San Gregorio

Wie gewohnt gab es um 8:30 Uhr Frühstück. Angelika und Ditmar kamen etwas später, dafür hatten sie die Koffer bereits gepackt. Ich hatte das noch vor mir. Daher verließ ich sie etwas früher. Das Frühstück war wieder hervorragend, bis auf den Kaffee. Selbst ich verzichtete drauf. Und das will was heißen.

Noch ein kurzes Gespräch mit den beiden netten Mädchen, die zwar keine Schwestern, sondern Fußballspielerinnen waren. Auf die Frage, wer Fußballweltmeister wird, kam die Antwort wie aus der Pistole: Uruguay. Ich hielt dagegen: Österreich. Ihr Papa erklärte den Mädels, dass Österreich auch eine gute Mannschaft habe und wünscht uns viel Glück gegen Argentinien. Wir trafen einander zum letzten Mal beim Wahrzeichen der Stadt, dem riesigen (black/schwarzen) Bullen, den wir natürlich fotografieren mussten.

Danach machten wir uns auf den Weg nach San Gregorio. Die Straßen dorthin waren in bestem Zustand. Wir sahen zahlreiche Eukalyptuswälder sowie riesige Weideflächen, soweit das Auge reicht und natürlich jede Menge Steaks (Rinder). Es waren heute am Sonntag wenig Autos unterwegs und nur zwei Radfahrer. Allerdings sahen wir auch einen leibhaftigen „Gaucho“ hoch zu Ross.

Nach ca. eineinhalb Stunden kamen wir in San Gregorio an. Zunächst bezogen Angelika und Ditmar das Hotel Bali und ich das Hotel Buena Vista, das sich direkt am Sandstrand des Rio Negro befindet.

San Gregorio de Polanco, im Herzen Uruguays am Nordufer des künstlichen Stausees Rincón del Bonete gelegen, ist vor allem als das erste Open-Air-Museum für bildende Künste Lateinamerikas bekannt. Die Stadt im Departamento Tacuarembó zeichnet sich durch eine einzigartige Verbindung von Kunst, Strandatmosphäre und ländlicher Ruhe aus. 

Wir gönnten uns keine Zeit zum Faulenzen, sondern machten uns auf den Weg, um eine Wanderung auf der Peninsula zu unternehmen. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel (Goldene Halbinsel/Península Dorada) und ist für ihre weitläufigen, feinen Sandstrände am Seeufer bekannt. Das saubere, ruhige Wasser des Stausees macht sie zu einem beliebten Ziel für Badeurlauber und Fischer. Die heutige Charakteristik der Region entstand maßgeblich durch den Bau des Damms im Jahr 1945, der die ursprüngliche Flusslandschaft in einen riesigen See verwandelte und so erst die heutigen Strände schuf. Trotz seiner kulturellen Bedeutung hat sich der Ort den Charme eines ruhigen "Pampastädtchens" bewahrt, das besonders bei Einheimischen für den Sommerurlaub geschätzt wird.

Ein Eukalyptus- und Pinienwald spendeten Schatten. Trotzdem war die Hitze drückend. Aber es herrschte große Stille und Frieden. Nur ganz wenige Menschen besiedelten den Sandstrand. Erst am Nachmittag kamen mehr Leute in den Park, um die Sonntagsruhe zu genießen. Auch Flamingos konnten wir von Ferne ausmachen.

Spätestens um 14:30 Uhr verspürten wir Hunger. Als wir ein schönes Restaurant betraten, wurde uns mitgeteilt, dass die Küche die Arbeit bereits niedergelegt und wir am Abend wieder kommen könnten. Schlussendlich kauften wir in einem Supermarkt ein und verzehrten das kärgliche Sonntagsmenü im Garten des Hotels Buena Vista. „Hunger ist der beste Koch“. Wir ließen nichts über.

Kaffee und Frappuccino nahmen wir in einem Eisgeschäft. Anschließend suchten wir einige Haus-Wandmalereien auf, wofür die Stadt bekannt ist. Fast die gesamte Stadt fungiert als Galerie. Über 150 Wandgemälde (Murals) und zahlreiche Skulpturen von nationalen und internationalen Künstlern schmücken Häuserfassaden, Mauern und öffentliche Plätze. Einige dieser Werke sind sogar dreidimensional gestaltet.

Nun gingen wir nicht mehr zu Fuß, sondern wie das „echte“ Touristen tun, fuhren wir von Haus zu Haus und knipsten.

Den Abschluss bildeten die Fotos vom Sonnenuntergang am Horizont des Rio Negro.

 Montag, 23. März 2026, Hotel La Morada in „Treinta y tres“

Für heute war Regen angesagt. Wir planten von San Gregorio nach „Treinta y tres“ zu fahren. Eine relativ weite Strecke stand uns bevor. Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass sich manche Straßenabschnitte in schlechtem Zustand befinden. Nach dem Frühstück im Hotel Bali planten wir bei strömenden Regen die Tage an der Atlantik-Küste. Kurz nach 12:00 Uhr fuhren wir los. Zunächst noch bei strömendem Regen. Der wurde im Laufe der Zeit weniger, hörte aber nie ganz auf.

Wir passierten viele Eukalyptus-Wälder und bestaunten die zahlreichen Rinderherden. Die Zubringer-Straßen waren tatsächlich etappenweise in schlechtem Zustand und mühsam zu befahren, nicht zuletzt aufgrund des heftigen Regens.

In „Sarandi del Y“ nahmen wir das Mittagessen ein. Es war nicht leicht zu der Un-Zeit, in der wir in den Ort kamen, eine Pizza zu bekommen. Aber unser Hunger war groß genug beim Suchen nicht aufzugeben.

 Als wir dann weiterfuhren, besichtigten wir einen Friedhof. Ich habe nun schon einige in Süd-Amerika gesehen, so einen aber noch nie! Die meisten, die ich sah, waren schlicht und für meinen Geschmack nicht sehr schön. Aber hier hatte ich den Eindruck, dass sich Familien kleine Zweithäuser auf dem Friedhof eingerichtet haben. Daneben waren in die Friedhofsmauer eingelassene Grabsteine. Gleich beim Eintritt in den Friedhof strahlt einem die Urnenmauer entgegen. Mich hat der Anblick des Friedhofs eher deprimiert.

