Kurt Udermann

Psalmen

 

Ich lade Sie/Dich ein, den Weg durchs neue Jahr mit den Psalmen zu gehen. Ich wähle die leichter verständliche „Neues Leben“ Übersetzung. Die Überschriften zu den Psalmen übernehme ich aus der Einheitsübersetzung.

„Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten; aber vor allem führe er uns zu sich.“ (Dietrich Bonhoeffer)


Psalm 8 (Die Herrschaft des Schöpfers – Die Würde des Menschen)

1 Für den Chorleiter: Ein Psalm Davids, zu begleiten auf einem Saiteninstrument.

2 HERR, unser Herrscher, herrlich ist dein Name auf der Erde! Deine Herrlichkeit zeigt sich am Himmel.

3 Kinder und Säuglinge hast du gelehrt, dich zu loben. Sie bringen deine Feinde zum Schweigen, die auf Rache aus waren.

4 Wenn ich den Himmel betrachte und das Werk deiner Hände sehe – den Mond und die Sterne, die du an ihren Platz gestellt hast –,

5 wie klein und unbedeutend ist da der Mensch und doch denkst du an ihn und sorgst für ihn!

6 Denn du hast ihn nur wenig geringer als Gott gemacht und ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt.

7 Du hast ihn über alles gesetzt, was du erschaffen hast, und ihm Vollmacht über alles gegeben –

8 die Schafe und die Rinder und alle wilden Tiere,

9 die Vögel am Himmel, die Fische im Meer und alles, was in den Meeren schwimmt.

10 HERR, unser Herrscher, herrlich ist dein Name auf der Erde! 

 

König David öffnet seine Augen und sein Herz. Er staunt und preist den Herrn: „Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde. Lob und Ehre sei dir unter uns Menschen. Am Himmel ist deine Größe sichtbar.“ Warum Ablehnung und Feindschaft? „Durch die Kleinen und Schwachen demütigst du deine Feinde.

Schau ich zum Himmel und sehe Sonne, Mond und Sterne, deiner Hände erhabenes Werk – und sehe den Menschen – wie klein und unwichtig er doch scheint! Und doch ist er in deinen Augen wichtig und kostbar. Du hast ihn als dein Bild und Gleichnis, als dein Gegenüber, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt und ihm deine Schöpfung anvertraut, hast ihm Vollmacht und Verantwortung übertragen.

Herr, unser Herrscher, wunderbar hast du die Welt erschaffen. Erbarme dich unserer Anmaßung!!!“


Psalm 6 (Bittgebet in Todesnot in der Nacht)

Für den Chorleiter: Ein Psalm Davids, zu begleiten auf einem achtsaitigen Saiteninstrument.

2 Ach HERR, züchtige mich nicht in deinem Zorn, strafe mich nicht in deiner Wut! 3 Hab Erbarmen mit mir, HERR, denn ich bin schwach. Heile mich, HERR, denn mein Körper leidet Qualen 4 und mein Herz ist krank. Wie lange noch, HERR?

Komm wieder, HERR, und rette mich. Hilf mir, weil du so gnädig bist. 6 Denn wer wird im Tod noch an dich denken? Wer soll dich aus dem Grab heraus loben? 7 Ich bin erschöpft vom Klagen. Die ganze Nacht tränke ich mein Bett mit Tränen, mein Kissen ist nass vom Weinen. 8 Mein Blick ist getrübt vom Kummer, meine Augen sind müde, weil ich so viele Feinde habe.

9 Fort mit euch, die ihr Böses tut, denn der HERR hat mein Weinen gehört. 10 Der HERR hat mein Bitten vernommen, er wird mein Gebet erhören. 11 Tief erschreckt und beschämt werden meine Feinde die Flucht ergreifen, sie werden beschämt abziehen.

 

Der Beter (König David) klagt über seinen bedauerlichen Zustand und fühlt sich gezüchtigt und gestraft durch Gottes Zorn und Wut. Was hat er getan? Wodurch hat er Gottes Groll verursacht?

Er gesteht seine Schwachheit und bekennt, dass er der Heilung bedarf: Sein Körper leidet Qualen und sein Herz ist krank. Wie lange noch? Was hat Gott für seine Läuterung vorgesehen? Wie lange noch wird er sich von ihm fernhalten?

Er ruft zu Gott und bittet um seine rettende Gegenwart, appelliert an Gottes Zuwendung. Er, der sich wie tot und begraben fühlt, möchte lieber Gott loben und preisen.

