Liebe Freunde!
Ich werde heuer wieder drei Monate in Ciudad del Este (Paraguay) in der Pfarre St. Lukas aushelfen. Wie gewohnt werde ich zuvor ein Land in Südamerika besuchen, das ich noch nicht kenne. Das wird in diesem Jahr Uruguay sein. Diesmal werde ich auch nicht allein reisen, sondern zusammen mit Angelika und Ditmar.
Wir werden am 10. März von Wien nach Madrid und von Madrid nach Montevideo fliegen, natürlich mit Iberia. Drei Wochen lang werden wir das 3,5 Millionen Einwohner zählende und 176 215 Quadratkilometer große Land besuchen.
Nach den drei Wochen mit Angelika und Ditmar in Uruguay werde ich noch einige Tage Buenos Aires besuchen und am 7. April meinen Dienst in Ciudad del Este antreten.
Montevideo, 11. März 2026, Hotel NH Montevideo Columbia
Wir haben uns gestern am Flughafen in Wien-Schwechat gegen 17:00 beim Iberia-Schalter zum Einchecken getroffen. Um ca. 20:00 Uhr gingen wir in die Luft und landeten in Madrid planmäßig um 22:55 Uhr. Um 23:59 Uhr startete unsere Maschine nach Montevideo. Wir mussten uns beeilen, weil wir auf verschlungenem Weg zu einem Zug mussten, der uns zum Terminal 4 S brachte und wir schließlich das angegebene Gate C 33 erreichten und den Airbus A 330-200 bestiegen.
Während die Maschine von Wien nach Madrid voll war, gab es für die lange Strecke nach Montevideo Platz genug. Das heißt, dass der Flug sehr bequem war. Bald wurde das Abendessen serviert, dann konnte man - wer wollte und konnte - schlafen. Wie viele andere Passagiere schaute ich mir zwei Filme an: „Kein Erbarmen“ mit Clint Eastwood und „Das Zimmer nebenan“ von Pedro Almodovar. Im zweiten Streifen ging es um die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben. Ein Film mit wunderschönen Aufnahmen und Tiefgang.
Nach dem Frühstück landeten wir pünktlich in Montevideo. Am relativ kleinen, aber wohlgefälligen Flughafen, war unser Gepäck schnell verfügbar. Probleme gab es nur bei der Pass-Kontrolle, weil die elektronischen Kontrollgeräte auf die neuen EU-Reisepässe von Angelika und Ditmar noch nicht eingestellt waren. Mit einem Kleinbus wurden wir zur Leihwagenfirma gebracht, wo wir unseren Mietwagen abholten und in unser ca. 22 km entfernten NH Montevideo Columbia Hotel fuhren. So bekamen wir einen ersten Eindruck von der berühmten Küstenstraße (Rambla) Montevideos. Die Sonne lachte und die Palmen winkten zur Begrüßung. Urlaubs-Gefühle stellten sich ein.
Wir deponierten im Hotel unser Gepäck und statteten der Altstadt von Montevideo einen ersten Besuch ab. Zunächst gab es einige Dinge auf einem Flohmarkt in der Fußgängerzone zu bewundern, dann machte mich die Atmosphäre in der Johannes-Kirche betroffen. Auch, wenn es auf den Straßen und Plätzen viel zu sehen gab, geht es doch ruhig und gemütlich zu.
Schließlich kamen wir zum Unabhängigkeitsplatz. Die Plaza Independencia ist der wichtigste und symbolträchtigste Platz von Montevideo. Er markiert die Grenze zwischen der historischen Altstadt (Ciudad Vieja) und dem modernen Zentrum (Centro). Der Platz wurde im Jahr 1837 von dem Architekten Carlo Zucchi entworfen, als die Stadtmauern von Montevideo abgerissen wurden, um die Stadt zu erweitern. Sein Name feiert die Unabhängigkeit Uruguays. Er wurde als monumentales Zentrum konzipiert, das die koloniale Vergangenheit mit der republikanischen Zukunft verbindet.
An der Westseite steht die Puerta de la Ciudadela, der einzige erhaltene Rest des alten Stadtmauer-Tors aus der spanischen Kolonialzeit. In der Mitte des Platzes steht das imposante Reiterdenkmal von José Gervasio Artigas, dem Nationalhelden Uruguays. Direkt unter der Statue befindet sich ein unterirdisches Mausoleum, in dem die Urne mit der Asche von Artigas aufbewahrt wird. Es wird rund um die Uhr von der Ehrengarde (Blandengues de Artigas) bewacht.
Rund um die Plaza Independencia befinden sich einige der markantesten Gebäude des Landes: Der Palacio Salvo: Bei seiner Fertigstellung 1928 war er das höchste Gebäude Südamerikas. Er ist das architektonische Wahrzeichen der Stadt. Der Torre Ejecutiva: Der aktuelle Sitz des Präsidenten von Uruguay. Das Teatro Solís ist das älteste und bedeutendste Theater des Landes. Es liegt nur wenige Schritte entfernt an einer Ecke des Platzes.
Heute ist der Unabhängigkeits-Platz der Ort für alle großen Staatszeremonien, Amtsübergaben der Präsidenten und der zentrale Knotenpunkt für Touristen.
Das verspätete Mittagessen nahmen wir im „Tasende“ ein. Nicht weit vom Unabhängigkeits-Platz und dem Theater Solis entfernt befindet sich diese Kneipe. Wir probierten die Spezialität des Hauses: Pizza al tacho (Pizzaboden mit viel Käse und ohne Tomatensauce). Kaffee und Kuchen nahmen wir in einem Café. Was wie eine Süßigkeit anmutet, ist hier oft mit gar nicht süßem Inhalt gefüllt.
Donnerstag, 12. März 2026
Nach dem ausgiebigen Frühstück um 8:00 Uhr gingen wir erneut zur Altstadt von Montevideo. Nicht weit von unserem Hotel entfernt befindet sich die Post mit einem Museum. Diesem noch aktiven Postamt widmeten wir unseren ersten Besuch. Es wird einem bewusst, dass viele Bauten der Stadt aus der „guten, alten, glorreichen Vergangenheit“ des Landes stammen. Wir führten anschließend auf der Straße ein Gespräch mit einer in Deutschland und in Zürich gelebten und jetzt in Montevideo beheimateten Frau mit italienischen Wurzeln. Sie riet uns, zur Sicherheit eine Immobilie in Uruguay zu kaufen.
Wir wanderten in Richtung „Hafen-Markt“ mit vielen andern Touristen. Da gab es viel zu sehen, herrliche Fassaden, große Geschäfte, kleine Laden, viele Obststände, Souvenir-Geschäfte, Bücherstände und Antiquitätenhändler. Die riesige Markthalle mit den zahlreichen Restaurants ist die absolute Attraktion in diesem Stadtteil. Es wäre gar nicht so leicht gewesen dort einen Platz zu bekommen. Ausführlich besichtigten wir einen Kunsthandwerk-Laden mit vielen schönen Produkten einheimischer Künstler.
Weiter ging es zur Nationalbank, wo es eine wunderbare Ausstellung zu bewundern gab. Einerseits ging es um Gauchos und ihre Lebenswelt und andererseits wurde gezeigt, wie Motive aus deren Leben Münzen aufgeprägt wurden. Der Saal, in dem sich die Ausstellung befindet, ist imposant und zeugt ebenfalls von der großen Zeit Uruguays. Auch alte Bankschalter werden gezeigt und man wird in einer 3D-Show hineingenommen in den Alltag eines landwirtschaftlichen Betriebes.
Neben der Nationalbank befindet sich die Franziskaner-Kirche. Sie ist sehr groß, weist aber vor allem außen viele Bau-Schäden auf. Offenbar fehlt das Geld, um sie zu beheben. Das Mittagessen nahmen wir im Restaurant „Estrecho“ ein. Da es den Ort gewechselt hatte, war es gar nicht so leicht es zu finden. Das Essen war gut und das Lokal sehr ansprechend.
Beim Verlassen des Restaurants blies uns frischer Wind entgegen. Wir beschlossen ins Hotel zu gehen und einen Pullover zu holen, um unser Programm zu Ende zu führen. Wir durchquerten den Unabhängigkeits-Park und marschierten am Palacio Salvo vorbei auf der Avenida 18. Juli bis zum interessanten Gebäude der Stadt-Gemeinde (Palacio Municipal). Wir passierten auch die Freiheitsstatue, wo am danebenliegenden kleinen Park Vermissten-Anzeigen von Frauen mit der Aufforderung ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen auf einer Leine angebracht waren.
Der Palacio Municipal ist ein Ziegelbau mit 22 Stockwerken. Er wurde zwischen 1935 und 1941 nach Plänen des Architekten Mauricio Cravotto gebaut. Wegen finanzieller Engpässe wurde die ursprüngliche Höhe von 114 Metern auf 78 Meter reduziert. Der Palacio dient als Sitz der Stadtverwaltung.
Freitag, 13. März 2026
Für heute war der Ausflug zur Fortaleza del Cerro de Montevideo (Festung des Hügels von Montevideo) geplant. Die Festung steht auf dem 134 Meter hohen Stadthügel von Montevideo. Heute befindet sich in ihren Mauern ein Militärmuseum. Aber die Besonderheit des Ortes besteht nicht nur in dessen historischer Bedeutung, sondern auch in der Aussicht, die man auf Montevideo hat.
Wir fuhren weiter zum „Establecimiento Juanico“ eine der größten Weingüter des Landes. Deren Weine finden sich angeblich in fast jedem Restaurant und Supermarkt. Ein einladendes Gelände und ein Restaurant mit einem eindrucksvollen Weinkeller werden von Weingärten umgeben. Ursprünglich war die Bodega (Weingut und Kellerei) ein von Jesuiten gegründeter Zufluchtsort.
Wir fuhren weiter zur zweitgrößten Stadt des Landes (Canelones), um zu essen. Leider war das im Reiseführer angegebene Restaurant nicht auffindbar und die Restaurants um diese Zeit geschlossen. Ein Wirt, etwas abseits vom Zentrum, lud uns ein uns zu dieser Unzeit einen „vegetarischen Teller“ zu servieren. Seine Mutter bereitete den überbordenden Salatteller mit köstlichen Pommes. Das Lokal entspricht nicht den gängigen hygienischen und ausstatterischen Standards der Hauptstadt Montevideo. Es bot uns dennoch ein schönes Erlebnis aufgrund der Liebenswürdigkeit von Mutter und Sohn. Im Kulturzentrum besichtigten wir noch eine Ausstellung einheimischer Künstler und traten anschließend den Heimweg nach Montevideo an.
Sonntag, 15. März 2026, Hotel NH Montevideo
Columbia
Gestern (14.3.) nahmen wir am Gottesdienst der Adventisten
in Montevideo teil. Wir fuhren mit dem Auto hin. Da keine genaue Zeit angegeben
war, nahmen wir an, dass er um 9:30 Uhr beginnt. Einige Musiker waren anwesend,
die probten. Offiziell waren am Beginn um 10:00 wenige Leute gegenwärtig.
Allmählich füllte sich die Kirche und gegen Ende waren die Reihen doch ziemlich
gefüllt. Wir wurden herzlich aufgenommen und noch herzlicher mit einer
Kuss-Runde verabschiedet. Was die Zeit und die Pünktlichkeit betrifft, ist es
eine andere Welt. Die Kirche selbst befindet sich nicht in der Altstadt,
sondern in einem, neuen, modernen, großzügig angelegten Stadtteil, der sich „3
Kreuze nennt“. Das Wahrzeichen, ein großes Kreuz, markiert das Zentrum des
Platzes. Gleich in der Nähe befindet sich ein „Italienisches Krankenhaus“, das
seit kurzer Zeit wegen Baumängel umgesiedelt werden musste.
Anschließend besuchten wir das Fußball-Stadion, in dem die
1. Fußball-WM 1930 stattfand und Uruguay Weltmeister geworden war. Ein hoher
Turm, der einem Flugzeug nachgeahmt ist, weist den Weg. Entweder muss man
Eintritt bezahlen, um einen Blick auf den Rasen werfen zu dürfen. Wenn man im
Restaurant etwas konsumiert, was wir getan haben, darf man gratis das Innere
des Stadions betreten. 1930 fasste das Stadion 100 000 Personen. Die FIFA
verlangte die Reduktion auf die Hälfte. Die uralten Sitze von damals sind aber
noch vor Ort, als „Kulturdenkmäler“. Das Essen war sehr gut, der Besitzer oder
Chef des Restaurants sehr freundlich und entgegenkommend, der Blick zurück zur
1. FWM steigerte die Vorfreude auf die nächste: Österreich: Argentinien!?? Ob
die argentinischen Nachbarn ein klein wenig Bedenken haben?
Danach ging es gut gelaunt zum „Parque Rodo“, benannt nach
dem wichtigsten uruguayischen Schriftsteller und ist einer der wichtigsten
Stadtparks Montevideos. Er befindet sich direkt gegenüber dem Meer auf der Höhe
der Playa Ramirez. Zum See gehören ein kleiner See und mehrere Brunnen. Beliebt
ist dieser Park auch wegen seines Vergnügungsparks mit Riesenrad, Berg- und
Talbahn, Geisterbahn etc. Auch das nationale Museum der Bildenden Künste
befindet sich auf dem Areal des Parks.
Zu Hause im Hotel buchten wir die Hotels für die nächste Woche. Das war gar nicht so leicht, weil viele Häuser ausgebucht sind. Manche skurrile Unterkunft erheiterte uns.
Sonntag, 15. März 2026, Casa del Sol (Colonia
del Sacramento)
Um 8:30 Uhr nahmen wir das letzte Frühstück im Hotel NH
ein. Schweren Herzens mussten wir Abschied nehmen, vom Hotel und der Stadt. Das
Hotel liegt sehr günstig und das Frühstück war sehr gut und ausreichend. In der
Stadt hätte es noch sehr viel zu sehen gegeben.