Wir waren froh, als wir nach der mühsamen Fahrt in Trenta y Tres ankamen. Ich bezog mein „Hotelzimmer“ in einer Art Container-Block. Angelika und Ditmar fuhren weiter ins Hotel Central. Ich bin mit meiner Unterkunft sehr zufrieden. Sie ist neu, sehr sauber und sehr funktional.

 Dienstag, 24. März 2026, Hotel La Morada in „Treinta y Tres“

Nach einem ungewöhnlich langen Schlaf mussten wir ungewohnt früh zum Frühstück ins Hotel Central. Wie ein Kaiser zu frühstücken war heute (und so wird es auch morgen sein) nicht möglich: kein Schinken, kein Käse, kein Müsli; allerdings Obst, Toast und Marmelade und verschiedene Kuchenarten. Schluss war um 9:00 Uhr. Auch das ist eher ungewöhnlich. Wir sind ja situationsflexibel und passten uns an.

Quebrada stand heute am Programm. Die Quebrada de los Cuervos (Schlucht der Krähen bzw. Rabengeier) ist das erste geschützte Landschaftsgebiet Uruguays und gilt als eines der wichtigsten ökotouristischen Ziele des Landes. Sie liegt im Departement Treinta y Tres und ist Teil des Nationalen Systems der Schutzgebiete.

Es handelt sich um ein tiefes Tal, das vom Bach Yerbal Chico durchquert wird und von bis zu 100 Meter hohen Steilhängen umgeben ist. Das Gebiet beherbergt eine einzigartige Mischung aus Mikroklimata, die eine dichte Vegetation und seltene Tierarten begünstigen. Man findet dort über 130 Vogelarten (darunter die namensgebenden Rabengeier), 29 Säugetierarten sowie zahlreiche Reptilien und Amphibien.

Der Hauptanziehungspunkt ist ein etwa 3 km langer Wanderweg mit mittlerem bis hohem Schwierigkeitsgrad, der durch steile Abstiege, Waldgebiete und Wasserläufe führt.

Alles das hätten wir gesehen, wenn die Anlage nicht geschlossen gewesen wäre. Der Wächter wollte uns keinesfalls hineinlassen, weil er befürchtete, dadurch seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Wirklich sehr Schade!

Aber deswegen heimfahren? Wir beschlossen, ein Stück weiterzufahren bis zur Posada „El Capricho“ (Gästehaus „Die Laune“ o. Die Grille o. der Einfall) und von dort aus eine ausgiebige Wanderung zu machen. Bei der Posada handelt es sich um ein familiengeführtes Gästehaus (Posada) direkt am Eingang zum Naturschutzgebiet. Es war vorerst nur von Hunden, Schafen und einem Pferd bevölkert. Das ergab schlechte Aussichten für ein gutes, lokales Mittagessen.

Von der Wanderung durch das Naturschutzgebiet ließen wir uns freilich nicht abhalten. Wir schauten hinüber zum Eingang der Quebrada de los cuervos und sahen viele Vögel wie z. B. den Schopf-Karakara und den Truthan-Geier. Dieser gibt der Schlucht den Namen (Krähen gibt es keine in Uruguay). Wir begegneten außerdem noch Schafen und Pferden, die recht zutraulich waren.

Als wir zum Auto zurückgingen, ruhten wir uns ein wenig auf der Terrasse des Gästehauses aus. Bald kam der Inhaber des Hauses. Nach kurzer Zeit servierte er uns Amazonas-Guaven, zeigte uns den Wein, den er aus den Kernen der Trauben produziert und führte uns schließlich durch seinen ökologischen Garten. Ein Garten der Weintrauben, Äpfel und verschiedenste Zitrusfrüchte beschert (Orangen, Pampelmusen, Zitronen, Limetten, sowie eine Frucht die wie eine Kreuzung von Orangen und Zitronen schmeckt und offenbar Lima/Süß-Zitrone oder Süße Limette genannt wird). Alles gedeiht im Wildwuchs. Auch die Früchte des großen Kaktus sind genießbar.

Schließlich zeigte er uns noch eines von seinen Gästehäusern und anschließend verabschieden wir uns. Es war jedenfalls eine schöne und aufschlussreiche Begegnung mit einem weiteren sehr freundlichen Uruguayer.

Als wir um ca. 6:00 Uhr abends in Treinta y Tres ankamen, suchten wir vergeblich nach einem Restaurant, das geöffnet hatte. Wir begnügten uns schließlich mit Lebensmittel aus einem Kreisler-Laden und einer Bäckerei.

Mittwoch, 25. März 2026, Arenas del Mar in Punta del Diablo

Nach dem Frühstück im Hotel Central brachen wir nach Punta del Diablo am Atlantik auf. Ich hatte zuvor in meinem Hotel „La Morada“ die geforderte Bezahlung hinterlegt und den Schlüssel in der Box mit einem Code versperrt.

Das Wetter war wieder sehr schön, am Morgen war es allerdings ziemlich frisch gewesen. Laut Planung sollte unsere Fahrt zweieinhalb Stunden dauern. Wir brauchten mehr als drei, weil eine Strecke, die als eine mit Bauabschnitten deklariert wurde, durchgängig eine Baustelle war. Das heißt, dass sie auch nicht asphaltiert war. Die Fahrt war dennoch nicht so schlimm wie am Montag. Da wir keine Eile hatten, störte es uns nicht, sondern wir genossen das weite Land, die Rindsviecher und die Gauchos.

Als wir in der Nähe unserer Unterkunft bei einem Restaurant ankamen, waren wir bereits begeistert von den Domizilen unterschiedlichster Art von Aussteigern, Bewohnern und Urlaubern. In dem Strandrestaurant, in dem wir abstiegen, genossen wir ein Tomahawk-Steak und einen veganen Burger. Endlich ein echtes Mittagessen nach zweimaligem kaltem Buffet.

Dann, auf zur Unterkunft! Die Überraschung war perfekt. Viel schöner könnten wir es nicht getroffen haben, noch dazu, zu diesem günstigen Preis. Es handelt sich um ein einstöckiges Ferienhaus mit zwei Schlafzimmern, zwei Badezimmern, Küche und Wohnzimmer mit Meerblick. Herz, was willst du mehr?

Donnerstag, 26. März 2026, Arenas del Mar in Punta del Diablo

Heute war wirklich ein Ruhetag. Um ca. 10:00 Uhr gingen wir zum Frühstück mit argentinischer Bedienung und holten aus einem Bankomat Geld für die Bezahlung der nächsten Quartiere.