Tränen und Weinen, Kummer und Müdigkeit lasten schwer auf ihm wegen seiner zahlreichen Feinde. Er ist des Klagens müde.

In seiner Zuversicht auf den Herrn, zerreißt er die Fessel, die ihn an die Feinde bindet. Er vertraut, dass der Herr sein Weinen gehört und seine Bitten vernommen hat. Ja, er wird sein Gebet erhören. Beschämt werden seine Feinde ihn in Ruhe lassen.


Psalm 5 (Morgengebet um Beistand)

1 Für den Chorleiter: Ein Psalm Davids, auf Flöten zu begleiten.

2 HERR, höre mich, wenn ich bete, vernimm meine Klage!

Höre meinen Hilferuf, mein König und mein Gott, denn ich bete zu dir.

4 Höre meine Stimme am Morgen, HERR. Früh am Morgen trage ich dir meine Bitten vor und warte voll Ungeduld.

 

5 Denn dir, Gott, gefällt keine Gottlosigkeit; die Gottlosen dürfen nicht in deiner Nähe sein.

6 Deshalb können die Hochmütigen nicht vor dir bestehen, denn du hasst alle, die Böses tun.

7 Du wirst die Lügner vernichten. Du, HERR, verabscheust Mörder und Betrüger.

Durch deine Liebe darf ich in dein Haus kommen, voll Ehrfurcht bete ich dich in deinem heiligen Tempel an.

 

Führe mich den rechten Weg, HERR, damit mich meine Feinde nicht überwältigen. Zeige mir, welchen Weg ich gehen soll.

10 Denn meine Feinde sprechen kein wahres Wort. Ihr größtes Bestreben ist es, anderen zu schaden. Ihre Rede ist faul wie der Gestank aus einem offenen Grab. Sie ist durch und durch verlogen.

11 Sprich sie schuldig, Gott. Lass sie durch ihre eigenen Pläne zu Fall kommen. Verstoße sie wegen ihrer zahlreichen Sünden, denn sie begehren gegen dich auf.

 

12 Doch die bei dir Zuflucht suchen, sollen sich freuen, sie sollen Loblieder singen in alle Ewigkeit. Du beschützt sie, darum dürfen sich alle freuen, die deinen Namen lieben.

13 Denn du segnest den Gottesfürchtigen, HERR, und umgibst ihn schützend mit deiner Güte.

 

Der gestrige Tag ist vergangen, der neue bricht an, dennoch wirkt belastendes Altes in den neuen Tag herein. Der Beter stellt sich vor Gott auf den neuen Tag ein. Wer steht ihm verlässlich zur Seite? Wer hört seine Klagen und Hilferufe? Aufgrund bisheriger Erfahrungen wendet er sich mit seinen Anliegen vertrauensvoll an den Herrn.

Der Beter nimmt beim Morgengebet die Gottlosigkeit der Menschen um sich wahr: Feindschaft gegen Gott, Hochmut, Bosheit, Lüge, Mord und Betrug umgeben ihn. Er hingegen darf durch Gottes Liebe in seiner Nähe sein und ihn ehrfürchtig anbeten.

Er hat erkannt, dass nur der Weg, den Gott ihm weist und führt, ihn vor dem Zugriff der Feinde schützen kann. Seinen Feinden traut er nicht. Sie haben kein Mitgefühl. Ihre Bosheit und Selbstherrlichkeit, ihre verlogene Rede zerstört jegliches Vertrauen.

Er überlässt Gott das richtende Urteil über die Sünder, über die hochmütigen Gottlosen, die gegen Gott aufbegehren.

Mit der Freude dessen, der bei Gott Zuflucht sucht, beginnt der Beter seinen Tag mit der Ausrichtung auf Gott. Er vertraut, dass Gott ihn mit seinem Segen schützen und behüten wird.


Psalm 4      (Gottes Schutz in der Nacht)


Abends, wenn es um mich herum still wird, drängen Erfahrungen ins Bewusstsein, die ich während des Tages verdrängt habe. Sie können mich bis in den Schlaf hinein beunruhigen. Wie soll ich damit umgehen?