Wir fuhren nochmals den Weg durch die Altstadt (Misiones)
und dann am Hochhaus der Telecom-Uruguay vorbei der Ruta Eins entlang, Richtung
Westen. Am Abend wollten wir in Colonia del Sacramento ankommen, um in der Casa
del Sol zwei Nächte zu verbringen.
Irgendwann auf der Autobahn wurde Ditmar durch ein Schild
auf einen Friedhof aufmerksam gemacht. Ich erzählte meinen Reisegefährten, dass
die Friedhöfe, die ich bisher in Süd-Amerika sah, eigentlich sehr hässlich
sind. Kurzentschlossen fuhr Ditmar von der Autobahn ab und nach kurzer Suche
fanden wir den Friedhof: „Gardin de la madre tierra (Garten der Mutter Erde)“.
Es ist tatsächlich ein Friedhof besonderer Art. Es handelt
sich weder um einen Gemeinde- noch um einen Pfarr-Friedhof, sondern um einen in
privater Hand. Wer eine kirchliche Einsegnung mit Requiem möchte, der kann das
in der schlichten, aber doch atmosphärisch schönen Kapelle tun. Ein riesiges
Feld mit vielen unterschiedlichen Bäumen und schön angelegten Wegen mit
Ruhebänken laden die Besucher zum Verweilen ein. An manchen Rasenflächen waren
Steinplatten eingelassen, die die Namen der Begrabenen bekannt geben. Eine
wunderbare Stille umgibt den Besucher oder die Angehörigen, die sich auf einer
der Bänke niedergelassen haben und ihrer lieben Verstorbenen gedenken oder
einfach über deren oder ihr eigenes Leben nachdenken.
Der nächste Stopp war wieder ungeplant. Eine Tafel lud uns
ein, den Sandstrand des Rio de la Plata zu besuchen. Der Fluss ist bis zu 22 km
breit. Das gegenüberliegende Ufer sahen wir nicht. Ein herrlicher Anblick bot
sich uns! Als ich als Jugendlicher Karl Mays „Am Rio de la Plata“ las, hätte
ich mir nie träumen lassen, jemals an seinem Ufer zu stehen. Schön ist auch der
nahegelegene Eukalyptus-Wald.
Unsere nächsten Ziele waren die „Colonia nueva Helvecia“
und die „Colonia Valdense“. Das Städtchen „Neue Schweiz“ ist heute eines der
beliebtesten Reiseziele in Uruguay. Als wir in die Stadt einfuhren,
überraschten uns die schönen Häuser und die dazugehörigen Gärten und natürlich
auch die Sauberkeit.
Als wir im Zentrum von „Nueva Helvecia“ ausstiegen erschlug
uns fast die Hitze. Deshalb wunderten wir uns nicht, dass kaum Menschen
sichtbar waren. Wir suchten kurz entschlossen die kühleren Temperaturen eines
Restaurants auf. Gestärkt mit einem guten Essen, Bier und einem Espresso
kehrten wir zum Hauptplatz zurück, der sich nun mit Verkaufszelten und selbst
hergestellten Produkten gefüllt hatte. In ihrer Mitte wachte das „Denkmal der
Gründer“ der Stadt bzw. Kolonie.
Alles begann hier mit 30 Belgiern aus Antwerpen. Aufgrund
einer Hungersnot 1861 folgten 1862 an die 600 Schweizer, die wegen der
Hungersnot ihr Land verlassen hatten. Unter ihnen waren hauptsächlich Bauern
und Landarbeiter. Daher ist die Kolonie heute noch wegen seiner Käse- und
Milchprodukte berühmt. Die Feste, die in der Schweiz gefeiert wurden, werden
auch hier immer noch hochgehalten und ziehen Zuschauer an. Natürlich blieben
uns die Kirchen, die die Einwanderer errichtet hatten, nicht verborgen.
Nicht weit entfernt, auf der anderen Seite der Ruta 1
befindet sich die „Colonia Valdense“. Gegründet wurde die Siedlung von
Waldensern aus dem Piemont im Jahre 1856. Auch sie wurden von Armut und Hunger
in die Fremde getrieben. Der Ort gleicht äußerlich sehr „Nueva Helvecia“. Ich
kann mir vorstellen, dass man hier gut leben kann.
In der Kirche der Waldenser wurde immer noch Erntedank
gefeiert. Der Pastor war nicht mehr vor Ort, weil er am späten Nachmittag noch
eine andere Gemeinde zu betreuen hatte.
Gegen 18:30 kamen wir in der „Casa del Sol“ an. Die
Benutzung des Pools war eine verlockende Aussicht, die ich dann auch gleich
wahrnahm. Das Hotel befindet sich außerhalb der Stadt in fantastischer
Umgebung.
Montag, 16. März 2026, Casa del Sol bzw. Colonia del Sacramento
Nach dem opulenten Frühstück um 8:30 Uhr fuhren wir nach Colonia. Colonia ist die älteste Stadt in Uruguay. Colonia del Sacramento wurde im Januar 1680 von den Portugiesen gegründet. Als eigentlicher Gründer gilt der portugiesische Gouverneur von Rio de Janeiro, Manuel Lobo. Die Siedlung wurde als militärischer Außenposten direkt gegenüber der spanischen Stadt Buenos Aires errichtet, um die portugiesischen Gebietsansprüche am Nordufer des Río de la Plata zu sichern.
Manuel Lobo erreichte die Region mit fünf Schiffen und rund
400 Personen, darunter Soldaten, Handwerker und Steinmetze. Die Stadt liegt auf
einer Halbinsel am Río de la Plata, was sie damals zu einem idealen Ort für den
Handel und Schmuggel machte. Aufgrund ihrer strategischen Bedeutung war die
Stadt über ein Jahrhundert lang zwischen dem spanischen und dem portugiesischen
Empire umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer.
Das historische Viertel (Barrio Histórico) wurde
1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, da die
Architektur eine einzigartige Fusion aus portugiesischen und spanischen
Kolonialstilen darstellt.
Wir konnten unser Auto nahe der Altstadt parken, weil
Ditmar ein Einpark-Experte ist. Wir marschierten los und orientierten uns an
den zwei Türmen der Matriz-Kirche, die wir auch besichtigten.
Die Basílica del Santísimo Sacramento, im
Volksmund oft Iglesia Matriz genannt, befindet sich im Herzen
des historischen Viertels (Barrio Histórico) von Colonia del Sacramento,
direkt an der Plaza de Armas.
Sie gilt als die älteste Kirche Uruguays und ist
ein zentraler Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Die Geschichte des Bauwerks ist eng mit den turbulenten
Konflikten zwischen Portugal und Spanien verknüpft: Parallel zur
Stadtgründung errichteten die Portugiesen 1680zunächst eine bescheidene Kapelle
aus Lehm und Stroh. Unter Gouverneur Sebastián de Veiga Cabral wurde die Kirche
1699 erstmals massiv aus Stein und Kalk neu gebaut. Das heutige
Erscheinungsbild basiert weitgehend auf Plänen von Tomás Toribio aus den
Jahren 1808 bis 1810.
Ein einschneidendes Ereignis war ein schweres Gewitter im
Jahr 1823. Ein Blitz schlug in die Kirche ein und brachte das dort gelagerte
Schießpulver zur Explosion, was den Bau fast vollständig zerstörte und
Todesopfer forderte.
Zwischen 1836 und 1841 wurde die Basilika unter Gouverneur
Lecor wiederhergestellt. Die letzte große Renovierung, die ihren heutigen
schlichten, aber würdevollen Zustand festigte, fand 1976 statt.
Die Basilika besitzt dicke Steinmauern und eine
charakteristische weiße Fassade mit zwei Glockentürmen. Das Innere ist sehr
schlicht und karg gehalten, was die ursprüngliche Funktion als Wehrkirche in
einer umkämpften Grenzstadt widerspiegelt.
In unmittelbarer Nähe befindet sich die Plaza de Arma. Die Plaza
de Armas (offiziell Plaza de Armas Manuel Lobo) und die
angrenzenden Ruinen sind das historische und archäologische Herzstück von
Colonia del Sacramento. Sie markieren den Ort, an dem die Stadt 1680 gegründet
wurde und über ein Jahrhundert lang das Machtzentrum der Region lag. Die
markanten Steinruinen direkt auf bzw. neben dem Platz sind die Überreste
des Gouverneurspalastes (Casa del Gobernador).
Vom ehemaligen Gouverneurspalast gingen wir weiter in
Richtung Plaza Mayor 25 Mayo und weiter zum Leuchtturm. Der „Platz 25. Mai“
(Plaza Mayor 25 de Mayo) ist der älteste und wichtigste Platz der
Stadt, auch wenn er oft einfach nur Plaza Mayor genannt wird. Der
Name „25 de Mayo“ erinnert an die Mai-Revolution von 1810 in Buenos
Aires, die den Beginn des Unabhängigkeitsprozesses der Region vom spanischen
Empire markierte. Der Platz wurde unmittelbar bei der Stadtgründung 1680
durch die Portugiesen angelegt. Er war
das gesellschaftliche, religiöse und militärische Zentrum der Kolonie. Hier
fanden Militärparaden, religiöse Zeremonien und in Kriegszeiten sogar
Hinrichtungen statt.
Der Leuchtturm (Faro de Colonia del Sacramento) ist
eng mit den Ruinen verknüpft, die ihn umgeben: Der heutige Leuchtturm wurde im
Jahr 1857 fertiggestellt. Er steht direkt auf den Überresten des
ehemaligen Klosters San Francisco Javier, das um 1690 von den Portugiesen
erbaut worden war.
Da die Navigation im Río de la Plata aufgrund zahlreicher
Sandbänke und Untiefen extrem gefährlich war, wurde der Bau durch eine
Schiffssteuer finanziert, um die Sicherheit im Hafen zu erhöhen.
Wir marschierten weiter zur Seufzer-Gasse und zum Stadttor
(Portón de Campo). Das wuchtige Tor mit seiner hölzernen Zugbrücke war
über 150 Jahre lang der einzige Zugang zur Stadt vom Landweg aus. Es
wurde 1745 unter dem portugiesischen
Gouverneur Vasconcellos errichtet. Colonia war damals eine
Festungsinsel im feindlichen spanischen Gebiet. Das Tor war Teil der massiven
Stadtmauer (Muralla), die die Siedlung vor Angriffen schützte.
Das Tor, wie es heute zu sehen ist, wurde in
den 1960er und 70er Jahren originalgetreu rekonstruiert, nachdem
weite Teile der Stadtmauer im 19. Jahrhundert abgerissen worden waren.
Calle de los Suspiros (Seufzergasse) ist
die berühmteste Straße Uruguays. Ihr Name ist von Legenden umrankt: Es
gibt drei populäre Theorien, woher der Name stammt: (1) Gefangene wurden
diese Gasse hinunter zum Fluss geführt, um dort hingerichtet zu werden – ihre
letzten Seufzer gaben der Straße den Namen. (2) Die Gasse war früher bekannt
für ihre Bordelle und Tavernen. Die Seeleute „seufzten“ beim Anblick der Frauen
oder beim Abschied nach langen Nächten. (3) Eine Legende erzählt
von einer jungen Frau, die auf ihren Geliebten wartete und in einer
Vollmondnacht von einem Unbekannten erdolcht wurde; ihr letzter Seufzer hallt
angeblich noch heute durch die Gasse.
Die Straße ist im Originalzustand aus dem 18.
Jahrhundert erhalten. Die Häuser haben die typisch portugiesischen
Walmdächer und dicken Steinmauern und die Entwässerungsrinne in der
Mitte der Gasse – ein klassisches Merkmal portugiesischer Stadtplanung
(spanische Straßen hatten die Rinnen meist an den Seiten).
Nach einem Erfrischungsgetränk im Vorgarten des Restaurants
„Charco“ marschierten wir zurück zur Avenida General Flores, wo wir uns mit dem
Mittagessen stärkten und über die Riesenportionen zweier Ehepaare wunderten.
Unser Besichtigungsprogramm war aber noch nicht zu Ende.
Leider war das Indigenen-Museum geschlossen, sodass wir uns zur „Rambla San
Gabriel“ begaben und nach Buenos Aires „hinüberschauten“. Allerdings sahen wir
nur die Wassermassen des Rios de la Plata.
Colonia del Sacramento und Buenos Aires liegen Luftlinie
nur etwa 50 Kilometer auseinander. An klaren Tagen oder bei
Nacht kann man angeblich von der Küste in Colonia sogar die Skyline von
Buenos Aires am Horizont glitzern sehen.
Letzter geplanter Ort des Besuchs war die „Bastión del
Carmen“. Sie ist heute das wichtigste Kulturzentrum von Colonia del
Sacramento. Ihre Geschichte ist ein faszinierendes Beispiel für den Wandel
eines Ortes von einer militärischen Festung über ein Industriezentrum hin zu
einem Ort der Kunst.
Die Bastion wurde 1745 unter dem portugiesischen
Gouverneur Antonio Pedro de Vasconcellos errichtet. Sie war Teil
der massiven Befestigungsanlage und diente als Artillerieplattform. Die
Bastion wurde direkt am Ufer des Río de la Plata erbaut, um die Stadt vor
Angriffen von der Wasserseite aus zu schützen. Nachdem die militärischen
Konflikte zwischen Spanien und Portugal endeten, verlor die Bastion ihre
ursprüngliche Funktion. Im späten 19. Jahrhundert siedelte sich hier Industrie
an.