Am Nachmittag waren wir zum Mittagessen in einem Restaurant mit Meerblick mit brasilianisch-/peruanischer Bedienung.

Punta del Diablo ist wild, rustikal und wirkt fast wie aus der Zeit gefallen. Das macht den Charakter des Ortes aus: Die Architektur besteht aus bunten, oft selbst gezimmerten Holzhäusern (Ranchos) mit Strohdächern. Es gibt kaum asphaltierte Straßen; man läuft barfuß oder in Flip-Flops durch den Sand.

An der Playa de los Pescadores werden die Boote direkt auf den Sand am Hauptstrand gezogen. Das Bild der bunten Kähne vor den Felsen ist das Markenzeichen des Ortes. Der Ort ist einer der besten Surf-Spots Uruguays. Die Atmosphäre ist entspannt, jung und sportlich, besonders an der Playa del Rivero.

Angelika und Ditmar fuhren noch die Festung Santa Teresa und den Lago Negro (oder auch Laguna Negra) besichtigen. In der Nähe von Punta del Diablo im Department Rocha gibt es eine weitaus wildere und naturbelassenere Umgebung als in Punta del Este. Die Region ist geprägt von weitläufigen Nationalparks, Wanderdünen und einer beeindruckenden Artenvielfalt. Der Parque Nacional Santa Teresa (ca. 5 km nördlich): Dieses riesige Areal (3.000 Hektar) ist eines der wichtigsten Naturziele Uruguays. Es bietet über zwei Millionen Bäume, einen Sombráculo (Schattenhaus für tropische Pflanzen), ein Treibhaus und einen Rosengarten mit über 300 Sorten. In der "Pajarera" können Sie Vögel, Capybaras (Carpinchos) und Rotwild beobachten. Die imposante Fortaleza de Santa Teresa aus dem 18. Jahrhundert thront mitten im Park.

Die Laguna Negra (ca. 10 km entfernt) ist ein riesiger Süßwassersee mit dunklem, torfhaltigem Wasser. Hier kann man Kajak fahren, Vögel beobachten oder den Sonnenuntergang genießen. In der Nähe liegt die biologische Station Potrerillo de Santa Teresa, die ideal für geführte Naturwanderungen ist. 

Den Nationalpark haben sie besichtigt und sehr schöne Fotos mitgebracht. Für die Laguna Negra war es schon zu spät geworden. Anschließend passierte das Malheur mit der auf der Karte eingezeichneten Tankstelle, die es nicht gab. Der Tank war leer, als sie die nächste Zapfsäule erreichten. Ende gut, alles gut.

 Freitag, 27. März 2026, Hotel SEAVIEW in Punta del Este

Heute früh mussten wir wieder von Punta del Diablo Abschied nehmen. Mit der Unterkunft waren wir sehr zufrieden und hinterließen das Haus, wie wir es vorgefunden hatten, beluden das Auto und machten uns auf den Weg zum Frühstück. Ab 9:00 Uhr wird geöffnet, sagte uns gestern die junge Argentinierin. Aber um 9:00 Uhr kam sie erst mit dem Rad angefahren.

Wir hofften in einem Gästehaus in der Nähe ein ebenso gutes Frühstück zu bekommen wie gestern bei ihr. Aber das war leider nicht der Fall. Jedenfalls kehrten wir reumütig nochmals bei ihr ein und tranken einen guten Kaffee von der Maschine.

Anschließend machten wir noch von Fotos von der kuriosen Mischung der architektonischen Vielfalt der Ferien-Unterkünfte. Da gibt es alles durcheinander: klein, groß, alt, neu, teuer und billig, kitschig, elegant und erhaben …

Wir fuhren nun nach Aguas Dulces, einem ruhigen Badeort, nicht monden und mit Aussteigern.

Der Ort ist – ähnlich wie Punta del Diablo – für seinen extrem rustikalen und authentischen Charakter bekannt. Das ist dort besonders sehenswert:

Wie in der gesamten Region Rocha sind die Algenkrapfen (Buñuelos de Algas) hier Kult. Es gibt kleine Stände im Ort, die diese fangfrisch und heiß verkaufen – ein Muss für jeden Besucher.

Aguas Dulces hat keine befestigten Straßen im Ortskern und ist sehr einfach gehalten. Es gibt kaum Luxus, dafür aber viel Ruhe, Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung und eine sehr entspannte Gemeinschaft von Einheimischen und Aussteigern.

Wir fuhren durch den Ort, grüßten und erwiderten die Grüße der freundlichen Uruguayer. Für die Algenkrapfen fehlte uns einfach der Hunger. Aber wir merkten den Unterschied zu Punta del Diablo.

Unseren nächsten Zwischenstopp planten wir in Cabo Polonio. Es ist vermutlich der magischste und eigenwilligste Ort in ganz Uruguay. Er fühlt sich an wie eine Zeitreise in eine Welt ohne modernen Stress.

Die meisten der kleinen, bunten Häuser (Ranchos) haben weder Stromanschluss noch fließendes Wasser. Gekocht wird mit Gas, Licht gibt es durch Kerzen oder Solarpaneele. Das sorgt für eine unvergleichliche Ruhe und einen Sternenhimmel, der zu den klarsten Südamerikas gehört.

Man kann nicht einfach mit dem eigenen Auto hinfahren. Man lässt seinen Wagen an einem Terminal an der Route 10 stehen und fährt die letzten 7 Kilometer durch riesige Wanderdünen und dichten Wald mit speziellen, offenen Geländelastern. Schon die Fahrt ist ein Abenteuer.

Direkt an den Felsen unterhalb des markanten Leuchtturms lebt eine der weltweit größten Kolonien von Seelöwen und Pelzrobben. Man kann sie aus nächster Nähe beobachten (und riechen!), während sie in der Sonne liegen oder im Atlantik spielen.

Der Ort ist von massiven Wanderdünen umgeben, die zum Nationalpark erklärt wurden. Diese Dünen verändern ständig ihre Form und begraben manchmal sogar Teile der Vegetation oder Wege unter sich.

Er ist das einzige Gebäude mit festem Stromanschluss und das weithin sichtbare Wahrzeichen. Man kann ihn besteigen und hat von oben einen spektakulären 360-Grad-Blick über das Dorf und die Dünen.