1 Für den Chorleiter: Ein Psalm Davids, zu begleiten auf Saiteninstrumenten.


Antworte mir, wenn ich rufe, mein Gott, der du mich von Schuld freisprichst. Du hast mich aus bedrängter Lage befreit. Sei mir gnädig und höre mein Gebet!
3 Ihr mächtigen Herren, wie lange wollt ihr noch meinen Ruf in den Dreck ziehen? Wie lange wollt ihr noch diese haltlosen Anklagen vorbringen? Wie lange wollt ihr noch Lügen verbreiten?
4 Eines dürft ihr ganz sicher wissen: Der HERR hat die Gottesfürchtigen erwählt. Der HERR wird mir antworten, wenn ich zu ihm rufe

5 Sündigt nicht, wenn ihr zornig seid. Nehmt euch eine Nacht Zeit, um darüber nachzudenken und verhaltet euch ruhig. 6 Bringt die vorgeschriebenen Opfer dar und vertraut auf den HERRN.
7 Viele Menschen fragen: »Wer wird uns bessere Zeiten bringen?« Lass das Licht deines Angesichts über uns leuchten, HERR! 8 Du hast mir größere Freude geschenkt als denen, die viel Wein und Korn ernten.


9 Ich will mich in Frieden hinlegen und schlafen, denn du allein, HERR, gibst mir Geborgenheit. 
 
Der Beter ruft zu Gott und bittet um Antwort. Schweigt Gott wegen seiner Fehler und Unzulänglichkeiten? Nein! Er vergibt ihm seine Schuld. Er hat erfahren, dass Gott ihn aus bedrängter Lage befreit hat. Deshalb bittet er, dass Gott sich ihm zuwendet und sein Beten hört.
Wieder befindet er sich in bedrängter Lage. Er fühlt sich ungerecht behandelt und verachtet. Er fasst die Ursache seines Schmerzes in klare Worte und fühlt sich hilflos ausgesetzt.
Von seinen Widersachern kehrt er in sein Inneres zurück und besinnt sich auf das, was ihn trägt: „Der Herr hat die Gottesfürchtigen erwählt“, nicht die Mächtigen. Seine Erfahrung lehrt ihn: „Der HERR wird mir antworten, wenn ich zu ihm rufe.“
Sich und seinen Glaubensgeschwistern ruft er in Erinnerung: Zorn kann leicht zur Sünde verführen. Es empfiehlt sich über Nacht zunächst über das Aufrührerische in sich nachzudenken und Ruhe beim Herrn zu suchen, ein Opfer zu bringen und sich Gott anzuvertrauen.
Seine innere Landschaft wird sich erhellen, wenn er sich auch der Freuden erinnert, die Gott ihm immer schon geschenkt hat und ihm auch weiterhin schenken wird.
Mit der Bitte um Frieden und der Gewissheit, dass Gott ihm Geborgenheit gibt, legt er sich schlafen.


Psalm 3

1 Ein Psalm Davids aus der Zeit, als er vor seinem Sohn Absalom floh.

2 HERR, ich habe so viele Feinde und meine Gegner sind so zahlreich!3 So viele sagen über mich: »Gott wird ihn nicht retten.«

4 Doch du, HERR, umgibst mich mit deinem Schutz, du bist meine Ehre und richtest mich auf. 5 Ich rufe zum HERRN, und er antwortet mir von seinem heiligen Berg. 6 Ich legte mich nieder, um zu schlafen, und erwachte in Sicherheit, denn der HERR behütete mich.

7 Ich fürchte mich nicht vor zehntausend Feinden, die mich von allen Seiten umzingeln. 8 Erhebe dich, HERR! Rette mich, mein Gott, denn du schlägst meinen Feinden ins Gesicht und zerschmetterst die Zähne der Gottlosen.

Ja, der HERR hilft uns. Gib deinem Volk deinen Segen! 

 

Der Beter, König David, findet sich in einer feindlichen, widerständigen und bedrohlichen Welt. Wo findet er Kraft, Ermutigung und Zuversicht? Seine zahlreichen Feinde und Gegner wollen ihm sogar seinen letzten Halt absprechen: „Gott wird ihn nicht retten.

Aber er vertraut seinen Erfahrungen mit dem Herrn, weiß sich von ihm beschützt, erhoben und aufgerichtet. Sein Flehen hat er erhört, ist ihm beigestanden und hat ihn behütet.

Auch wenn seine Feinde in Überzahl sind, er verzagt nicht. Er vertraut, dass der Herr ihn retten und seine Feinde demütigen wird.

Auf den Herrn können wir uns verlassen. Gib uns deinen Segen.


Psalm 2 


Spielt die Welt verrückt? Skrupellose Machtfantasien, rücksichtsloser Egoismus stoßen kaum mehr auf Ablehnung. Wohin steuert die Welt?