Der markante, hohe Schornstein, der heute noch das
Stadtbild prägt, stammt aus dieser Zeit und ist ein Symbol für den
industriellen Fortschritt jener Ära
Nach einer Restaurierung (1972–1997) wurde der Komplex das in das Teatro y Centro Cultural Bastión del Carmen umgewandelt. Heute beherbergt es das wichtigste Theater der Stadt (Sala Pedro Calderón de la Barca) sowie Ausstellungsräume für bildende Kunst. Das Zentrum ist bekannt für die gelungene Kombination aus alten Festungsmauern, industriellen Elementen und moderner Architektur. Der Außenbereich direkt am Fluss ist für seinen Garten mit modernen Skulpturen und den freien Blick auf den Hafen beliebt. Das Gelände ist als Nationales Historisches Denkmal geschützt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe der Stadt.
Dienstag, 17. März 2026, Mercedes, Cabana de Estilo, entorno natural único;
Pünktlich gegen 10:00 Uhr verließen wir das Hotel „Casa del
Sol“. Das Frühstück war unvergleichlich gut, das Personal sehr freundlich und
die Anlage wunderschön mit viel Natur. Unser Ziel heute war das Städtchen
Carmelo. Aber schon davor lockten zwei vielversprechende Sehenswürdigkeiten.
Die erste war der „Parque Anchorena“ – die Sommerresidenz
des Präsidenten. Von Donnerstag bis Sonntag gibt es geführte Besuche. Nicht
aber am Dienstag. Wir fuhren dennoch hin, auf gut Glück. Irgendetwas von der im
Reiseführer beschriebenen Atmosphäre werden wir wohl zu spüren bekommen.
Wir hatten großes Glück bzw. wir erlebten einmal mehr die
großartige Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Uruguayer. Einer von den 32
Angestellten der präsidialen Anlage fuhr uns mit dem Auto durch den riesigen
Park.
Der Parque Anchorena (offiziell Parque
Nacional Aarón de Anchorena) ist eine bedeutende Parkanlage und die
offizielle Sommer- und Erholungsresidenz des Präsidenten von Uruguay.
Er verbindet historische Architektur mit einem weitläufigen
Naturschutzgebiet.
Der Park ist das Vermächtnis des argentinischen
Aristokraten Aarón de Anchorena, der das Land Anfang des 20. Jahrhunderts
erwarb. Nach seinem Tod im Jahr 1965 vermachte Anchorena das rund 1.370
Hektar große Anwesen dem uruguayischen Staat.
Die Schenkung war an die Auflage geknüpft, dass das
Herrenhaus als Erholungsort für die amtierenden Präsidenten dient und der Park
für die Öffentlichkeit zu Bildungs- und Naturschutzzwecken erhalten bleibt.
Das Gebiet liegt an der Mündung des Río San Juan und war
1527 Schauplatz einer der ersten spanischen Siedlungsversuche durch Sebastian
Gaboto.
Das im normannisch-tudorischen Stil errichtete
Hauptgebäude dient Staatschefs für informelle Treffen und zur Erholung.
Ein weithin sichtbares Wahrzeichen ist der 75 Meter
hohe Steinturm mit 320 Stufen. Er wurde als Hommage an Gaboto
errichtet und bietet eine Aussicht bis zur argentinischen Küste.
Anchorena ließ Pflanzenarten aus der ganzen Welt
importieren, wodurch ein einzigartiges Arboretum mit über 200 Baumarten und
einer großen Population von Damhirschen entstand.
Nächstes Ziel auf dem Weg nach Carmelo war die
Jesuiten-Mission Calera de las Huérfanas (deutsch etwa
„Kalkbrennerei der Waisen“). Ein Ort, den ich unbedingt sehen wollte. Zunächst
kamen zwei Arbeiter angefahren, um an der Dachkonstruktion der alten
Jesutiten-Kirche weiterzuarbeiten. Später kam der Bollier Julio, der uns viel
Zeit schenkte und uns in seiner liebenswürdigen Art viel erklärte.
Die Calera de las Huérfanas ist eine der bedeutendsten
jesuitischen Ruinenstätten in Uruguay. Sie liegt etwa 16 km südlich der Stadt
Carmelo, und gilt als Wiege des uruguayischen Weinbaus.
Ursprünglich wurde der Ort von den Jesuiten 1741 unter dem
Namen Estancia de Belén (oder Estancia de las Vacas)
gegründet.
Mit einer Fläche von etwa 140.000 Hektar war es ein
hochproduktives Zentrum für Landwirtschaft und Industrie. Die Jesuiten
betrieben hier Viehzucht, Schmieden, Schreinereien und – historisch besonders
bedeutsam – sie pflanzten die ersten Weinreben in Uruguay an.
Nach der Vertreibung der Jesuiten im Jahr 1767 ging das
Anwesen in staatliche Hände über. Ein Teil der Erträge wurde zur Finanzierung
eines Waisenhauses für Mädchen in Buenos Aires verwendet, was dem Ort seinen
heutigen Namen gab.
Zwischen 1768 und 1777 verwaltete Juan de San
Martín, der Vater des argentinischen Nationalhelden und Befreiers José de
San Martín, das Anwesen. Es wird vermutet, dass einige von Josés Geschwistern
dort geboren wurden.
Die Hauptaktivität war die Gewinnung von Kalk (Kalkbrennerei=Calera).
In den erhaltenen massiven Brennöfen wurde Kalkstein gebrannt, um Baumaterial
für das wachsende Buenos Aires zu liefern.
Heute sind vor allem die Ruinen der Jesuitenkirche (Capilla
de Belén) mit ihren massiven Mauern sowie Reste des Haupthauses und der
Werkstätten zu sehen.
Seit 1976 ist die Anlage als Nationales Historisches Monument geschützt
und Teil der internationalen Tourismusroute „Weg der Jesuiten“ (Camino de
los Jesuitas).
Bei der Weiterfahrt nach Carmelo überraschte uns ein
Gewitter. Bei der Einfahrt in die Stadt über die berühmte rote Drehbrücke (Puente
Giratorio, eine von Menschenhand betriebene Eisenbrücke aus Deutschland,
die 1912 eingeweiht wurde) stürmte es besonders heftig, sodass wir unsere Fotos
vom Auto aus machen mussten. Es blieb uns also nichts anderes übrig als ins
Restaurant (Che Carmelo) zu gehen, um uns zu stärken. Als wir mit dem Essen
fertig waren und der Regen sich verzogen hatte, machten wir uns auf den Weg in
die Altstadt.
In Carmelo gibt es zwei zentrale Plätze, die jeweils von
historisch und architektonisch bedeutenden Gebäuden gesäumt werden: die Plaza
Independencia (das moderne Zentrum), auf das wir von unserem
Restaurant schauten und die Plaza Artigas (das historische
Zentrum).
Die Plaza Independencia ist der Hauptplatz des
bürgerlichen Lebens. Dieser Platz bildet das kommerzielle und administrative
Herz der Stadt. Er zeichnet sich durch eine Mischung aus klassischen Statuen
und modernen Elementen aus. Die Ränder des Platzes sind von traditionellen
Kaffeehäusern und Geschäften geprägt, die den Platz zum sozialen Mittelpunkt
machen.
Die Plaza Artigas (Historischer Hauptplatz) ist
dem Nationalhelden José Gervasio Artigas gewidmet und markiert den historischen
Ursprung von Carmelo. Das Santuario del Carmen (Kirche des Karmel)
ist das markanteste Gebäude an diesem Platz. Diese Kirche gab der Stadt ihren
Namen und ist eng mit ihrer Gründungsgeschichte verknüpft.
Direkt neben oder in der Nähe der Kirche befindet sich das
Gemeindemuseum, das historische Archive und Objekte aus der Gründungszeit der
Stadt bewahrt. Rund um die Plaza Artigas finden sich gut erhaltene Herrenhäuser
aus dem 19. Jahrhundert, die den kolonialen Charakter des Viertels
unterstreichen.
Schließlich brachen wir zu unserer letzten Etappe des Tages
auf, nach Mercedes. Kurz vor dem Ziel blieben wir stehen, um einen prachtvollen
Sonnenuntergang zu fotografieren. Überboten wurde dieser Stopp dann noch einmal
auf der Brücke des Rio Negro, wo wir den mächtigen Fluss, der in den Rio de la
Plata mündet, vor dem Hintergrund der untergehenden Sonne ablichteten. Herz,
was willst du mehr!
Und dann kamen wir in unserem „Knusperhäuschen“ an. Es
hielt, was es versprochen hatte. Wir wussten nicht, sollten wir lachen oder
weinen. Immerhin hatten wir ein Dach über dem Kopf.
Mittwoch, 18. März, Mercedes, Cabana Estilo
Ich habe in unserem “Knusperhäuschen“ sehr gut geschlafen.
Angelika und Ditmar in ihrem „Deluxe Zimmer mit Queensize-Bett“ haben weniger
gut geschlafen. Aus der Dusche kam tatsächlich heißes Wasser. Nur ein bisschen
beengt fühlte ich mich unter dem Wasserstrahl. Immerhin fühlte ich mich danach
wie neugeboren. Fröschlein überraschte mich auch keines.
Das Frühstück nahmen wir in einem Bioladen mit Cafeteria
namens „Viva la natural“ ein. Das Personal war extrem freundlich, das
Essen hervorragend. Es entsprach dem Werbeslogan, der auf dem Fenster zu lesen
war: „Comida deliciosa preparada con Amor (Köstliches Essen zubereitet mit
Liebe)!“ Der Toilettenbesuch entpuppte sich als Offenbarung: So eine saubere
und reine habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wir sind wahrlich nicht im
Globalen Süden, sondern in einem Land mit hohen Reinheitsstandards.
Mit dem Besuch der Kathedrale begannen wir unser
Besichtigungsprogramm. Die Kathedrale von Mercedes (offiziell Catedral
de Nuestra Señora de las Mercedes) ist eines der bedeutendsten religiösen
und architektonischen Denkmäler Uruguays.
Der neoklassizistische Bau wurde von dem Architekten
Antonio Petrochi entworfen und im Jahr 1867 eingeweiht. Die markanten
Türme der Kathedrale wurden erst später, um das Jahr 1900, fertiggestellt.
Seit 1960 fungiert das Gebäude als Sitz der Diözese von Mercedes. Zum
zweihundertjährigen Bestehen Uruguays wurde das Bauwerk umfassend renoviert. Die
Kathedrale ist besonders für ihre imposante Kuppel bekannt, die
bereits aus der Ferne sichtbar ist und das Stadtbild von Mercedes prägt.
Sie beherbergt wichtige religiöse Abbildungen, darunter
Statuen der Virgen de las Mercedes (Schutzpatronin der Stadt),
des Heiligen Petrus Nolasco und des Heiligen Raimund Nonnatus. Im
Inneren befindet sich zudem eine Kapelle, die der Jungfrau von Luján (Paraguay)
gewidmet ist. Als historisches Juwel zieht sie Besucher durch ihre
Architektur und die melodischen Glockenspiele an, die regelmäßig über der Stadt
zu hören sind.
Der Platz direkt vor der Kathedrale heißt Plaza
Independencia. Das Denkmal im Zentrum dieses Platzes ist ein Denkmal
mit einer Freiheitsstatue (Estatua de la Libertad) auf
einer hohen Säule.
Das Monument zeigt eine weibliche Figur als Symbol für
die Freiheit. Die ursprüngliche Statue wurde 2020 durch einen Blitzschlag
schwer beschädigt und im April 2025 nach einer umfassenden Restaurierung
feierlich wieder eingeweiht.
Es gilt als eines der ältesten Denkmäler des Landes, das
der Freiheit gewidmet ist. Das berühmteste Reiterdenkmal Uruguays, das den
Nationalhelden José Gervasio Artigas darstellt, befindet sich
ebenfalls auf einer Plaza Independencia – allerdings in der
Hauptstadt Montevideo, nicht in Mercedes.
Vom „Hauptplatz“ marschierten wir weiter zu einer weiteren
Sehenswürdigkeit, den „Casas de Matosas“. Leider stellten wir uns beim Suchen
dieser Sehenswürdigkeit nicht allzu geschickt an. Aber mit der freundlichen
Hilfe eines jungen Mannes, der unsere Hilflosigkeit sah, wies uns den richtigen
Weg. Die Casas de Matosas sind ein einzigartiges
architektonisches Erbe Uruguays, das vor allem für seine Verbindung zum
katalanischen Modernismus und den Einfluss von Antoni Gaudí bekannt ist.
Die Häuser wurden von Francisco Matosas i Amat (1886–1968)
entworfen und erbaut. Er war ein katalanischer Einwanderer, der als Steinmetz
ausgebildet war und sich 1917 dauerhaft in Mercedes niederließ. Der Kern
der Gebäude entstand zwischen 1934 und 1936.
Zu seiner Zeit galt Matosas vielen Bewohnern lediglich als
„Bäcker mit seltsamen Ideen“, da er keine formale Architekturausbildung besaß.
Heute gilt sein Werk als bedeutendes kulturelles Erbe Iberoamerikas.
Die Fassaden sind stark vom Modernisme
Català geprägt. Es finden sich deutliche Parallelen zu Gaudís organischen
Formen und Techniken.
Matosas nutzte Ferro-Zement, um die Textur von Naturholz
täuschend echt nachzuahmen. Er interpretierte Gaudís berühmte Mosaiktechnik
neu, indem er farbige Kieselsteine und Glasbruch verwendete. Die Gebäude sind
reich an Symbolen aus der Alchemie, der Freimaurerei und der Religion.
In der Nähe dieser architektonischen Ausnahme-Schöpfungen
sah ich vor einer Bäckerei eine Tafel, auf der „Jesuitas“ angeboten wurden. Ich
ging hinein und wollte sehen, wie sie ausschauen. Sie waren leider ausverkauft.
Wieder erstaunte mich die Sauberkeit des Geschäftes und die Freundlichkeit der
Verkäuferin. Auf dem Gang durch die Straßen der Stadt bewunderten wir viele
Straßenzüge mit den Art-Déco-Bauten.