Cabo Polonio ist ein Ort für Leute, die Luxus gegen Natur tauschen wollen. Es gibt keine befestigten Straßen, keine Bankautomaten und keine Supermärkte – nur Sand, Meer, Wind und eine tiefe, entspannte Freiheit.

Eigentlich hatten wir nur einen kurzen Aufenthalt in Cabo Polonio geplant. Aber da gerade ein Lastwagen zu dem berüchtigten Ort abfahrbereit „auf uns wartete“, ergriffen wir die Gelegenheit, kauften eine Karte und fuhren mit. Wir bereuten es nicht.

Allein schon der Ritt durch den Wald und die Dünen mit dem Track und das Geschrei der jungen Frauen waren ein Erlebnis. Wir stiegen ab und eine Park-Wächterin wies uns den Weg zum Leuchtturm und den Seelöwen.

Auch hier ein Bild ähnlich wie in Punta del Diabolo. Die Leichtigkeit des Seins begegnet einem auf Schritt und Tritt. Wir ließen uns nicht allzu sehr beeindrucken und suchten unseren Weg zum Turm und den für uns eher seltenen Tieren. Natürlich schenkten wir einigen Kuriositäten unterwegs unsere Foto-Aufmerksamkeit.

Der Leuchtturm wacht majestätisch und mächtig über den Ort der Muße und Müßiggänger. Ob er den Schiffen auch heute noch als Wegweiser dient, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass wir hofften, dass einige Seelöwen sich blicken lassen.

Zuerst sahen wir nur zwei. Aber dann ließen sich doch mehrere von ihnen blicken. Offenbar erschienen sie auf der Bildfläche, nachdem sie ihr Mittagsschläfchen beendet hatten. Wir waren dankbar, dass sich unsere Vorfreude erfüllt hatte. Auf dem Weg zurück zur Track-Station begegneten wir einigen frohgemuten und hoffnungsvollen Neuankömmlingen in der Kolonie.

Da noch Zeit war bis zur Rückfahrt gab es etwas zur Stärkung und etwas zu trinken gegen den Flüssigkeitsverlust. Die Fahrt zurück auf dem Dach des wüstenerprobten Fahrzeugs haben wir gut überstanden, weil der Fahrer behutsam sein Fahrzeug durch Dünen und Gräben steuerte. Wir waren schließlich sehr froh, dem spontanen Impuls von Ditmar gefolgt zu sein.

Es war spät geworden, sodass wir uns sputen mussten, nach Punta del Este zu kommen. Eine Strecke mussten wir auf einer nicht asphaltierten Straße fahren und kamen gegen 18:00 Uhr im Hotel an. Mittlerweile haben wir auch vernommen, dass Österreich 5:1 gegen Ghana gewonnen und Uruguay gegen England 0:1 verloren hat.  Beeindruckend wir die Einfahrt in den noblen Badeort Punta del Este: auf der Rambla 10 km ein exquisiter Wohnturm nach dem anderen. Was für ein Kontrast zu Punta del Diablo.

 Samstag, 28. März 2026, Hotel SEAVIEW in Punta del Este

Punta del Este ist das krasse Gegenteil zum rustikalen Cabo Polonio oder Punta del Diablo. Es gilt als das „Saint-Tropez Südamerikas“ und ist der exklusivste Badeort des Kontinents.

Im Sommer (Januar/Februar) treffen sich hier Promis, Models und Millionäre aus aller Welt. Die Stadt ist geprägt von Luxusvillen, Hochhaus-Appartements mit Meerblick und exklusiven Yachtclubs.

Punta liegt auf einer schmalen Landzunge, die den Rio de la Plata vom offenen Atlantik trennt. Das führt zum berühmten Kontrast der zwei Strände: Playa Mansa: Ruhiges Wasser auf der Flussseite, perfekt zum Schwimmen und für Familien. Playa Brava: Wilder Atlantik mit hohen Wellen, ideal für Surfer.

Die Hauptstraße und die Calle 20 sind bekannt für Designer-Boutiquen und Luxusmarken (Einkaufsmeile „Gorlero“). Punta del Este ist modern, teuer, chic und perfekt für alle, die Infrastruktur, Komfort und Sehen-und-Gesehen-Werden suchen. Wir sind uns einig: Hier möchten wir nicht leben.

Wir hatten beschlossen nach dem Frühstück zum Sabbat-Gottesdienst der Adventgemeinde in Maldonado zu fahren. Wir wurden herzlich aufgenommen und wir erlebten einen erbaulichen Gottesdienst.

Zur großen Überraschung trafen wir bzw. Ditmar und Angelika Bekannte aus dem Ländle. Hätte man das Treffen vereinbart, wäre es vermutlich nicht so planmäßig und unkompliziert abgelaufen. Natürlich gab es danach einen langen „Tratsch“. Man trifft sich ja nicht alle Tage.

Wir fuhren für eine kurze Ruhepause nach Hause, um dann nach einem „Stadtbummel“ das Mittagessen einzunehmen. Wir wanderten zu einem der Wahrzeichen der Stadt, zur „Hand“, eine Skulptur aus fünf Fingern, die an der Playa Brava aus dem Sand ragen.

La Mano“/Die Hand, auch bekannt als Los Dedos (Die Finger) oder Monumento al Ahogado (Denkmal für den Ertrunkenen), ist eine weltberühmte Skulptur am Strand von Punta del Este. Sie gilt als das Wahrzeichen der Stadt und ist eines der meistfotografierten Motive des Landes. 

Die Skulptur trägt mehrere Bedeutungsebenen, die sowohl künstlerisch als auch mahnend sind: Die aus dem Sand ragenden Fingerspitzen symbolisieren die Hand eines Ertrinkenden. Sie dient als ausdrückliche Warnung vor den starken und gefährlichen Strömungen am Playa Brava („Wilder Strand“). Das Werk stellt auch die Verbindung und den gleichzeitigen Kampf zwischen Menschen und Natur dar.

Die Skulptur wurde 1982 während des „Ersten Internationalen Treffens für moderne Skulptur im Freien“ geschaffen. Urheber ist der chilenische Bildhauer Mario Irarrázabal. Er fertigte die Hand in nur sechs Tagen aus Beton und Stahl an. Der Künstler hat ähnliche Skulpturen an anderen Orten der Welt geschaffen, darunter in der Atacama-Wüste (Chile), in Madrid (Spanien) und in Venedig (Italien).