1 Warum toben die Völker vor Zorn? Warum schmieden sie vergebliche Pläne?

Die Könige der Erde lehnen sich auf, die Herrscher der Welt verschwören sich gegen den HERRN und seinen Gesalbten.

3 »Wir werden ihre Ketten zerreißen«, schreien sie, »und uns von ihrer Herrschaft befreien

4 Doch der Herrscher im Himmel lacht und spottet über sie.

5 In seinem Zorn straft er sie und erschreckt sie mit seiner heftigen Wut.

6 Denn der HERR spricht: »Ich habe meinen König auf dem Zion, meinem heiligen Berg, eingesetzt.«

7 Der König verkündet den Beschluss des HERRN: »Der HERR hat zu mir gesprochen: ›Du bist mein Sohn[1]. Heute habe ich dich gezeugt.

8 Bitte nur darum, und ich will dir die Völker zum Erbe geben, die Enden der Erde zu deinem Eigentum.

9 Du wirst sie mit eisernem Stab zerschmettern und sie zerschlagen wie Tontöpfe.‹«

10 Deshalb, ihr Könige, handelt klug! Lasst euch warnen, ihr Herrscher der Erde!

11 Dient dem HERRN in Ehrfurcht und jubelt ihm zu mit Zittern.

12 Beugt euch vor dem Sohn Gottes, damit er nicht zornig wird und ihr euer Leben verliert, denn sein Zorn bricht leicht aus. Glücklich sind alle, die bei ihm Schutz suchen!

 

Völker toben vor Zorn und schmieden törichte Pläne. Die Welt ist in Aufruhr und in Angst. Die Herrscher der Welt lassen ihre Masken fallen und wollen sein wie Gott. Der wahre Gott aber spottet ihrer Anmaßung.

Gott hat seinen König auf dem Zion eingesetzt und ihm die Völker der Erde zum Eigentum gegeben. Darum, ihr Machthaber handelt klug, denkt an eure Endlichkeit und dass ihr euer Tun werdet verantworten müssen: Dient dem Herrn und gebt ihm die Ehre.

Beugt euch vor dem, der gedient und euch durch seinen Tod am Kreuz versöhnt hat, dem Sohn Gottes aus dem Haus Davids.

Glücklich sind alle, die bei ihm Schutz suchen, alle die ein demütiges Herz haben und in der Lage sind ihr Knie zu beugen.

 

Psalm 1: Weisung zur Wahl des rechten Weges


Eine Frage, die sich jeder Mensch von Zeit zu Zeit stellt lautet: Bin ich glücklich? Warum bin ich jetzt unglücklich? Ist mein Glück, mein Wohlbefinden von äußeren Dingen abhängig? Muss ich anders leben, um glücklich zu sein? Der Psalm Eins kann uns bei der Beantwortung dieser Fragen behilflich sein:

 

1 Glücklich ist der Mensch,

der nicht auf den Rat der Gottlosen hört, der sich am Leben der Sünder kein Beispiel nimmt und sich nicht mit Spöttern abgibt.

Voller Freude tut er den Willen des HERRN[1] und denkt über sein Gesetz Tag und Nacht nach.

3 Er ist wie ein Baum, der am Flussufer wurzelt und Jahr für Jahr reiche Frucht trägt. Seine Blätter welken nicht, und alles, was er tut, gelingt ihm.

Ganz anders aber ergeht es den gottlosen Menschen! Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

5 Vor dem Gericht Gottes bestehen sie nicht und finden keinen Platz unter den Gottesfürchtigen.

6 Über die Wege der Gottesfürchtigen wacht der HERR, die Wege der Gottlosen aber führen ins Verderben.

 

Zunächst schlägt der Psalm vor zu bedenken, in welche Richtung mein Denken und Handeln tendiert. Orientiere ich mich mehr an positiven, auferbauenden, erfreulichen Gedanken oder Handlungen?

Natürlich entscheide ich mich, das zu denken und zu tun, was mir Freude bereitet. Vor allem Gedanken des Friedens und der Freude. Schön ist, was mir der Psalm verheißt: Ein fest verwurzelter, immergrüner Baum zu sein!

Ich entscheide mich, meiner Beziehung mit Gott, mehr Aufmerksamkeit zu schenken, anzufangen ihm regelmäßig von mir zu erzählen und ihn um seinen Rat zu fragen.

Icon Location
St. Urban Weg 11/79
9551 Bodensdorf