In Mercedes bezieht sich „Art-Déco“ vor allem auf eine
bedeutende Architekturströmung, die das Stadtbild neben dem Neoklassizismus und
den Werken von Francisco Matosas prägt. Uruguay gilt generell als eines der
Länder mit dem reichsten Art-Déco-Erbe in Südamerika.
Während die Kathedrale neoklassizistisch ist, finden sich
in den Straßenzügen von Mercedes zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser aus den
1930er und 1940er Jahren, die den Art-Déco-Stil verkörpern.
Diese Gebäude sind an ihren geometrischen Formen,
abgestuften Fassaden (Ziggurat-Stil), klaren Linien und oft stilisierten
floralen oder abstrakten Ornamenten zu erkennen.
In Mercedes vermischen sich diese modernen, rationalen
Formen oft mit den eher organischen und fantasievollen Elementen der Casas
de Matosas, was der Stadt eine besondere architektonische Vielfalt
verleiht.
Nun schlugen wir den Weg zur Uferpromenade des Rio Negro
ein. Die Uferpromenade von Mercedes, bekannt als Rambla de Mercedes,
gilt als eine der schönsten und am besten gepflegten Flussuferstraßen in ganz
Uruguay. Sie ist das soziale und touristische Herzstück der Stadt am Río
Negro.
Seit ihrer Anlage im Jahr 1912 ist sie die
Hauptbühne des gesellschaftlichen Lebens. Bewohner jeden Alters treffen sich
hier zum Sport, zum Spazierengehen oder um gemeinsam Mate zu trinken, während
sie den Sonnenuntergang über dem Fluss beobachten. Die etwa 2 Kilometer lange
Promenade ist mit zahlreichen Skulpturen und Denkmälern
geschmückt, die ihr den Charakter eines Museums unter freiem Himmel verleihen.
Die Rambla ist oft Schauplatz für wichtige kulturelle
Ereignisse, wie etwa Teile des berühmten Festivals Jazz a la Calle,
bei dem Musiker aus aller Welt kostenlos auftreten. Entlang des Weges
wächst eine große Vielfalt an einheimischen Bäumen, die Schatten spenden
und die Promenade in eine grüne Oase verwandeln.
Von der Rambla aus hat man einen direkten Blick auf die
Inseln im Río Negro, wie die Isla Barrientos oder die Isla
del Hum, die als Naturreservate für die Vogelbeobachtung dienen.
Die Rambla verbindet wichtige Sehenswürdigkeiten der Stadt.
In ihrer Nähe befinden sich: Das historische Castillo Mauá (etwas
außerhalb, aber über die Uferstraße erreichbar).
Aber bevor wir das Castillo besuchten, nahmen wir noch im
Restaurant „Mona Lisa“ das späte Mittagessen ein, holten das Auto und machten
eine kurze Rundfahrt um die Isla del Puerto (Hafeninsel).
Das Castillo Mauá ist eines der bedeutendsten
historischen Bauwerke von Mercedes. Es verbindet die wirtschaftliche
Pioniergeschichte Uruguays mit bedeutenden paläontologischen
Entdeckungen. Das Anwesen wurde zwischen 1857 und 1862 von dem
brasilianischen Bankier und Unternehmer Irineu Evangelista de Sousa, bekannt
als der Baron von Mauá, errichtet. Ursprünglich diente das Gebäude
als Haupthaus (Casco) einer riesigen Estancia (Landgut). Der Baron war
eine Schlüsselfigur für die industrielle Entwicklung in der Region und
finanzierte unter anderem Infrastrukturprojekte und Banken.
Das Bauwerk ist im neoklassizistischen Stil gehalten. Es
zeichnet sich durch einen quadratischen Grundriss mit einem zentralen Innenhof
aus, der von hohen Mauern und Aussichtstürmen geschützt wird.
Das Castillo Mauá gehört heute der Stadtverwaltung von
Soriano und beherbergt mehrere kulturelle Institutionen: Museo
Paleontológico Alejandro Berro: Dieses Museum gilt als eines der
wichtigsten der Region. Es zeigt eine beeindruckende Sammlung prähistorischer
Fossilien, darunter Skelette von Riesengürteltieren (Glyptodonten) und das
Original des berühmten Antropolito de Mercedes, einer rätselhaften
anthropomorphen Steinfigur aus der Zeit vor der Kolonialisierung.
Das weitläufige Parkgelände rund um das Schloss bietet
Picknickplätze, Grillstationen und Wanderwege direkt am Fluss und einen kleinen
Tierpark.
Anschließend fuhren wir nochmals zur Bäckerei, um Kaffee und Kuchen bzw. „Jesuitas“ zu genießen. Wir mussten uns mit anderen Süßigkeiten begnügen, weil sie noch immer nicht zum Verkauf bereitstanden. Während wir den Kaffee genossen, planten wir die nächsten Ziele und buchten die Hotel-Quartiere. Als wir schon im Auto saßen, kam die Verkäuferin angelaufen und brachte uns sechs „Jesuitas“, die wir morgen zum Frühstück verkosten werden.
Donnerstag, 19. März 2026, Hotel Talice in Trinidad
Heute früh mussten wir von unserem „Knusperhäuschen“
Abschied nehmen. Er war nicht allzu schwer. Immerhin hatten wir ein Quartier in
der bisher wohl schönsten Stadt unserer Reise. Wir hinterlegten das Geld,
brachten alles in Ordnung und fuhren in die Stadt, um zu frühstücken. Wir
suchten das Lokal auf, in dem wir schon gestern sehr zufrieden waren, die
Cafeteria „Viva la natural“. Wir frühstückten königlich (in der Früh wie
ein König…): Lachs mit Gemüse und Salat! Zum Kaffee genossen wir die sechs
„Jesuitas“, die mich ein bisschen an Schaumrollen erinnerten. Danach gab es zur
Krönung noch einen Fruchtsalat mit herrlichen frischen Früchten. Wir
verabschiedeten uns von der Familie, die den Betrieb führt. Dieses Lokal sollte
im Reiseführer beworben werden.
Bevor wir ins Auto stiegen, besuchten wir noch die nahe
gelegene „Casa de la Cultura (Haus der Kultur)“. Die Casa de la Cultura ist
eines der bedeutendsten architektonischen und kulturellen Wahrzeichen der
Stadt. Sie dient heute als zentraler Ort für Kunst, Bildung und
gesellschaftliche Begegnung.
Das Gebäude wurde ursprünglich als Sitz
der Freimaurerloge "Armonía" sowie der Sociedad
Española de Socorros Mutuos errichtet. Aufgrund seiner historischen
und architektonischen Bedeutung wurde das Bauwerk zum Nationalen
Historischen Denkmal (Monumento Histórico Nacional) erklärt. Das
Gebäude besticht durch einen eklektischen Stil mit
ausgeprägten Barock-Elementen.
In den letzten Jahren wurde das Gebäude umfassend saniert,
um Schäden an der Fassade, den Dächern und dem elektrischen System zu beheben
und die Räumlichkeiten für moderne kulturelle Zwecke (wie ein Konservatorium
und Ausstellungsräume) zu optimieren.
Im Mai 2023 wurde das Haus offiziell zum Centro
Cultural Nacional ernannt. Diese Auszeichnung stärkt die regionale
Vernetzung und ermöglicht den Zugang zu nationalen Fördermitteln und
Programmen.
Heute beherbergt die Casa de la Cultura: Das städtische
Konservatorium, einen Theatersaal und ein Kino, Räume
für Workshops, Seminare und Kunstausstellungen, eine Medien- und
Nutzerberatung. Sie ist auch ein kultureller Treffpunkt: Sie trägt den
Namen "José María Martino Rodas" und versteht sich als
offener Raum für die Förderung lokaler Talente und den Austausch über alle
Kunstformen hinweg.
Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Trinidad,
machten aber zuvor einen Abstecher zu den „Grutas del Palacio (Palastgrotten)“.
Die Grutas del Palacio im Departamento Flores sind
eine der bedeutendsten geologischen Formationen Uruguays und das Herzstück des
ersten UNESCO Global Geoparks des Landes.
Die Formation besteht aus einer widerstandsfähigen
Sandsteinschicht, die von etwa 200 natürlichen Säulen getragen wird.
Diese Säulen sind etwa zwei Meter hoch und verleihen der Höhle das Aussehen
eines antiken Palastes oder Tempels.
Im September 2013 wurden die Grutas del Palacio
als erster UNESCO Global Geopark Uruguays anerkannt. Er war damals
erst der zweite Geopark in ganz Südamerika. Seit Mai 2013 ist das Gebiet zudem
als "Monumento Natural" Teil des nationalen Systems
geschützter Gebiete (SNAP).
Die Sedimente lagerten sich bereits in
der Oberkreide (vor ca. 70 Millionen Jahren) ab. Die eigentliche
Verfestigung zu ferrifiziertem Sandstein geschah im frühen Tertiär.
Erste Studien zu den Höhlen wurden 1877 durchgeführt. Zu
Beginn des 20. Jahrhunderts (1909–1938) wurden sie intensiv von dem
Geologen Dr. Karl Walter erforscht. Es wird vermutet, dass indigene
Gruppen die Höhlen als Unterschlupf nutzten. Eine
bekannte Legende besagt, dass die Höhle der Palast eines
Charrúa-Häuptlings namens Zemi und seiner Frau Darien war, die dort wertvolle
Schätze verborgen hielten.
(Dr. Karl
Walther (oft auch Karl Walter geschrieben) war ein
bedeutender deutscher Geologe, der als Pionier der modernen Geologie in Uruguay
gilt. Er leistete die entscheidende wissenschaftliche Pionierarbeit zur
Erforschung der Grutas del Palacio zwischen 1909 und 1938.)
Bevor wir mit
einer Führerin zu den Grotten gingen, sahen wir ein Video mit einer Einführung
zu den geheimnisumwobenen Höhlen. Anhand der Tafeln, die den Weg zu den Grotten
säumten, wurde uns die Entfaltung der Welt bis zur Entstehung der Höhlen
erklärt. Begleitet wurde unser Marsch durch ohrenbetäubendes Vogelgezwitscher.
Das Betreten der Höhlen war den Besuch wert.
Als wir in
unserem Hotel nahe Trinidad ankamen, vermisste ich meinen Rucksack. Ich hatte
ihn bei der Anmeldung bei den „Grutas“ abgestellt und vergessen ihn wieder zu
schultern. Bei der Heimfahrt dachte ich er sei im Kofferraum wie zuvor. Die
Schockphase dauerte nicht allzu lange. Bei einem zweiten Rückruf wurde er als
gefunden gemeldet. Der Hotel-Manager besorgte die „Heimholung“ des Rucksacks.
Gott sei Dank!
Wir setzten uns nach dem Beziehen der Zimmer auf die Terrasse, um einen Kaffee zu trinken. Eine Firma, die offenbar ein Seminar im Hotel durchführte, unterbrach für eine Pause. Ein Lieferwagen-Fahrer brachte eine Riesentorte. Zwei Mitarbeiter der Firma wurden mit großem „Hallo“ in die Pension verabschiedet. Es wurde gesungen, geklatscht und umarmt! Auch wir drei Zaungäste bekamen freundlicherweise ein Stück von der Torte ab.
Freitag, 20.
März, Trinidad
Die vergangene
Nacht hatte ich mir anders vorgestellt. Ich hatte zwei Evangelium-Auslegungen
geplant. Die Mitarbeiter jener Firma hatten ihre Seminar-Arbeit bis heute früh
lautstark fortgesetzt. Sie sangen, kreischten durchs Micro und tanzten. Um
Mitternacht wurde es etwas leiser. Schön für die lebenslustigen Uruguayer. Ich
fands weniger lustig. Was solls! So ist halt das Leben. Ohne Planung geht gar
nichts. Oft genug aber werden die gutgemeinten Pläne durchkreuzt. Dann ist
Impuls-Kontrolle angesagt, was mir gar nicht so leicht fällt.
Nach dem
Frühstück mit mittelmäßigem Kaffee brachen wir auf und fuhren in das Zentrum
der Stadt Trinidad, welche die Hauptstadt des Departamentos Flores ist.
Die Stadt ist bekannt für ihre hohe Lebensqualität. Erstes Ziel war der „Platz
der Konstitution“. Der zentrale Hauptplatz der Stadt ist gesäumt von Bäumen
und historischen Gebäuden wie der Kathedrale. Hier befindet sich auch die
markante Fuente (Brunnen) de Plaza Constitución.
In Uruguay gibt
es zwei bedeutende Kirchen mit dem Namen „Santísima Trinidad“, die beide für
die Geschichte des Landes wichtig sind. Da die Stadt Trinidad nach
der „Heiligsten Dreifaltigkeit“ benannt wurde, ist die dortige Pfarrkirche das
Herzstück der Stadtidentität. Die Kathedrale ist das symbolische Zentrum
der Stadt Trinidad. Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit diesem Gebäude
verbunden. Alles begann mit einer einfachen Kapelle aus Stroh und Lehm, die von
Fray Manuel Úbeda errichtet wurde. Der Bau des aktuellen Gebäudes startete um
1869/1870 unter der Leitung der Architekten Elzeario Boix und Ignacio Terra
Arocena. Erst 1941 wurde die Kirche in ihrer heutigen Form fertiggestellt.
Das Gebäude ist
im romanischen Stil mit einem Mittelschiff und zwei
Seitenschiffen erbaut. Zu den wertvollsten Stücken gehört ein Ölgemälde der
„Heiligsten Dreifaltigkeit“ von José Luis Zorrilla de San Martín aus dem Jahr
1940. Ein historisches Taufbecken wurde 2017 nach fast 100 Jahren in Montevideo
an die Gemeinde zurückgegeben.
Cathedral of The Most Holy Trinity
(Montevideo) Oft wird bei diesem Namen auch die anglikanische
Kathedrale in der Hauptstadt Montevideo genannt, die als „Templo Inglés“ bekannt
ist.