Da wegen des schlechten Wetters weniger Touristen gegenwärtig waren war es möglich bequem einige Fotos zu schießen. Wir stellten uns vor, wie das Ganze bei wunderbarem Sonnenlicht wirken würde.

Wir marschierten weiter und fanden ein passables Restaurant. Den Kaffee nahmen wir auf dem Weg zum „Punta del Este“, dem östlichsten Punkt von Uruguay. Das Kaffeehaus könnte in Wien stehen. Auch die Mehlspeisen können mit den aus Wien konkurrieren. Wir genossen den guten Kaffee, den wir leider beim Frühstück vermissen.

Der Leuchtturm von Punta del Este (Faro de Punta del Este) ist weit mehr als nur ein Orientierungspunkt für Seefahrer; er ist das älteste Gebäude der Stadt und ein Symbol für deren historische Beständigkeit inmitten des modernen Glamours. 

Er wurde am 1. März 1860 unter der Leitung des Ingenieurs Tomás Libarona in Betrieb genommen. Für den Bau wurde eine spezielle Mischung aus Vulkansand aus Rom verwendet, die härter als herkömmlicher Zement ist. Dies ermöglichte es dem Turm, über 160 Jahre lang den extremen Meeresbedingungen standzuhalten.

Der Leuchtturm gilt als das Herzstück des historischen Viertels. Während sich Punta del Este von einer kargen Halbinsel zu einem der luxuriösesten Badeorte Südamerikas entwickelte, blieb der Leuchtturm nahezu unverändert. 

Der Turm ist etwa 45 Meter hoch. Sein Lichtsignal hat eine Reichweite von mehr als 40 Kilometern (ca. 22 Seemeilen) und leitet Schiffe sicher durch das Zusammentreffen von Río de la Plata und Atlantik. Die hochwertigen Kristallprismen für das Beleuchtungssystem wurden ursprünglich aus Frankreich importiert. Heute ist er als Nationales Historisches Monument (Monumento Histórico Nacional) klassifiziert. 

Der Leuchtturm befindet sich im „alten“ Teil der Halbinsel, direkt gegenüber der Kirche Iglesia de la Candelaria

Im Gegensatz zum geschäftigen Hafen oder den modernen Hochhäusern bietet das Viertel um den Leuchtturm eine ruhige, fast dörfliche Atmosphäre mit kopfsteingepflasterten Straßen.

Der östlichste Punkt des Landes ist mit Mosaiken gestaltet, über denen die Nationalflagge Uruguays weht. Der Platz ist schön, war aber sehr windig. Da gab es einiges zu fotografieren. Für meine Verhältnisse kamen wir relativ spät und ziemlich müde nach Hause. Es war ein schöner Tag, trotz des schlechten Wetters.

 Sonntag, 29. März 2026, Hotel SEAVIEW in Punta del Este

Heute hat der Regen kaum Pausen eingelegt. Ich nützte den Ruhetag zur Vorbereitung auf den Besuch in Buenos Aires und um einige Schreibangelegenheiten zu erledigen. Am Nachmittag ging ich ins Kaffee nebenan, um einen Kaffee zu trinken und mir den Nachmittag mit einer Mehlspeise zu versüßen.

Angelika und Ditmar waren für die Kinder und Enkelkinder einkaufen, suchten das gestrige Kaffeehaus nach einem Mittagessen wieder auf und besuchten einen Skulptuenpark in der Nähe von Punta del Este.

 Montag, 30. März 2026, Hotel NH Montevideo Columbia

So schließt sich der Kreis. Hier hat unsere dreiwöchige Reise begonnen und hier endet sie morgen auch.

Heute Morgen sind wir nach dem Frühstück aus Punta del Este, nach ausgiebigem Frühstück und bei schlechtem Wetter, aufgebrochen. An einem Aussichtspunkt hatten wir angehalten, um einen Blick zurück auf die Touristen-Stadt zu machen.

Die Casapueblo (oft als „Casa Pueblo“ bezeichnet) war unser erstes Ziel heute. Es ist eines der ikonischsten Bauwerke Uruguays. Es handelt sich um eine riesige, strahlend weiße „bewohnbare Skulptur“, die der berühmte uruguayische Künstler Carlos Páez Vilaró über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren eigenhändig erbaut hat. Das Gebäude liegt etwa 15 Kilometer westlich von Punta del Este am Río de la Plata. 

Vilaró errichtete das Gebäude ab 1958 ohne formelle Blaupausen oder rechte Winkel. Inspiriert wurde er von den Nestern des Hornero-Vogels (Töpfervogel) und traditionellen Backöfen.

Es diente Vilaró zeitlebens als Wohnhaus, Atelier und Galerie. Er bezeichnete es als sein „Atelier am Meer“. Heute beherbergt der Komplex das Museo Taller de Casapueblo (Museum und Werkstatt), eine Kunstgalerie, ein Hotel sowie ein Café und Restaurant. Für Uruguay ist die Casapueblo ein nationales Kultursymbol und eine der wichtigsten touristischen Attraktionen des Landes. 

Im Shop des Casapueblo fand ich ein interessantes Buch, in dem Vilaro seinen längeren Aufenthalt bei Albert Schweitzer in Lambarene beschreibt. Das hat mein Interesse geweckt. Da waren dann noch die zwei „Hähne“, die sehr an Picassos „Hahn“ erinnerten.

Carlos Páez Vilaró (1923–2014) gilt als einer der bedeutendsten und vielseitigsten Künstler Südamerikas. In der Kunstgeschichte wird er oft als „Picasso Südamerikas“ bezeichnet. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner Rolle als Brückenbauer zwischen Kulturen und seiner Weigerung, sich auf eine einzige Disziplin festlegen zu lassen. 

Vilaró war maßgeblich daran beteiligt, die Kultur der afro-uruguayischen Minderheit – insbesondere den Candombe-Rhythmus und die Traditionen der Comparsas (Karnevalsgruppen) – in der bildenden Kunst sichtbar zu machen. In einer Zeit (1940er/50er Jahre), in der diese Ausdrucksformen gesellschaftlich kaum anerkannt waren, machten seine farbenfrohen Darstellungen von Tänzen und Trommelritualen diese Kultur für ein breites Publikum zugänglich.

Vilaró sah sich selbst als „Weltenbummler“ und praktizierte einen Stil, den er „Pintar en Tránsito“ (Malen im Transit) nannte. Er hinterließ ein gewaltiges Erbe an Wandbildern (Murals) weltweit:  Er schuf über 90 Wandbilder in Städten wie Washington D.C., Buenos Aires, Panama-Stadt und in verschiedenen Ländern Afrikas und Polynesiens. Seine Murals sollten Kunst aus den Galerien direkt auf die Straße zu den Menschen bringen. 

Im Jahr 1958 gründete er zusammen mit anderen Künstlern die Grupo de los 8, um experimentelle und moderne Tendenzen in der uruguayischen Malerei zu fördern. Diese Gruppe trug entscheidend dazu bei, die uruguayische Kunst auf ein internationales Niveau zu heben und sie mit Bewegungen wie dem Abstrakten Expressionismus zu verknüpfen. 

Seine kunsthistorische Einordnung wird durch seine engen Beziehungen zu europäischen Meistern unterstrichen. Er traf und arbeitete mit Größen wie Pablo Picasso, Salvador Dalí, Jean Cocteau und Brigitte Bardot zusammen. Picasso selbst war von Vilarós Keramiken so beeindruckt, dass er ihm einige seiner eigenen Werke schenkte. 

Mit der Casapueblo schuf er ein Werk, das die Grenzen zwischen Architektur, Bildhauerei und Malerei auflöst. Es gilt als eines der radikalsten Beispiele für organische Architektur ohne rechten Winkel, inspiriert von der Natur und dem Nest des Töpfervogels (Hornero).

Vilaró war ein Total-Künstler, der Kunst nicht als statisches Objekt, sondern als Lebensform verstand. Seine Werke erzielen heute bei Auktionen Preise von bis zu 21.000 USD, was seine anhaltende Wertschätzung im Kunstmarkt unterstreicht.

Nächstes Ziel war die legendäre Stadt Piriápolis, gelegen an der Küste von Uruguay im Departamento Maldonado. Sie ist als der erste geplante Badeort des Landes von herausragender historischer und touristischer Bedeutung. Die Stadt wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit der Vision erschaffen, den Tourismus in der Region zu begründen, noch bevor das heute weltberühmte Punta del Este an Bedeutung gewann. 

Die Stadt ist untrennbar mit ihrem Gründer Francisco Piria (Fernando Juan Santiago Francisco María Piria) verbunden. Piria kaufte Ende des 19. Jahrhunderts weite Landstriche, die damals als wertlos galten, und entwarf eine Stadt nach europäischem Vorbild.

Piria war für sein Interesse an Alchemie und Symbolik bekannt. Viele Gebäude der Stadt, wie sein eigenes Schloss (Castillo de Piria), enthalten esoterische Symbole und folgen einer spezifischen energetischen Planung. Er investierte massiv in die Infrastruktur, baute das monumentale Argentino Hotel (einst eines der größten Südamerikas) und förderte den Ort aktiv bei der Elite von Montevideo. 

Piriápolis gilt als die „Wiege des Tourismus“ in Uruguay. Die Rambla de los Argentinos, die Uferpromenade der Stadt, ist als nationales historisches Denkmal geschützt. Im Gegensatz zu vielen anderen Küstenorten wurde Piriápolis von Grund auf am Reißbrett entworfen, was ihr ein einzigartiges, harmonisches Stadtbild verleiht.

Die Stadt ist von Hügeln wie dem Cerro San Antonio und dem Cerro Pan de Azúcar umgeben, was sie von den flacheren Strandabschnitten Uruguays unterscheidet und sie zu einem Zentrum für Naturtourismus und Wandern macht. Mit rund 8.800 Einwohnern, die in der Saison um ein Vielfaches ansteigen, bleibt sie ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für das Departamento Maldonado.

Wir wanderten auf der Rambla, der Küstenstraße, auf einer touristengerechten Promenade zum „Schloss“ und zum Hotel Argentino, wo sich heute auch das Casino befindet.

Ein bisschen kam es uns vor, als wäre der Ort aus der Zeit gefallen, der den Schritt in die neue Zeit verschlafen hat. Unser Restaurant-Besuch war auch nicht unbedingt erfolgreich. Das Erste verließen wir wieder, weil die von uns gewählten Speisen, die auf der Karte angepriesen wurden, nicht zur Verfügung standen. Im Zweiten mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass sie von Pizza und Cesar-Salat eine völlig andere Vorstellung haben. Die in den Reiseführern beschriebene Attraktivität des berühmten Badeortes blieb uns verborgen.

Anschließend besuchten wir in der Nähe der Stadt Piriapolis, wohl zu ihr gehörend, die Fuente de Venus (Venusbrunnen), in einem schön angelegten Park. Das Herzstück ist ein kleiner Tempel mit Säulengängen, in dessen Mitte eine Statue der Göttin Venus steht. Aus einem Krug, den sie in den Händen hält, ergießt sich Wasser in ein Becken. 

Die Anlage hat für Piriápolis eine besondere historische und symbolische Bedeutung: Die Quelle wurde im Februar 1911 von Francisco Piria, dem Gründer der Stadt, eingeweiht. Piria wollte Piriápolis nach europäischem Vorbild als luxuriösen Badeort gestalten.

Die Statue ist eine exakte Replik eines Brunnens in der italienischen Villa Paravicini. Die Skulptur selbst wurde vom französischen Künstler Mathurin Moreau entworfen und in der renommierten Gießerei Val d'Osne in Frankreich gefertigt.

Die Fuente de Venus gehört zu einer Reihe von drei symbolträchtigen Brunnen, die Piria für seine „Traumstadt“ ersann. Die anderen beiden sind die Fuente del Toro (Stierbrunnen in Madrid) und die Fuente de Stella Maris (in Venedig).

Die Venus steht für Schönheit, Liebe und Erneuerung. Viele Einheimische schreiben dem Ort zudem eine mystische Energie zu, die eng mit Pirias Interesse an Alchemie und Symbolik verknüpft ist. Es gibt übrigens auch in Montevideo im Parque Rodó ein kleineres Bauwerk namens Templete de Venus aus dem Jahr 1910.