Sie gilt als
Symbol des anglikanischen Erbes in Uruguay und feierte bereits ihr 180-jähriges
Bestehen. Der ursprüngliche Bau entstand im 19. Jahrhundert, um der britischen
Gemeinde einen Ort für Gottesdienste zu bieten. Sie zeichnet sich durch eine im
Vergleich zu den katholischen Kirchen Uruguays markante Architektur aus, die
oft als neoklassizistisch oder typisch britisch beschrieben wird.
Während die
Kirche in Trinidad die Gründungsgeschichte der Stadt und des
Departamentos Flores repräsentiert, steht die Kathedrale in Montevideo für
die religiöse Vielfalt und den britischen Einfluss in der Kolonialzeit.
Nachdem wir im
Zentrum die Gebäude, die den Hauptplatz säumen identifizierten und
besichtigten, soweit dies möglich war, fuhren wir zum „Museo Histórico
Departamental Dr. Fernando Gutiérrez". Es ist das wichtigste
historische Museum des Departamentos Flores in Uruguay. Es dient als Gedächtnis
der Region und bewahrt sowohl die Naturgeschichte als auch die kulturelle
Entwicklung der Umgebung auf.
Das Museum ist
in einem architektonisch einzigartigen Gebäude untergebracht, das selbst ein
historisches Zeugnis ist: Es befindet sich in der ehemaligen
Eisenbahnstation von Trinidad (Antigua Estación de AFE). Das Gebäude
wurde 1916 errichtet und zeichnet sich durch einen besonderen Stil aus, der in
dieser Form in Uruguay einmalig ist. Aufgrund seiner Bedeutung ist das
Gebäude als Monumento Histórico Nacional geschützt.
Das Museum
deckt eine breite Palette an Themen ab, wobei viele Exponate Leihgaben oder
Schenkungen aus der lokalen Bevölkerung sind: Neben einer
bedeutenden Sammlung von Fossilien der regionalen Megafauna, zeigt es prähistorische
Fundstücke, die Einblicke in die frühen Bewohner der Region geben. Es gibt Dokumente,
Biografien, Fotografien und Alltagsgegenstände, die die Geschichte der
Stadtgründung und der Entwicklung des Departamentos Flores erzählen.
Nach dem
Museumsbesuch fuhren wir zum Laberinto Ancestral, weil wir die
Natur keineswegs vernachlässigen wollten. Angepriesen wurde ein
beeindruckendes, 60.000 m² großes Labyrinth mit über 5 km
Wanderwegen, das auf spiritueller und transformativer Symbolik basiert. Es
stellte sich heraus, dass das Labyrinth/Irrweg ein riesiges Maisfeld war, das
freilich verdorrt war und überhaupt nicht einladend wirkte. Wir öffneten die
Tür zum Labyrinth, ließen uns aber auf den Irrweg nicht ein.
Wir setzten uns nach kurzer Beratung wieder ins Auto und fuhren nochmals Richtung Zentrum der Stadt, die als Wiege der Freundschaft bezeichnet wird und weiter zu unserem nächsten Ziel, dem Hotel Boutique in Paso de los Toros.
Samstag, 21. März, Paso de los Toros
Für heute hatte
die Wettervorhersage Schlechtwetter angesagt. Da uns auch eine gewisse
Müdigkeit erfasst hatte entschieden wir uns einen Ruhetag zum Chillen
einzulegen. Wir frühstückten ausgiebig in dem sehr originellen Hotel, das eine
ehemalige Fabrik war. Die Neugestaltung wurde dem Konstruktivismus nachgeahmt.
Alles ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Es ist eine Freude hier zu sein.
Irgendwann gegen 11:00 Uhr ging ein heftiger Regenguss nieder.
Nach 15:00 Uhr
trafen wir uns zum Mittagessen. Viele Lokale sind um diese Zeit geschlossen.
Dennoch fanden wir eine interessante Cafeteria oder was es sonst ist, denn es
war eine kleine Boutique angeschlossen. Die Brötchen und die Getränke waren
jedenfalls ausgezeichnet.
Wir brauchten
noch relativ viel Zeit, um die nächsten Hotels ausfindig zu machen und um sie
zu buchen.
Sonntag, 22. März, San Gregorio
Wie gewohnt gab es um 8:30 Uhr Frühstück. Angelika und
Ditmar kamen etwas später, dafür hatten sie die Koffer bereits gepackt. Ich
hatte das noch vor mir. Daher verließ ich sie etwas früher. Das Frühstück war
wieder hervorragend, bis auf den Kaffee. Selbst ich verzichtete drauf. Und das
will was heißen.
Noch ein kurzes Gespräch mit den beiden netten Mädchen, die
zwar keine Schwestern, sondern Fußballspielerinnen waren. Auf die Frage, wer
Fußballweltmeister wird, kam die Antwort wie aus der Pistole: Uruguay. Ich
hielt dagegen: Österreich. Ihr Papa erklärte den Mädels, dass Österreich auch
eine gute Mannschaft habe und wünscht uns viel Glück gegen Argentinien. Wir
trafen einander zum letzten Mal beim Wahrzeichen der Stadt, dem riesigen
(black/schwarzen) Bullen, den wir natürlich fotografieren mussten.
Danach machten wir uns auf den Weg nach San Gregorio. Die
Straßen dorthin waren in bestem Zustand. Wir sahen zahlreiche Eukalyptuswälder
sowie riesige Weideflächen, soweit das Auge reicht und natürlich jede Menge
Steaks (Rinder). Es waren heute am Sonntag wenig Autos unterwegs und nur zwei
Radfahrer. Allerdings sahen wir auch einen leibhaftigen „Gaucho“ hoch zu Ross.
Nach ca. eineinhalb Stunden kamen wir in San Gregorio
an. Zunächst bezogen Angelika und Ditmar das Hotel Bali und ich das Hotel Buena
Vista, das sich direkt am Sandstrand des Rio Negro befindet.
San Gregorio de Polanco, im Herzen Uruguays am Nordufer des
künstlichen Stausees Rincón del Bonete gelegen, ist vor allem
als das erste Open-Air-Museum für bildende
Künste Lateinamerikas bekannt. Die Stadt im Departamento Tacuarembó
zeichnet sich durch eine einzigartige Verbindung von Kunst, Strandatmosphäre
und ländlicher Ruhe aus.
Wir gönnten uns keine Zeit zum Faulenzen, sondern machten
uns auf den Weg, um eine Wanderung auf der Peninsula zu unternehmen. Die Stadt
liegt auf einer Halbinsel (Goldene Halbinsel/Península Dorada) und ist
für ihre weitläufigen, feinen Sandstrände am Seeufer bekannt. Das
saubere, ruhige Wasser des Stausees macht sie zu einem beliebten Ziel für
Badeurlauber und Fischer. Die heutige Charakteristik der Region entstand
maßgeblich durch den Bau des Damms im Jahr 1945, der die ursprüngliche
Flusslandschaft in einen riesigen See verwandelte und so erst die heutigen
Strände schuf. Trotz seiner kulturellen Bedeutung hat sich der Ort den Charme
eines ruhigen "Pampastädtchens" bewahrt, das besonders bei
Einheimischen für den Sommerurlaub geschätzt wird.
Ein Eukalyptus- und Pinienwald spendeten Schatten. Trotzdem
war die Hitze drückend. Aber es herrschte große Stille und Frieden. Nur ganz
wenige Menschen besiedelten den Sandstrand. Erst am Nachmittag kamen mehr Leute
in den Park, um die Sonntagsruhe zu genießen. Auch Flamingos konnten wir von
Ferne ausmachen.
Spätestens um 14:30 Uhr verspürten wir Hunger. Als wir ein
schönes Restaurant betraten, wurde uns mitgeteilt, dass die Küche die Arbeit
bereits niedergelegt und wir am Abend wieder kommen könnten. Schlussendlich
kauften wir in einem Supermarkt ein und verzehrten das kärgliche Sonntagsmenü
im Garten des Hotels Buena Vista. „Hunger ist der beste Koch“. Wir ließen
nichts über.
Kaffee und Frappuccino nahmen wir in einem Eisgeschäft.
Anschließend suchten wir einige Haus-Wandmalereien auf, wofür die Stadt bekannt
ist. Fast die gesamte Stadt fungiert als Galerie. Über 150 Wandgemälde
(Murals) und zahlreiche Skulpturen von nationalen und internationalen
Künstlern schmücken Häuserfassaden, Mauern und öffentliche Plätze. Einige
dieser Werke sind sogar dreidimensional gestaltet.
Nun gingen wir nicht mehr zu Fuß, sondern wie das „echte“
Touristen tun, fuhren wir von Haus zu Haus und knipsten.
Den Abschluss bildeten die Fotos vom Sonnenuntergang am
Horizont des Rio Negro.
Montag, 23. März 2026, Hotel La Morada in „Treinta y tres“
Für heute war Regen angesagt. Wir planten von San Gregorio
nach „Treinta y tres“ zu fahren. Eine relativ weite Strecke stand uns bevor.
Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass sich manche Straßenabschnitte in schlechtem
Zustand befinden. Nach dem Frühstück im Hotel Bali planten wir bei strömenden
Regen die Tage an der Atlantik-Küste. Kurz nach 12:00 Uhr fuhren wir los.
Zunächst noch bei strömendem Regen. Der wurde im Laufe der Zeit weniger, hörte
aber nie ganz auf.
Wir passierten viele Eukalyptus-Wälder und bestaunten die
zahlreichen Rinderherden. Die Zubringer-Straßen waren tatsächlich etappenweise
in schlechtem Zustand und mühsam zu befahren, nicht zuletzt aufgrund des
heftigen Regens.
In „Sarandi del Y“ nahmen wir das Mittagessen ein. Es war
nicht leicht zu der Un-Zeit, in der wir in den Ort kamen, eine Pizza zu
bekommen. Aber unser Hunger war groß genug beim Suchen nicht aufzugeben.
Als wir dann
weiterfuhren, besichtigten wir einen Friedhof. Ich habe nun schon einige in
Süd-Amerika gesehen, so einen aber noch nie! Die meisten, die ich sah, waren
schlicht und für meinen Geschmack nicht sehr schön. Aber hier hatte ich den
Eindruck, dass sich Familien kleine Zweithäuser auf dem Friedhof eingerichtet
haben. Daneben waren in die Friedhofsmauer eingelassene Grabsteine. Gleich beim
Eintritt in den Friedhof strahlt einem die Urnenmauer entgegen. Mich hat der
Anblick des Friedhofs eher deprimiert.
Wir waren froh, als wir nach der mühsamen Fahrt in Trenta y
Tres ankamen. Ich bezog mein „Hotelzimmer“ in einer Art Container-Block.
Angelika und Ditmar fuhren weiter ins Hotel Central. Ich bin mit meiner
Unterkunft sehr zufrieden. Sie ist neu, sehr sauber und sehr funktional.
Dienstag, 24. März 2026, Hotel La Morada in „Treinta y Tres“
Nach einem ungewöhnlich langen Schlaf mussten wir ungewohnt
früh zum Frühstück ins Hotel Central. Wie ein Kaiser zu frühstücken war heute
(und so wird es auch morgen sein) nicht möglich: kein Schinken, kein Käse, kein
Müsli; allerdings Obst, Toast und Marmelade und verschiedene Kuchenarten.
Schluss war um 9:00 Uhr. Auch das ist eher ungewöhnlich. Wir sind ja
situationsflexibel und passten uns an.
Quebrada stand heute am Programm. Die Quebrada de
los Cuervos (Schlucht der Krähen bzw. Rabengeier) ist das erste
geschützte Landschaftsgebiet Uruguays und gilt als eines der wichtigsten
ökotouristischen Ziele des Landes. Sie liegt im Departement Treinta y
Tres und ist Teil des Nationalen Systems der Schutzgebiete.
Es handelt sich um ein tiefes Tal, das vom Bach Yerbal
Chico durchquert wird und von bis zu 100 Meter hohen Steilhängen umgeben
ist. Das Gebiet beherbergt eine einzigartige Mischung aus Mikroklimata, die
eine dichte Vegetation und seltene Tierarten begünstigen. Man findet dort über
130 Vogelarten (darunter die namensgebenden Rabengeier), 29 Säugetierarten
sowie zahlreiche Reptilien und Amphibien.
Der Hauptanziehungspunkt ist ein etwa 3 km langer
Wanderweg mit mittlerem bis hohem Schwierigkeitsgrad, der durch steile
Abstiege, Waldgebiete und Wasserläufe führt.
Alles das hätten wir gesehen, wenn die Anlage nicht
geschlossen gewesen wäre. Der Wächter wollte uns keinesfalls hineinlassen, weil
er befürchtete, dadurch seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Wirklich sehr Schade!
Aber deswegen heimfahren? Wir beschlossen, ein Stück
weiterzufahren bis zur Posada „El Capricho“ (Gästehaus „Die Laune“ o. Die
Grille o. der Einfall) und von dort aus eine ausgiebige Wanderung zu machen.
Bei der Posada handelt es sich um ein familiengeführtes Gästehaus (Posada)
direkt am Eingang zum Naturschutzgebiet. Es war vorerst nur von Hunden, Schafen
und einem Pferd bevölkert. Das ergab schlechte Aussichten für ein gutes,
lokales Mittagessen.
Von der Wanderung durch das Naturschutzgebiet ließen wir
uns freilich nicht abhalten. Wir schauten hinüber zum Eingang der Quebrada de
los cuervos und sahen viele Vögel wie z. B. den Schopf-Karakara und den
Truthan-Geier. Dieser gibt der Schlucht den Namen (Krähen gibt es keine in
Uruguay). Wir begegneten außerdem noch Schafen und Pferden, die recht
zutraulich waren.
Als wir zum Auto zurückgingen, ruhten wir uns ein wenig auf
der Terrasse des Gästehauses aus. Bald kam der Inhaber des Hauses. Nach kurzer
Zeit servierte er uns Amazonas-Guaven, zeigte uns den Wein, den er aus den
Kernen der Trauben produziert und führte uns schließlich durch seinen
ökologischen Garten. Ein Garten der Weintrauben, Äpfel und verschiedenste
Zitrusfrüchte beschert (Orangen, Pampelmusen, Zitronen, Limetten, sowie eine
Frucht die wie eine Kreuzung von Orangen und Zitronen schmeckt und offenbar Lima/Süß-Zitrone
oder Süße Limette genannt wird). Alles gedeiht im Wildwuchs. Auch die Früchte
des großen Kaktus sind genießbar.
Schließlich zeigte er uns noch eines von seinen
Gästehäusern und anschließend verabschieden wir uns. Es war jedenfalls eine
schöne und aufschlussreiche Begegnung mit einem weiteren sehr freundlichen
Uruguayer.
Als wir um ca. 6:00 Uhr abends in Treinta y Tres ankamen,
suchten wir vergeblich nach einem Restaurant, das geöffnet hatte. Wir begnügten
uns schließlich mit Lebensmittel aus einem Kreisler-Laden und einer Bäckerei.
Mittwoch, 25. März 2026, Arenas del Mar in Punta del Diablo
Nach dem Frühstück im Hotel Central brachen wir nach Punta
del Diablo am Atlantik auf. Ich hatte zuvor in meinem Hotel „La Morada“ die
geforderte Bezahlung hinterlegt und den Schlüssel in der Box mit einem Code
versperrt.
Das Wetter war wieder sehr schön, am Morgen war es
allerdings ziemlich frisch gewesen. Laut Planung sollte unsere Fahrt
zweieinhalb Stunden dauern. Wir brauchten mehr als drei, weil eine Strecke, die
als eine mit Bauabschnitten deklariert wurde, durchgängig eine Baustelle war.
Das heißt, dass sie auch nicht asphaltiert war. Die Fahrt war dennoch nicht so
schlimm wie am Montag. Da wir keine Eile hatten, störte es uns nicht, sondern
wir genossen das weite Land, die Rindsviecher und die Gauchos.
Als wir in der Nähe unserer Unterkunft bei einem Restaurant
ankamen, waren wir bereits begeistert von den Domizilen unterschiedlichster Art
von Aussteigern, Bewohnern und Urlaubern. In dem Strandrestaurant, in dem wir
abstiegen, genossen wir ein Tomahawk-Steak und einen veganen Burger. Endlich
ein echtes Mittagessen nach zweimaligem kaltem Buffet.
Dann, auf zur Unterkunft! Die Überraschung war perfekt.
Viel schöner könnten wir es nicht getroffen haben, noch dazu, zu diesem
günstigen Preis. Es handelt sich um ein einstöckiges Ferienhaus mit zwei
Schlafzimmern, zwei Badezimmern, Küche und Wohnzimmer mit Meerblick. Herz, was
willst du mehr?
Donnerstag, 26. März 2026, Arenas del Mar in Punta del Diablo
Heute war wirklich ein Ruhetag. Um ca. 10:00 Uhr gingen wir
zum Frühstück mit argentinischer Bedienung und holten aus einem Bankomat Geld
für die Bezahlung der nächsten Quartiere.
Am Nachmittag waren wir zum Mittagessen in einem Restaurant
mit Meerblick mit brasilianisch-/peruanischer Bedienung.
Punta del Diablo
ist wild, rustikal und wirkt fast wie aus der Zeit gefallen. Das
macht den Charakter des Ortes aus: Die Architektur besteht aus bunten, oft
selbst gezimmerten Holzhäusern (Ranchos) mit Strohdächern. Es gibt kaum
asphaltierte Straßen; man läuft barfuß oder in Flip-Flops durch den Sand.
An der Playa de los Pescadores werden die Boote direkt auf den Sand am Hauptstrand gezogen. Das Bild der bunten Kähne vor den Felsen ist das Markenzeichen des Ortes. Der Ort ist einer der besten Surf-Spots Uruguays. Die Atmosphäre ist entspannt, jung und sportlich, besonders an der Playa del Rivero.
Angelika und Ditmar fuhren noch die Festung Santa Teresa
und den Lago Negro (oder auch Laguna Negra) besichtigen. In der Nähe
von Punta del Diablo im Department Rocha gibt es eine weitaus wildere
und naturbelassenere Umgebung als in Punta del Este. Die Region ist
geprägt von weitläufigen Nationalparks, Wanderdünen und einer beeindruckenden
Artenvielfalt. Der Parque Nacional Santa Teresa (ca. 5 km nördlich):
Dieses riesige Areal (3.000 Hektar) ist eines der wichtigsten Naturziele
Uruguays. Es bietet über zwei Millionen Bäume,
einen Sombráculo (Schattenhaus für tropische Pflanzen), ein Treibhaus
und einen Rosengarten mit über 300 Sorten. In der "Pajarera" können
Sie Vögel, Capybaras (Carpinchos) und Rotwild beobachten. Die imposante Fortaleza
de Santa Teresa aus dem 18. Jahrhundert thront mitten im Park.
Die Laguna Negra (ca. 10 km entfernt) ist ein riesiger
Süßwassersee mit dunklem, torfhaltigem Wasser. Hier kann man Kajak fahren,
Vögel beobachten oder den Sonnenuntergang genießen. In der Nähe liegt die
biologische Station Potrerillo de Santa Teresa, die ideal für geführte
Naturwanderungen ist.
Den Nationalpark haben sie besichtigt und sehr schöne Fotos
mitgebracht. Für die Laguna Negra war es schon zu spät geworden. Anschließend
passierte das Malheur mit der auf der Karte eingezeichneten Tankstelle, die es
nicht gab. Der Tank war leer, als sie die nächste Zapfsäule erreichten. Ende
gut, alles gut.
Freitag, 27. März 2026, Hotel SEAVIEW in Punta del Este
Heute früh mussten wir wieder von Punta del Diablo Abschied
nehmen. Mit der Unterkunft waren wir sehr zufrieden und hinterließen das Haus,
wie wir es vorgefunden hatten, beluden das Auto und machten uns auf den Weg zum
Frühstück. Ab 9:00 Uhr wird geöffnet, sagte uns gestern die junge
Argentinierin. Aber um 9:00 Uhr kam sie erst mit dem Rad angefahren.
Wir hofften in einem Gästehaus in der Nähe ein ebenso gutes
Frühstück zu bekommen wie gestern bei ihr. Aber das war leider nicht der Fall.
Jedenfalls kehrten wir reumütig nochmals bei ihr ein und tranken einen guten
Kaffee von der Maschine.
Anschließend machten wir noch von Fotos von der kuriosen
Mischung der architektonischen Vielfalt der Ferien-Unterkünfte. Da gibt es
alles durcheinander: klein, groß, alt, neu, teuer und billig, kitschig, elegant
und erhaben …
Wir fuhren nun nach Aguas Dulces, einem ruhigen
Badeort, nicht monden und mit Aussteigern.
Der Ort ist – ähnlich wie Punta del Diablo – für
seinen extrem rustikalen und authentischen Charakter bekannt. Das ist dort
besonders sehenswert:
Wie in der gesamten Region Rocha sind die Algenkrapfen (Buñuelos
de Algas) hier Kult. Es gibt kleine Stände im Ort, die diese fangfrisch und
heiß verkaufen – ein Muss für jeden Besucher.
Aguas Dulces hat keine befestigten Straßen im
Ortskern und ist sehr einfach gehalten. Es gibt kaum Luxus, dafür aber viel
Ruhe, Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung und eine sehr entspannte
Gemeinschaft von Einheimischen und Aussteigern.
Wir fuhren durch den Ort, grüßten und erwiderten die Grüße
der freundlichen Uruguayer. Für die Algenkrapfen fehlte uns einfach der Hunger.
Aber wir merkten den Unterschied zu Punta del Diablo.
Unseren nächsten Zwischenstopp planten wir in Cabo
Polonio. Es ist vermutlich der magischste und eigenwilligste
Ort in ganz Uruguay. Er fühlt sich an wie eine Zeitreise in eine Welt ohne
modernen Stress.
Die meisten der kleinen, bunten Häuser (Ranchos) haben
weder Stromanschluss noch fließendes Wasser. Gekocht wird mit Gas, Licht gibt
es durch Kerzen oder Solarpaneele. Das sorgt für eine unvergleichliche Ruhe und
einen Sternenhimmel, der zu den klarsten Südamerikas gehört.
Man kann nicht einfach mit dem eigenen Auto hinfahren. Man
lässt seinen Wagen an einem Terminal an der Route 10 stehen und fährt die
letzten 7 Kilometer durch riesige Wanderdünen und dichten Wald mit
speziellen, offenen Geländelastern. Schon die Fahrt ist ein Abenteuer.
Direkt an den Felsen unterhalb des markanten Leuchtturms
lebt eine der weltweit größten Kolonien von Seelöwen und Pelzrobben. Man
kann sie aus nächster Nähe beobachten (und riechen!), während sie in der Sonne
liegen oder im Atlantik spielen.
Der Ort ist von massiven Wanderdünen umgeben, die
zum Nationalpark erklärt wurden. Diese Dünen verändern ständig ihre
Form und begraben manchmal sogar Teile der Vegetation oder Wege unter sich.
Er ist das einzige Gebäude mit festem Stromanschluss und
das weithin sichtbare Wahrzeichen. Man kann ihn besteigen und hat von oben
einen spektakulären 360-Grad-Blick über das Dorf und die Dünen.
Cabo Polonio ist ein Ort für Leute, die Luxus gegen
Natur tauschen wollen. Es gibt keine befestigten Straßen, keine
Bankautomaten und keine Supermärkte – nur Sand, Meer, Wind und eine tiefe,
entspannte Freiheit.
Eigentlich hatten wir nur einen kurzen Aufenthalt in Cabo
Polonio geplant. Aber da gerade ein Lastwagen zu dem berüchtigten Ort
abfahrbereit „auf uns wartete“, ergriffen wir die Gelegenheit, kauften eine
Karte und fuhren mit. Wir bereuten es nicht.
Allein schon der Ritt durch den Wald und die Dünen mit dem
Track und das Geschrei der jungen Frauen waren ein Erlebnis. Wir stiegen ab und
eine Park-Wächterin wies uns den Weg zum Leuchtturm und den Seelöwen.
Auch hier ein Bild ähnlich wie in Punta del Diabolo. Die
Leichtigkeit des Seins begegnet einem auf Schritt und Tritt. Wir ließen uns
nicht allzu sehr beeindrucken und suchten unseren Weg zum Turm und den für uns
eher seltenen Tieren. Natürlich schenkten wir einigen Kuriositäten unterwegs
unsere Foto-Aufmerksamkeit.
Der Leuchtturm wacht majestätisch und mächtig über den Ort
der Muße und Müßiggänger. Ob er den Schiffen auch heute noch als Wegweiser
dient, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass wir hofften, dass einige Seelöwen
sich blicken lassen.
Zuerst sahen wir nur zwei. Aber dann ließen sich doch
mehrere von ihnen blicken. Offenbar erschienen sie auf der Bildfläche, nachdem
sie ihr Mittagsschläfchen beendet hatten. Wir waren dankbar, dass sich unsere
Vorfreude erfüllt hatte. Auf dem Weg zurück zur Track-Station begegneten wir
einigen frohgemuten und hoffnungsvollen Neuankömmlingen in der Kolonie.
Da noch Zeit war bis zur Rückfahrt gab es etwas zur
Stärkung und etwas zu trinken gegen den Flüssigkeitsverlust. Die Fahrt zurück
auf dem Dach des wüstenerprobten Fahrzeugs haben wir gut überstanden, weil der
Fahrer behutsam sein Fahrzeug durch Dünen und Gräben steuerte. Wir waren
schließlich sehr froh, dem spontanen Impuls von Ditmar gefolgt zu sein.
Es war spät geworden, sodass wir uns sputen mussten, nach
Punta del Este zu kommen. Eine Strecke mussten wir auf einer nicht
asphaltierten Straße fahren und kamen gegen 18:00 Uhr im Hotel an. Mittlerweile
haben wir auch vernommen, dass Österreich 5:1 gegen Ghana gewonnen und Uruguay
gegen England 0:1 verloren hat.
Beeindruckend wir die Einfahrt in den noblen Badeort Punta del Este: auf
der Rambla 10 km ein exquisiter Wohnturm nach dem anderen. Was für ein Kontrast
zu Punta del Diablo.
Samstag, 28. März 2026, Hotel SEAVIEW in Punta del Este
Punta del Este ist
das krasse Gegenteil zum rustikalen Cabo Polonio oder Punta del Diablo. Es
gilt als das „Saint-Tropez Südamerikas“ und ist der exklusivste
Badeort des Kontinents.
Im Sommer (Januar/Februar) treffen sich hier Promis, Models
und Millionäre aus aller Welt. Die Stadt ist geprägt von Luxusvillen,
Hochhaus-Appartements mit Meerblick und exklusiven Yachtclubs.
Punta liegt auf einer schmalen Landzunge, die den Rio de la
Plata vom offenen Atlantik trennt. Das führt zum berühmten Kontrast der zwei
Strände: Playa Mansa: Ruhiges Wasser auf der Flussseite, perfekt zum
Schwimmen und für Familien. Playa Brava: Wilder Atlantik mit hohen
Wellen, ideal für Surfer.
Die Hauptstraße und die Calle 20 sind bekannt für
Designer-Boutiquen und Luxusmarken (Einkaufsmeile „Gorlero“). Punta del Este
ist modern, teuer, chic und perfekt für alle, die Infrastruktur, Komfort
und Sehen-und-Gesehen-Werden suchen. Wir sind uns einig: Hier möchten wir
nicht leben.