Einen etwas originellen Ort wollten wir unbedingt noch aufsuchen, das berühmte Adlerhaus (El Águila). Es befindet sich in Villa Argentina, direkt neben dem bekannteren Badeort Atlántida (ca. 45 km östlich von Montevideo).

Das Gebäude wurde 1945 vom italienischen Millionär Natalio Michelizzi als privates Refugium und Lesezimmer errichtet. Es ist aus Stein gebaut und hat die markante Form eines riesigen Adlerkopfes mit Glasaugen, die auf das Meer blicken.

Lange hielten sich Gerüchte, es sei ein geheimer Stützpunkt für Nazi-U-Boote gewesen, da Michelizzi deutsche Sympathien nachgesagt wurden. In Wahrheit war es jedoch ein privates Hobbyprojekt, das ursprünglich als „La Quimera“ (Die Chimäre) geplant war. 

Ein etwas kurioser Parkwächter sorgte für diszipliniertes Parken und effektive Platznutzung. Damit man die Sehenswürdigkeit optimal ins Bild setzen kann, wurde eine Holz-Stiege zum Sandstrand gebaut. Ein letztes Mal fühlten wir Sand unter den Schuhsohlen. Das wars dann! Wir fuhren zurück ins NH nach Montevideo.

Um 20:00 Uhr gab es noch einen Abschiedstrunk in einem Restaurant. Auch dort erlebten wir, dass vieles was auf der Karte angeboten wird, nicht auf den Tisch gestellt werden kann. Die Kellnerin hat uns dafür einiges vorgehustet. Ein Viertel argentinischer Rotwein (Malbeck) hat mir einen tiefen Schlaf beschert.

 

Dienstag, 31. März 2026, Buenos Aires, Hotel Misti

Nach dem Frühstück brachten mich Ditmar und Angelika zum Hafen. Gestern habe ich mich geärgert, weil das „Check-in“ am Handy nicht und nicht funktionieren wollte. Heute teilte mir in Beamter der Firma Buquebus mit, dass das für Ausländer gar nicht geht. Alles weitere klappte problemlos und ich kam mit der Fähre gut in Buenos Aires an.

 

Geschichte Uruguays

Uruguay hat eine spannende Geschichte, die oft von seiner Lage als Pufferstaat zwischen den Giganten Brasilien und Argentinien geprägt war. Hier sind die wichtigsten Etappen kurz zusammengefasst: 

1. Kolonialzeit und der "Kampf um die Grenze"

Ursprünglich war das Gebiet von indigenen Völkern wie den Charrúas besiedelt. Im 17. und 18. Jahrhundert stritten sich Spanien und Portugal ununterbrochen um das Territorium. 

Colonia del Sacramento: 1680 von den Portugiesen gegründet, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und zeigt diesen portugiesischen Einfluss.

Montevideo: Wurde 1724 von den Spaniern als militärische Festung gegründet, um den portugiesischen Vormarsch zu stoppen. 

2. Der Unabhängigkeitskampf (1811–1828)

Der Nationalheld José Gervasio Artigas führte den Widerstand gegen die spanische Krone an. Nach komplizierten Kriegen gegen Brasilien und Argentinien wurde Uruguay 1828 durch britische Vermittlung als unabhängiger Pufferstaat anerkannt. 

3. Die "Schweiz Amerikas" (Anfang 20. Jahrhundert)

Unter Präsident José Batlle y Ordóñez erlebte Uruguay eine goldene Ära. Er führte Reformen ein, die für die damalige Zeit weltweit revolutionär waren: 

(a) Trennung von Kirche und Staat. (b) Frauenwahlrecht (sehr früh im Vergleich zu Europa). (c) Ein starker Sozialstaat und kostenloser Zugang zu Bildung. Wegen dieser Stabilität und des Wohlstands erhielt das Land den Spitznamen „Schweiz Amerikas“. 

4. Krise und Diktatur (1973–1985) 

Wirtschaftliche Probleme und soziale Unruhen führten in den 1960er Jahren zum Aufstieg der Stadtguerilla Tupamaros (zu denen auch der spätere Präsident José „Pepe“ Mujica gehörte). 1973 übernahm das Militär die Macht. Diese dunkle Phase endete erst 1985 mit der Rückkehr zur Demokratie. 

5. Das moderne Uruguay

Heute gilt Uruguay als das demokratischste und progressivste Land Lateinamerikas. Es fiel in den letzten Jahren durch liberale Gesetze auf, wie die Legalisierung von Marihuana, die gleichgeschlechtliche Ehe und eine Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien. 

Uruguay war 1930 der Gastgeber und Sieger der allerersten Fußball-Weltmeisterschaft. Das Finale fand im legendären Estadio Centenario in Montevideo statt.

 

Die gegenwärtige politische Situation

Die politische Situation in Uruguay ist aktuell von einer Rückkehr zur Mitte-Links-Regierung und einer stabilen demokratischen Kultur geprägt. Das Land gilt weiterhin als eine der gefestigtsten Demokratien Lateinamerikas. 

Aktuelle Regierung und Führung

Regierungswechsel 2025: Am 1. März 2025 trat Yamandú Orsi sein Amt als Präsident von Uruguay an. Er gehört dem Mitte-Links-Bündnis Frente Amplio an, das nach einer fünfjährigen Pause unter der konservativen Regierung von Luis Lacalle Pou an die Macht zurückkehrte.

Wahlhintergrund: Orsi gewann die Stichwahl im November 2024 mit rund 52 % der Stimmen gegen Álvaro Delgado von der Nationalen Partei. Sein Programm setzt auf eine „stärker integrierte Gesellschaft“ und soziale Gerechtigkeit. 

Parlamentarische Lage

Keine absoluten Mehrheiten: Die aktuelle Legislaturperiode ist durch ein geteiltes Parlament geprägt. Während die Frente Amplio im Senat eine Mehrheit hält, verfügt in der Abgeordnetenkammer kein Block über eine eigene absolute Mehrheit.

Zusammenarbeit: Trotz fehlender Mehrheiten verlief das erste Jahr (2025) weitgehend ohne politische Blockaden. Wichtige Gesetze, wie der Staatshaushalt, wurden teils mit großen überparteilichen Mehrheiten verabschiedet. 

Wichtige politische Themen (2025/2026)

Wirtschaftspolitik: Die Regierung unter Wirtschaftsminister Gabriel Odone verfolgt einen moderaten Kurs, um makroökonomische Stabilität zu wahren. Die Inflation sank bis Ende 2025 auf etwa 3,6 %, während das Wirtschaftswachstum für 2026 auf ca. 2,6 % geschätzt wird.

Soziale Herausforderungen: Themen wie die Bekämpfung der Armut, die Verbesserung der Sicherheit und Bildungsreformen stehen weit oben auf der Agenda.

Menschenrechte: Es gibt weiterhin öffentliche Debatten und Demonstrationen zur Aufarbeitung der Militärdiktatur (1973–1985), insbesondere Forderungen nach Aufklärung über das Schicksal der „Verschwundenen“.

Außenpolitik: Uruguay unterhält eine traditionell neutrale und diplomatische Haltung. Zuletzt positionierte sich die Regierung Orsi kritisch gegenüber ausländischen Militärinterventionen (etwa im Kontext der USA und Venezuelas) und betont die nationale Souveränität. 

Uruguay zeichnet sich auch unter der neuen Führung durch einen respektvollen Umgang zwischen Regierung und Opposition aus, was im regionalen Vergleich als außergewöhnlich gilt.

 

Die Rolle Uruguays im Tripel-Allianz-Krieg 

Im Tripel-Allianz-Krieg (1864–1870), dem blutigsten Konflikt in der Geschichte Südamerikas, spielte Uruguay eine doppelte Rolle: Es war sowohl der Auslöser des Krieges als auch ein Mitglied der siegreichen Allianz gegen Paraguay. 

1. Uruguay als Kriegsauslöser 

Der Konflikt begann eigentlich als uruguayischer Bürgerkrieg zwischen den Blancos (Konservative) und den Colorados (Liberale): Brasilien marschierte 1864 in Uruguay ein, um die Colorados unter Venancio Flores zu unterstützen und die amtierende Blanco-Regierung zu stürzen.

Der paraguayische Diktator Francisco Solano López sah durch diesen Einmarsch das regionale Gleichgewicht bedroht. Er war ein Verbündeter der Blanco-Regierung und erklärte Brasilien den Krieg, um Uruguay zu verteidigen. 

2. Wechsel der Seiten

Nachdem die von Brasilien unterstützten Colorados in Uruguay die Macht übernommen hatten, änderte sich die politische Ausrichtung des Landes grundlegend: 

Uruguay kämpfte nun nicht mehr an der Seite Paraguays, sondern schloss sich am 1. Mai 1865 mit Brasilien und Argentinien zur Tripel-Allianz zusammen. Das Ziel des Bündnisses war fortan der Sturz von Solano López in Paraguay. 

3. Militärischer Beitrag

Obwohl Uruguay das kleinste Mitglied der Allianz war, beteiligte es sich aktiv an den Kämpfen: Truppenstärke: Uruguay stellte zu Beginn etwa 5.000 Soldaten (im Vergleich zu 40.000 von Brasilien und 25.000 von Argentinien). Führung: Der uruguayische Präsident Venancio Flores war einer der kommandierenden Generäle der Allianz in der Anfangsphase des Krieges.

Rückzug: Da Uruguay durch den vorangegangenen Bürgerkrieg erschöpft war, zog es einen Großteil seiner Truppen bereits vor dem endgültigen Ende des Krieges (1870) vom Schlachtfeld ab. 

4. Folgen für Uruguay

Politische Stabilisierung: Der Sieg festigte die Macht der Colorado-Partei, die Uruguay daraufhin für viele Jahrzehnte dominierte.

Geste der Versöhnung: In einem Akt der Wiedergutmachung gab Uruguay später (im 20. Jahrhundert) die im Krieg erbeuteten Trophäen an Paraguay zurück. 

Heute wird die Teilnahme am Krieg in Uruguay oft selbstkritisch betrachtet, da er zur fast vollständigen Zerstörung Paraguays führte. 

 Der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano (1940–2015) bewertet den Tripel-Allianz-Krieg (1864–1870) in seinem Hauptwerk Die offenen Wunden Lateinamerikas als einen der größten Akte der „Infamie“ und als gezielte Zerstörung eines erfolgreichen, unabhängigen Entwicklungsmodells. 

Galeanos Analyse lässt sich in folgende Kernpunkte unterteilen:

1. Paraguay als "gefährliches Vorbild"

Für Galeano war Paraguay vor dem Krieg die einzige Nation in Lateinamerika, die eine echte wirtschaftliche Unabhängigkeit erreicht hatte. 

Autonomie: Unter den Regierungen von Francia und den López hatte Paraguay keine Auslandsschulden und investierte seine Ressourcen in die eigene Infrastruktur (Eisenbahnen, Siderurgie).

Staatsbesitz: Grund und Boden sowie wichtige Industrien waren staatlich organisiert, was laut Galeano die Entstehung einer ausbeuterischen Oligarchie verh

2. Die Rolle Großbritanniens als "Vierter Verbündeter"

Galeano vertritt die These (die heute unter Historikern teils umstritten ist), dass das Britische Empire der eigentliche Drahtzieher hinter dem Konflikt war. 

Marktöffnung: England habe die Allianz (Brasilien, Argentinien, Uruguay) finanziert und politisch gedrängt, Paraguay zu zerschlagen, um dessen geschützten Markt für britische Waren und Kapital zu öffnen.

Verschuldung: Die Kriegskredite der Bank of London und anderer Häuser hätten die Siegerstaaten langfristig in die Abhängigkeit britischer Banken getrieben. 

3. Ein "geplanter Völkermord"

Galeano bezeichnet den Krieg als einen Genozid am paraguayischen Volk. 

Er beschreibt die fast vollständige Vernichtung der männlichen Bevölkerung und die darauffolgende Plünderung des Landes als Mittel, um Paraguay wieder in den Status einer „kolonialen Rohstoffquelle“ zu zwingen.

In seinem Werk „Memoria del fuego“ zitiert er scharf die rassistischen Aussagen zeitgenössischer Führer der Allianz (wie Sarmiento), um die moralische Verkommenheit der Angreifer zu untermauern. 

Fazit Galeanos

Der Krieg war für Galeano kein bloßer Grenzkonflikt, sondern die gewaltsame Eingliederung Paraguays in das globale kapitalistische System unter der Vorherrschaft Englands. Er sieht darin den Moment, in dem die Hoffnung auf ein eigenständiges, nicht-abhängiges Lateinamerika im Blut erstickt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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