Wir hatten beschlossen nach dem Frühstück zum
Sabbat-Gottesdienst der Adventgemeinde in Maldonado zu fahren. Wir wurden
herzlich aufgenommen und wir erlebten einen erbaulichen Gottesdienst.
Zur großen Überraschung trafen wir bzw. Ditmar und Angelika
Bekannte aus dem Ländle. Hätte man das Treffen vereinbart, wäre es vermutlich
nicht so planmäßig und unkompliziert abgelaufen. Natürlich gab es danach einen
langen „Tratsch“. Man trifft sich ja nicht alle Tage.
Wir fuhren für eine kurze Ruhepause nach Hause, um dann
nach einem „Stadtbummel“ das Mittagessen einzunehmen. Wir wanderten zu einem
der Wahrzeichen der Stadt, zur „Hand“, eine Skulptur aus fünf Fingern, die an
der Playa Brava aus dem Sand ragen.
„La Mano“/Die Hand, auch bekannt als Los Dedos
(Die Finger) oder Monumento al Ahogado (Denkmal für den Ertrunkenen),
ist eine weltberühmte Skulptur am Strand von Punta del Este. Sie gilt
als das Wahrzeichen der Stadt und ist eines der meistfotografierten Motive des
Landes.
Die Skulptur trägt mehrere Bedeutungsebenen, die sowohl
künstlerisch als auch mahnend sind: Die aus dem Sand ragenden Fingerspitzen
symbolisieren die Hand eines Ertrinkenden. Sie dient als ausdrückliche Warnung
vor den starken und gefährlichen Strömungen am Playa Brava („Wilder
Strand“). Das Werk stellt auch die Verbindung und den gleichzeitigen Kampf
zwischen Menschen und Natur dar.
Die Skulptur wurde 1982 während des „Ersten
Internationalen Treffens für moderne Skulptur im Freien“ geschaffen. Urheber
ist der chilenische Bildhauer Mario Irarrázabal. Er fertigte die Hand in
nur sechs Tagen aus Beton und Stahl an. Der Künstler hat ähnliche Skulpturen an
anderen Orten der Welt geschaffen, darunter in der Atacama-Wüste (Chile), in
Madrid (Spanien) und in Venedig (Italien).
Da wegen des schlechten Wetters weniger Touristen
gegenwärtig waren war es möglich bequem einige Fotos zu schießen. Wir stellten
uns vor, wie das Ganze bei wunderbarem Sonnenlicht wirken würde.
Wir marschierten weiter und fanden ein passables
Restaurant. Den Kaffee nahmen wir auf dem Weg zum „Punta del Este“, dem
östlichsten Punkt von Uruguay. Das Kaffeehaus könnte in Wien stehen. Auch die
Mehlspeisen können mit den aus Wien konkurrieren. Wir genossen den guten
Kaffee, den wir leider beim Frühstück vermissen.
Der Leuchtturm von Punta del Este (Faro de Punta del
Este) ist weit mehr als nur ein Orientierungspunkt für Seefahrer; er ist
das älteste Gebäude der Stadt und ein Symbol für deren historische
Beständigkeit inmitten des modernen Glamours.
Er wurde am 1. März 1860 unter der Leitung des
Ingenieurs Tomás Libarona in Betrieb genommen. Für den Bau wurde eine spezielle
Mischung aus Vulkansand aus Rom verwendet, die härter als
herkömmlicher Zement ist. Dies ermöglichte es dem Turm, über 160 Jahre lang den
extremen Meeresbedingungen standzuhalten.
Der Leuchtturm gilt als das Herzstück des historischen
Viertels. Während sich Punta del Este von einer kargen Halbinsel zu einem der
luxuriösesten Badeorte Südamerikas entwickelte, blieb der Leuchtturm nahezu
unverändert.
Der Turm ist etwa 45 Meter hoch. Sein Lichtsignal hat
eine Reichweite von mehr als 40 Kilometern (ca. 22 Seemeilen) und
leitet Schiffe sicher durch das Zusammentreffen von Río de la Plata und
Atlantik. Die hochwertigen Kristallprismen für das Beleuchtungssystem wurden
ursprünglich aus Frankreich importiert. Heute ist er
als Nationales Historisches Monument (Monumento Histórico Nacional)
klassifiziert.
Der Leuchtturm befindet sich im „alten“ Teil der Halbinsel,
direkt gegenüber der Kirche Iglesia de la Candelaria.
Im Gegensatz zum geschäftigen Hafen oder den modernen
Hochhäusern bietet das Viertel um den Leuchtturm eine ruhige, fast dörfliche
Atmosphäre mit kopfsteingepflasterten Straßen.
Der östlichste Punkt des Landes ist mit Mosaiken gestaltet,
über denen die Nationalflagge Uruguays weht. Der Platz ist schön, war aber sehr
windig. Da gab es einiges zu fotografieren. Für meine Verhältnisse kamen wir
relativ spät und ziemlich müde nach Hause. Es war ein schöner Tag, trotz des
schlechten Wetters.
Sonntag, 29. März 2026, Hotel SEAVIEW in Punta del Este
Heute hat der Regen kaum Pausen eingelegt. Ich nützte den
Ruhetag zur Vorbereitung auf den Besuch in Buenos Aires und um einige
Schreibangelegenheiten zu erledigen. Am Nachmittag ging ich ins Kaffee nebenan,
um einen Kaffee zu trinken und mir den Nachmittag mit einer Mehlspeise zu
versüßen.
Angelika und Ditmar waren für die Kinder und Enkelkinder
einkaufen, suchten das gestrige Kaffeehaus nach einem Mittagessen wieder auf
und besuchten einen Skulptuenpark in der Nähe von Punta del Este.
Montag, 30. März 2026, Hotel NH Montevideo Columbia
So schließt sich der Kreis. Hier hat unsere dreiwöchige
Reise begonnen und hier endet sie morgen auch.
Heute Morgen sind wir nach dem Frühstück aus Punta del
Este, nach ausgiebigem Frühstück und bei schlechtem Wetter, aufgebrochen. An
einem Aussichtspunkt hatten wir angehalten, um einen Blick zurück auf die
Touristen-Stadt zu machen.
Die Casapueblo (oft als „Casa Pueblo“
bezeichnet) war unser erstes Ziel heute. Es ist eines der ikonischsten Bauwerke
Uruguays. Es handelt sich um eine riesige, strahlend weiße „bewohnbare
Skulptur“, die der berühmte uruguayische Künstler Carlos Páez
Vilaró über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren eigenhändig erbaut
hat. Das Gebäude liegt etwa 15 Kilometer westlich von Punta del Este am Río de la
Plata.
Vilaró errichtete das Gebäude ab 1958 ohne formelle
Blaupausen oder rechte Winkel. Inspiriert wurde er von den Nestern
des Hornero-Vogels (Töpfervogel) und traditionellen Backöfen.
Es diente Vilaró zeitlebens als Wohnhaus, Atelier und
Galerie. Er bezeichnete es als sein „Atelier am Meer“. Heute beherbergt der
Komplex das Museo Taller de Casapueblo (Museum und Werkstatt), eine
Kunstgalerie, ein Hotel sowie ein Café und Restaurant. Für Uruguay ist die
Casapueblo ein nationales Kultursymbol und eine der wichtigsten touristischen
Attraktionen des Landes.
Im Shop des Casapueblo fand ich ein interessantes Buch, in
dem Vilaro seinen längeren Aufenthalt bei Albert Schweitzer in Lambarene
beschreibt. Das hat mein Interesse geweckt. Da waren dann noch die zwei
„Hähne“, die sehr an Picassos „Hahn“ erinnerten.
Carlos Páez Vilaró
(1923–2014) gilt als einer der bedeutendsten und vielseitigsten Künstler
Südamerikas. In der Kunstgeschichte wird er oft als „Picasso
Südamerikas“ bezeichnet. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner
Rolle als Brückenbauer zwischen Kulturen und seiner Weigerung, sich auf
eine einzige Disziplin festlegen zu lassen.
Vilaró war maßgeblich daran beteiligt, die Kultur der
afro-uruguayischen Minderheit – insbesondere den Candombe-Rhythmus
und die Traditionen der Comparsas (Karnevalsgruppen) – in der
bildenden Kunst sichtbar zu machen. In einer Zeit (1940er/50er Jahre), in der
diese Ausdrucksformen gesellschaftlich kaum anerkannt waren, machten seine
farbenfrohen Darstellungen von Tänzen und Trommelritualen diese Kultur für ein
breites Publikum zugänglich.
Vilaró sah sich selbst als „Weltenbummler“ und praktizierte
einen Stil, den er „Pintar en Tránsito“ (Malen im Transit) nannte. Er
hinterließ ein gewaltiges Erbe an Wandbildern (Murals) weltweit: Er schuf
über 90 Wandbilder in Städten wie Washington D.C., Buenos Aires, Panama-Stadt
und in verschiedenen Ländern Afrikas und Polynesiens. Seine Murals sollten
Kunst aus den Galerien direkt auf die Straße zu den Menschen bringen.
Im Jahr 1958 gründete er zusammen mit anderen Künstlern die Grupo de los 8, um experimentelle und
moderne Tendenzen in der uruguayischen Malerei zu fördern. Diese Gruppe trug
entscheidend dazu bei, die uruguayische Kunst auf ein internationales Niveau zu
heben und sie mit Bewegungen wie dem Abstrakten Expressionismus zu verknüpfen.
Seine kunsthistorische Einordnung wird durch seine engen
Beziehungen zu europäischen Meistern unterstrichen. Er traf und arbeitete mit
Größen wie Pablo Picasso, Salvador
Dalí, Jean Cocteau und Brigitte Bardot zusammen. Picasso
selbst war von Vilarós Keramiken so beeindruckt, dass er ihm einige seiner
eigenen Werke schenkte.
Mit der Casapueblo schuf
er ein Werk, das die Grenzen zwischen Architektur, Bildhauerei und Malerei
auflöst. Es gilt als eines der radikalsten Beispiele für organische Architektur
ohne rechten Winkel, inspiriert von der Natur und dem Nest des Töpfervogels
(Hornero).
Vilaró war ein Total-Künstler, der Kunst nicht als
statisches Objekt, sondern als Lebensform verstand. Seine Werke erzielen heute
bei Auktionen Preise von bis zu 21.000 USD, was seine anhaltende Wertschätzung
im Kunstmarkt unterstreicht.
Nächstes Ziel war die legendäre Stadt Piriápolis, gelegen an der Küste von Uruguay im Departamento Maldonado. Sie ist als der erste geplante Badeort des Landes von herausragender historischer und touristischer Bedeutung. Die Stadt wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit der Vision erschaffen, den Tourismus in der Region zu begründen, noch bevor das heute weltberühmte Punta del Este an Bedeutung gewann.
Die Stadt ist untrennbar mit ihrem Gründer Francisco
Piria (Fernando Juan Santiago Francisco María Piria) verbunden. Piria
kaufte Ende des 19. Jahrhunderts weite Landstriche, die damals als wertlos
galten, und entwarf eine Stadt nach europäischem Vorbild.
Piria war für sein Interesse an Alchemie und Symbolik
bekannt. Viele Gebäude der Stadt, wie sein eigenes Schloss (Castillo de Piria),
enthalten esoterische Symbole und folgen einer spezifischen energetischen
Planung. Er investierte massiv in die Infrastruktur, baute das
monumentale Argentino Hotel (einst eines der größten Südamerikas) und
förderte den Ort aktiv bei der Elite von Montevideo.
Piriápolis gilt als die „Wiege des Tourismus“ in Uruguay.
Die Rambla de los Argentinos, die Uferpromenade der Stadt, ist als
nationales historisches Denkmal geschützt. Im Gegensatz zu vielen anderen
Küstenorten wurde Piriápolis von Grund auf am Reißbrett entworfen, was ihr ein
einzigartiges, harmonisches Stadtbild verleiht.
Die Stadt ist von Hügeln wie dem Cerro San
Antonio und dem Cerro Pan de Azúcar umgeben, was sie von den
flacheren Strandabschnitten Uruguays unterscheidet und sie zu einem Zentrum für
Naturtourismus und Wandern macht. Mit rund 8.800 Einwohnern, die in der Saison
um ein Vielfaches ansteigen, bleibt sie ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor
für das Departamento Maldonado.
Wir wanderten auf der Rambla, der Küstenstraße, auf einer
touristengerechten Promenade zum „Schloss“ und zum Hotel Argentino, wo sich
heute auch das Casino befindet.
Ein bisschen kam es uns vor, als wäre der Ort aus der Zeit
gefallen, der den Schritt in die neue Zeit verschlafen hat. Unser
Restaurant-Besuch war auch nicht unbedingt erfolgreich. Das Erste verließen wir
wieder, weil die von uns gewählten Speisen, die auf der Karte angepriesen
wurden, nicht zur Verfügung standen. Im Zweiten mussten wir zur Kenntnis
nehmen, dass sie von Pizza und Cesar-Salat eine völlig andere Vorstellung
haben. Die in den Reiseführern beschriebene Attraktivität des berühmten
Badeortes blieb uns verborgen.
Anschließend besuchten wir in der Nähe der Stadt Piriapolis,
wohl zu ihr gehörend, die Fuente de Venus (Venusbrunnen), in
einem schön angelegten Park. Das Herzstück ist ein kleiner Tempel mit
Säulengängen, in dessen Mitte eine Statue der Göttin Venus steht. Aus einem
Krug, den sie in den Händen hält, ergießt sich Wasser in ein Becken.
Die Anlage hat für Piriápolis eine besondere historische
und symbolische Bedeutung: Die Quelle wurde im Februar 1911 von
Francisco Piria, dem Gründer der Stadt, eingeweiht. Piria wollte Piriápolis
nach europäischem Vorbild als luxuriösen Badeort gestalten.
Die Statue ist eine exakte Replik eines Brunnens in der
italienischen Villa Paravicini. Die Skulptur selbst wurde vom
französischen Künstler Mathurin Moreau entworfen und in der renommierten
Gießerei Val d'Osne in Frankreich gefertigt.
Die Fuente de Venus gehört zu einer Reihe von drei
symbolträchtigen Brunnen, die Piria für seine „Traumstadt“ ersann. Die anderen
beiden sind die Fuente del Toro (Stierbrunnen in Madrid) und
die Fuente de Stella Maris (in Venedig).
Die Venus steht für Schönheit, Liebe und Erneuerung. Viele
Einheimische schreiben dem Ort zudem eine mystische Energie zu, die eng mit
Pirias Interesse an Alchemie und Symbolik verknüpft ist. Es gibt übrigens
auch in Montevideo im Parque Rodó ein kleineres Bauwerk
namens Templete de Venus aus dem Jahr 1910.
Einen etwas originellen Ort wollten wir unbedingt noch
aufsuchen, das berühmte Adlerhaus (El Águila). Es
befindet sich in Villa Argentina, direkt neben dem bekannteren
Badeort Atlántida (ca. 45 km östlich von Montevideo).
Das Gebäude wurde 1945 vom italienischen
Millionär Natalio Michelizzi als privates Refugium und Lesezimmer
errichtet. Es ist aus Stein gebaut und hat die markante Form eines riesigen
Adlerkopfes mit Glasaugen, die auf das Meer blicken.
Lange hielten sich Gerüchte, es sei ein geheimer Stützpunkt
für Nazi-U-Boote gewesen, da Michelizzi deutsche Sympathien
nachgesagt wurden. In Wahrheit war es jedoch ein privates Hobbyprojekt, das
ursprünglich als „La Quimera“ (Die Chimäre) geplant war.
Ein etwas kurioser Parkwächter sorgte für diszipliniertes
Parken und effektive Platznutzung. Damit man die Sehenswürdigkeit optimal ins
Bild setzen kann, wurde eine Holz-Stiege zum Sandstrand gebaut. Ein letztes Mal
fühlten wir Sand unter den Schuhsohlen. Das wars dann! Wir fuhren zurück ins NH
nach Montevideo.
Um 20:00 Uhr gab es noch einen Abschiedstrunk in einem
Restaurant. Auch dort erlebten wir, dass vieles was auf der Karte angeboten
wird, nicht auf den Tisch gestellt werden kann. Die Kellnerin hat uns dafür
einiges vorgehustet. Ein Viertel argentinischer Rotwein (Malbeck) hat mir einen
tiefen Schlaf beschert.
Dienstag, 31. März 2026, Buenos Aires, Hotel Misti
Nach dem Frühstück brachten mich Ditmar und Angelika zum
Hafen. Gestern habe ich mich geärgert, weil das „Check-in“ am Handy nicht und
nicht funktionieren wollte. Heute teilte mir in Beamter der Firma Buquebus mit,
dass das für Ausländer gar nicht geht. Alles weitere klappte problemlos und ich
kam mit der Fähre gut in Buenos Aires an.
Geschichte Uruguays
Uruguay hat eine spannende Geschichte, die oft von seiner
Lage als Pufferstaat zwischen den Giganten Brasilien und Argentinien geprägt
war. Hier sind die wichtigsten Etappen kurz zusammengefasst:
1. Kolonialzeit und der "Kampf um die
Grenze"
Ursprünglich war das Gebiet von indigenen Völkern wie
den Charrúas besiedelt. Im 17. und 18. Jahrhundert stritten
sich Spanien und Portugal ununterbrochen um das Territorium.
Colonia del Sacramento: 1680
von den Portugiesen gegründet, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und zeigt diesen
portugiesischen Einfluss.
Montevideo: Wurde 1724 von den
Spaniern als militärische Festung gegründet, um den portugiesischen Vormarsch
zu stoppen.
2. Der Unabhängigkeitskampf (1811–1828)
Der Nationalheld José Gervasio Artigas führte
den Widerstand gegen die spanische Krone an. Nach komplizierten Kriegen gegen
Brasilien und Argentinien wurde Uruguay 1828 durch britische Vermittlung als
unabhängiger Pufferstaat anerkannt.
3. Die "Schweiz Amerikas" (Anfang 20.
Jahrhundert)
Unter Präsident José Batlle y Ordóñez erlebte
Uruguay eine goldene Ära. Er führte Reformen ein, die für die damalige Zeit
weltweit revolutionär waren:
(a) Trennung von Kirche und Staat. (b) Frauenwahlrecht
(sehr früh im Vergleich zu Europa). (c) Ein starker Sozialstaat und kostenloser
Zugang zu Bildung. Wegen dieser Stabilität und des Wohlstands erhielt das Land
den Spitznamen „Schweiz Amerikas“.
4. Krise und Diktatur (1973–1985)
Wirtschaftliche Probleme und soziale Unruhen führten in den
1960er Jahren zum Aufstieg der Stadtguerilla Tupamaros (zu
denen auch der spätere Präsident José „Pepe“ Mujica gehörte). 1973 übernahm das
Militär die Macht. Diese dunkle Phase endete erst 1985 mit der Rückkehr zur
Demokratie.
5. Das moderne Uruguay
Heute gilt Uruguay als das demokratischste und
progressivste Land Lateinamerikas. Es fiel in den letzten Jahren durch
liberale Gesetze auf, wie die Legalisierung von Marihuana, die
gleichgeschlechtliche Ehe und eine Vorreiterrolle bei erneuerbaren
Energien.
Uruguay war 1930 der Gastgeber und Sieger der
allerersten Fußball-Weltmeisterschaft. Das Finale fand im
legendären Estadio Centenario in Montevideo statt.
Die gegenwärtige politische Situation
Die politische Situation in Uruguay ist aktuell von einer
Rückkehr zur Mitte-Links-Regierung und einer stabilen demokratischen Kultur
geprägt. Das Land gilt weiterhin als eine der gefestigtsten Demokratien
Lateinamerikas.
Aktuelle Regierung und Führung
Regierungswechsel 2025:
Am 1. März 2025 trat Yamandú Orsi sein Amt
als Präsident von Uruguay an. Er gehört dem Mitte-Links-Bündnis Frente
Amplio an, das nach einer fünfjährigen Pause unter der konservativen
Regierung von Luis Lacalle Pou an die Macht zurückkehrte.
Wahlhintergrund: Orsi
gewann die Stichwahl im November 2024 mit rund 52 % der
Stimmen gegen Álvaro Delgado von der Nationalen Partei. Sein Programm setzt auf
eine „stärker integrierte Gesellschaft“ und soziale Gerechtigkeit.
Parlamentarische Lage
Keine absoluten Mehrheiten: Die
aktuelle Legislaturperiode ist durch ein geteiltes Parlament geprägt. Während
die Frente Amplio im Senat eine Mehrheit hält, verfügt in der
Abgeordnetenkammer kein Block über eine eigene absolute Mehrheit.
Zusammenarbeit:
Trotz fehlender Mehrheiten verlief das erste Jahr (2025) weitgehend ohne
politische Blockaden. Wichtige Gesetze, wie der Staatshaushalt, wurden teils
mit großen überparteilichen Mehrheiten verabschiedet.
Wichtige politische Themen (2025/2026)
Wirtschaftspolitik: Die
Regierung unter Wirtschaftsminister Gabriel Odone verfolgt einen moderaten
Kurs, um makroökonomische Stabilität zu wahren. Die Inflation sank bis Ende
2025 auf etwa 3,6 %, während das Wirtschaftswachstum für 2026 auf
ca. 2,6 % geschätzt wird.
Soziale Herausforderungen:
Themen wie die Bekämpfung der Armut, die Verbesserung der Sicherheit und
Bildungsreformen stehen weit oben auf der Agenda.
Menschenrechte: Es
gibt weiterhin öffentliche Debatten und Demonstrationen zur Aufarbeitung der
Militärdiktatur (1973–1985), insbesondere Forderungen nach Aufklärung über das
Schicksal der „Verschwundenen“.
Außenpolitik: Uruguay unterhält
eine traditionell neutrale und diplomatische Haltung. Zuletzt positionierte
sich die Regierung Orsi kritisch gegenüber ausländischen Militärinterventionen
(etwa im Kontext der USA und Venezuelas) und betont die nationale Souveränität.
Uruguay zeichnet sich auch unter der neuen Führung durch
einen respektvollen Umgang zwischen Regierung und Opposition aus, was im
regionalen Vergleich als außergewöhnlich gilt.
Die Rolle Uruguays im Tripel-Allianz-Krieg
Im Tripel-Allianz-Krieg (1864–1870), dem
blutigsten Konflikt in der Geschichte Südamerikas, spielte Uruguay eine
doppelte Rolle: Es war sowohl der Auslöser des Krieges als auch
ein Mitglied der siegreichen Allianz gegen Paraguay.
1. Uruguay als Kriegsauslöser
Der Konflikt begann eigentlich als uruguayischer
Bürgerkrieg zwischen den Blancos (Konservative) und den Colorados (Liberale): Brasilien
marschierte 1864 in Uruguay ein, um die Colorados unter
Venancio Flores zu unterstützen und die amtierende Blanco-Regierung
zu stürzen.
Der paraguayische Diktator Francisco Solano López sah durch
diesen Einmarsch das regionale Gleichgewicht bedroht. Er war ein Verbündeter
der Blanco-Regierung und erklärte Brasilien den Krieg, um Uruguay
zu verteidigen.
2. Wechsel der Seiten
Nachdem die von Brasilien unterstützten Colorados in
Uruguay die Macht übernommen hatten, änderte sich die politische Ausrichtung
des Landes grundlegend:
Uruguay kämpfte nun nicht mehr an der Seite Paraguays,
sondern schloss sich am 1. Mai 1865 mit Brasilien und
Argentinien zur Tripel-Allianz zusammen. Das Ziel des
Bündnisses war fortan der Sturz von Solano López in Paraguay.
3. Militärischer Beitrag
Obwohl Uruguay das kleinste Mitglied der Allianz war,
beteiligte es sich aktiv an den Kämpfen: Truppenstärke: Uruguay
stellte zu Beginn etwa 5.000 Soldaten (im Vergleich zu 40.000
von Brasilien und 25.000 von Argentinien). Führung: Der uruguayische
Präsident Venancio Flores war einer der kommandierenden
Generäle der Allianz in der Anfangsphase des Krieges.
Rückzug: Da Uruguay durch den
vorangegangenen Bürgerkrieg erschöpft war, zog es einen Großteil seiner Truppen
bereits vor dem endgültigen Ende des Krieges (1870) vom Schlachtfeld ab.
4. Folgen für Uruguay
Politische Stabilisierung: Der
Sieg festigte die Macht der Colorado-Partei, die Uruguay daraufhin
für viele Jahrzehnte dominierte.
Geste der Versöhnung: In
einem Akt der Wiedergutmachung gab Uruguay später (im 20. Jahrhundert) die im
Krieg erbeuteten Trophäen an Paraguay zurück.
Heute wird die Teilnahme am Krieg in Uruguay oft
selbstkritisch betrachtet, da er zur fast vollständigen Zerstörung Paraguays
führte.
Der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano (1940–2015) bewertet den Tripel-Allianz-Krieg (1864–1870) in seinem Hauptwerk Die offenen Wunden Lateinamerikas als einen der größten Akte der „Infamie“ und als gezielte Zerstörung eines erfolgreichen, unabhängigen Entwicklungsmodells.
Galeanos Analyse lässt sich in folgende Kernpunkte
unterteilen:
1. Paraguay als "gefährliches
Vorbild"
Für Galeano war Paraguay vor dem Krieg die einzige Nation
in Lateinamerika, die eine echte wirtschaftliche Unabhängigkeit erreicht
hatte.
Autonomie: Unter den Regierungen
von Francia und den López hatte Paraguay keine Auslandsschulden und investierte
seine Ressourcen in die eigene Infrastruktur (Eisenbahnen, Siderurgie).
Staatsbesitz: Grund und Boden sowie
wichtige Industrien waren staatlich organisiert, was laut Galeano die
Entstehung einer ausbeuterischen Oligarchie verh
2. Die Rolle Großbritanniens als "Vierter
Verbündeter"
Galeano vertritt die These (die heute unter Historikern
teils umstritten ist), dass das Britische Empire der
eigentliche Drahtzieher hinter dem Konflikt war.
Marktöffnung: England habe die
Allianz (Brasilien, Argentinien, Uruguay) finanziert und politisch gedrängt,
Paraguay zu zerschlagen, um dessen geschützten Markt für britische Waren und
Kapital zu öffnen.
Verschuldung: Die Kriegskredite der
Bank of London und anderer Häuser hätten die Siegerstaaten langfristig in die
Abhängigkeit britischer Banken getrieben.
3. Ein "geplanter Völkermord"
Galeano bezeichnet den Krieg als einen Genozid am
paraguayischen Volk.
Er beschreibt die fast vollständige Vernichtung der
männlichen Bevölkerung und die darauffolgende Plünderung des Landes als Mittel,
um Paraguay wieder in den Status einer „kolonialen Rohstoffquelle“ zu zwingen.
In seinem Werk „Memoria del fuego“ zitiert er scharf die
rassistischen Aussagen zeitgenössischer Führer der Allianz (wie Sarmiento), um
die moralische Verkommenheit der Angreifer zu untermauern.
Fazit Galeanos
Der Krieg war für Galeano kein bloßer Grenzkonflikt,
sondern die gewaltsame Eingliederung Paraguays in das globale kapitalistische
System unter der Vorherrschaft Englands. Er sieht darin den Moment, in dem die
Hoffnung auf ein eigenständiges, nicht-abhängiges Lateinamerika im Blut erstickt
wurde.